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Altenburg Ausfüllhilfe entfällt – Landratsamt Altenburger Land strukturiert Bürgerservice neu
Region Altenburg Ausfüllhilfe entfällt – Landratsamt Altenburger Land strukturiert Bürgerservice neu
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06:06 11.01.2018
Gabriele Rutkowski kümmert sich im umgestalteten Bürgerservice um die Anliegen. Ausfüllhilfe für Formulare kann sie aber nicht mehr leisten. Quelle: Thomas Haegeler
Altenburg

Die neue Struktur des Bürgerservices im Landratsamt nimmt Gestalt an. Wie Landrätin Michaele Sojka (Linke) auf OVZ-Nachfrage mitteilte, gibt es im Erdgeschoss des Hauses in der Lindenaustraße 9 seit Jahresbeginn keine Ausfüllhilfe mehr für Anträge. Brauchen Bürger dabei Unterstützung, bekommen sie diese nun in den dafür zuständigen Fachdiensten. Hintergrund dieser Änderung, die auch räumliche und organisatorische Neuerungen nach sich zieht, ist das zunehmende Spezialwissen über gesetzliche Änderungen und der Umstand, dass mehrere Mitarbeiter in Rente gehen. Der erste hat heute seinen letzten Arbeitstag, der zweite im März.

„Der Bürgerservice ist jetzt dezentralisiert“, erklärte Sojka die Veränderung nach 19 Jahren. Somit erfolge die Dienstleistung jetzt nicht mehr nur dort, sondern auch in den zuständigen Abteilungen. „Die Sozialleistungen sind inzwischen so sehr individualisiert, dass die Anliegen trotz zusätzlicher Qualifikation, die sich die Mitarbeiter erworben haben, manchmal nicht endgeklärt werden konnten.“ Folglich hätten die Bürger dann einen zusätzlichen Weg in den Fachdienst gehabt. „Außerdem sind die gesetzlichen Änderungen so spezifisch, dass die Mitarbeiter dafür ständig weitergebildet werden müssen. Dass wir das doppelt machen – mit den Fachdienst- und Bürgerservicemitarbeitern – geht nicht.“

Ganz konkret betrifft das etwa Anträge nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög), auf Übernahme für Kinderbetreuungskosten, auf Wohngeld, auf Schwerbehinderung oder für andere Sozialleistungen sowie für den Sozialpass. Gelbe Säcke aber gibt es weiter im Bürgerservice. Während die Schwerbehinderten bisher schon ins Gesundheitsamt mussten, müssen sich alle anderen nun für Detailfragen an die Fachdienste im Bereich Soziales wenden. Dass die Wege für die Bürger dadurch länger werden, sieht Sojka abgesehen von der Anlaufphase aber nicht. „Es muss sich erst einspielen, keine Frage. Aber ich möchte, dass der Bürger davon so wenig wie möglich merkt.“

Deswegen verständigte man sich im Landratsamt erst am Montag darauf, das Verfahren beim Sozialpass generell zu vereinfachen. Denn den Antrag dafür bekommen Bedürftige künftig mit ihrem Bescheid bei allen eingebundenen Fachdiensten und im Jobcenter. Dieser müsse nur ausgefüllt und abgegeben werden, erklärte die Landrätin. „Den Pass bekommt der Antragsteller dann zugeschickt.“ Darüber hinaus arbeite man daran, dass dieser an mehr Stellen im Kreis und auch außerhalb akzeptiert wird – etwa im Leipziger Zoo. Zudem verwies die Landrätin auf den Online-Service ihrer Behörde mit über 700 Formularen.

Abgesehen von den Aufgaben hat sich auch das Erscheinungsbild des Raumes links neben dem Eingang des Landratamts verändert, weil eine provisorische Wand in den Bürgerservice eingezogen wurde. Wo vorher bis zu drei Angestellte saßen, sitzt nun nur noch eine Mitarbeiterin. Die verbliebene Fachkraft nimmt die Formulare entgegen, händigt sie aus oder vermittelt – bei Bedarf – an den entsprechenden Fachdienst.

Hinter der Trennwand, die verschwindet, wenn die hinteren Räume umgebaut sind, befindet sich nun die Poststelle des Landratsamts. Deren Mitarbeiter wiederum vertreten die Dame im Bürgerservice, wenn sie auf Toilette, im Urlaub oder krank ist. Daher gehört sie nun organisatorisch zum Bereich „Zentrale Dienste“, bei dem auch die Poststelle angesiedelt ist. Der Fachdienst Bürgerservice und Kultur ist folglich aufgelöst. Dessen Leiterin Angelika Kiesewetter-Lorenz wechselte mit der verbliebenen Zuständigkeit Kultur zur Wirtschaftsförderung.

Bei den Öffnungszeiten gibt es jedoch keine Einschränkungen. Das Büro bleibt wie bisher geöffnet. „Es ist also kein Schließen durch die Hintertür“, erklärte Sojka und tritt damit Gerüchten entgegen, die sich in ihrem Haus und auch außerhalb hartnäckig halten. Im Gegenteil. Sind die zwei Stellen, die nun altersbedingt frei und ausgeschrieben werden, nachbesetzt, peilt die Landrätin eine durchgehende Öffnung des Büros ohne Mittagspause an. „Das ist bürgerfreundlicher, weil Arbeitstätige ihre Anträge dann auch in der Mittagspause abholen oder abgeben können“, so Sojka, deren Haus zumindest eine der beiden Stellen mit einem Behinderten besetzen möchte.

Perspektivisch hofft Sojka auf eine stärkere Zusammenarbeit mit Altenburg nach der Oberbürgermeisterwahl. „Ich wünsche mir eine zentrale Anlaufstelle auf dem Markt“, sagte sie. Vorbild sei Schmölln. Durch die Zusammenarbeit mit der dortigen Verwaltung könnten dort neben anderen Dingen auch Fristsachen fürs Jobcenter abgegeben werden. „Es zählt dann der Eingangspoststempel des Bürgerservices.“

Von Thomas Haegeler

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