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Altenburg Aus hauptamtlich wird ehrenamtlich – aber der Bürger soll’s nicht merken
Region Altenburg Aus hauptamtlich wird ehrenamtlich – aber der Bürger soll’s nicht merken
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00:23 08.05.2018
Steffen Stange – alter und neuer Bürgermeister der Gemeinde Rositz. Quelle: Mario Jahn
Rositz

Steffen Stange (parteilos) ist seit zwölf Jahren Bürgermeister in der Gemeinde Rositz. Und er wird es die nächsten sechs Jahre bleiben. Mehr als die Hälfte der Rositzer Wahlberechtigten – 54,2 Prozent – beteiligten sich an der Kommunalwahl vor drei Wochen. Bis auf eine einzige Stimme votierten alle anderen für den Amtsinhaber. Letztlich bekam Stange so 99,8 Prozent, was er natürlich als großen Rückhalt aus der Bevölkerung empfindet, aber auch als Auftrag. Als Auftrag, seine Politik für Rositz weiterzuführen – dem fühle er sich verpflichtet, erklärt Stange im OVZ-Gespräch. Im positivsten Sinn soll sich für die Rositzer nichts ändern, betont er.

Für Stange selbst wird sich dagegen einiges ändern. Wie berichtet, wird ab 1. Juli, wenn die neue Amtszeit des Bürgermeisters beginnt, Rositz keinen hauptamtlichen Bürgermeister mehr haben. Zukünftig muss, weil die Kommune unter 3000 Einwohner gerutscht ist, Stange ehrenamtlich die Geschicke der Gemeinde lenken. „Erstmals seit 1923 haben wir in unserer Gemeinde nur einen ehrenamtlichen Bürgermeister. Und das trotz eines einstimmigen Gemeinderatsbeschlusses, dass die Kosten von der Gemeinde für einen hauptamtlichen Bürgermeister getragen würden und wir mit einer der größten Altlasten der Bundesrepublik kämpfen. Mit welcher Ignoranz das Land dieses gesundheitsgefährdende Erbe einstuft, ist einfach beschämend“, erklärt er.

Wie er sich entscheiden wird, ob er seinen alten Beruf als Verwaltungswirt in Borna wieder aufnimmt oder ganz andere Wege findet, habe er noch nicht entschieden. „Und mehr möchte ich dazu jetzt auch noch nicht sagen.“ Doch Stange bestätigt, dass es praktisch kaum möglich sei, Vollzeit außerhalb der Gemeinde zu arbeiten und gleichzeitig ehrenamtlich Rositz samt der 35 kommunalen Angestellten als Chef zu führen. Dazu kommt natürlich seine politische Agenda für die kommenden sechs Jahre als Bürgermeister.

An erster Stelle stehe die weitere Verbesserung des Ortsbildes. „Unter anderem müssen marode Gebäude verschwinden, Investoren für erhaltenswerte Gebäude gefunden und Straßen und Wege ausgebaut werden“, nennt Stange Beispiele. Darüber hinaus sei es für die Gemeinde wichtig, wirtschaftliche Strukturen weiterzuentwickeln. „Wir sind schlicht auf Steuereinnahmen angewiesen, um auch in den nächsten Jahren die Vielzahl an freiwilligen Leistungen, wie das Freibad, die Sportstätten, das Kulturhaus, den Jugendclub, die Bibliothek, die Heimatmuseen und den Bernsteinhof erhalten zu können.“ Wenn all das über sechs Jahre auf dem Stand von heute gehalten werden kann, sei die Kommune ganz weit vorn, findet der alte und neue Bürgermeister.

Gewerbesteuern könnten und sollen auch auf den ehemaligen Industriestandorten des früheren Chemiearbeiterdorfes erwirtschaftet werden. Bereits 1998 erfolgte der erste Spatenstich zur Erschließung des Gewerbegebietes am ehemaligen Teerverarbeitungswerk Rositz. Doch bisher bestanden Hemmnisse unter anderem bei der Beantragung von Krediten, weil Investoren für eventuell gefundene Altlasten gehaftet hätten.

Dementsprechend gering war bis jetzt das Interesse und leer ist das Gewerbegebiet. „Am Ende des vergangenen Jahres ist es uns gelungen, dass Thüringer Umweltministerium zu überzeugen, zukünftigen Investoren im Gewerbegebiet Teerverarbeitungswerk eine Freistellung zu erteilen. Damit entfallen die alten Hemmnisse, was uns bei der Gewinnung von Investoren einen großen Schritt voranbringen könnte“, blickt Stange in die Zukunft.

Von Jörg Reuter

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