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Außergewöhnlich meisterlich: "Lady Macbeth von Mzensk" im Landestheater

Außergewöhnlich meisterlich: "Lady Macbeth von Mzensk" im Landestheater

Vorgestern hatte die Oper "Lady Macbeth von Mzensk" ihre Altenburger Premiere. Und es zeigte sich: Dieses Werk ist außergewöhnlich und steht in einer großartigen Inszenierung und in musikalisch unantastbarer Interpretation auf der Bühne des Landestheaters.

Altenburg.

 

Diese episch angelegte Oper erzählt musikalisch das Schicksal der Kaufmannsfrau Katerina Ismailowa in einer Provinz im alten Russland. Im Gegensatz zur männermordenden Lady Macbeth in Shakespeares Drama, die ausschließlich nach Macht giert, sehnt sich die reiche, gelangweilte Kaufmannsfrau nach menschlicher Wärme und sexueller Erfüllung. Beides kann sie in einer Männergesellschaft, die geprägt ist von sexueller Brutalität, Dumpfheit und Gefühlsleere im Zusammenleben der Geschlechter, nicht finden. Ihr Mann ist ein erbärmlicher Schwächling, ihr Schwiegervater ein brutaler Tyrann und Lüstling und ihr Geliebter und neuer Ehemann Sergej letztendlich ein gemeiner Verräter ihrer großen Liebe. Zurück bleiben zwei Morde an den beiden ersten, für die sie und ihr Mann zur Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt werden. Auf dem Wege dorthin springt Katerina in einen See und reißt die neue Geliebte ihres Sergej aus Verzweiflung mit in den Tod. So ist Katerina Täterin und Opfer zugleich.

 

Das alles wird in Text und Musik von Schostakowitsch mit erschütternder Eindringlichkeit geschildert und macht diese Oper zu einem der aufregendsten Werke der neueren Musikgeschichte. Ihr Ausdruck reicht vom Zarten bis zum Ekstatischen, vom Tragischen bis zum Grotesken. Plakatives steht hier neben Innerlichem. Dass dieses nun in Gera und Altenburg auf der Bühne steht in einer Inszenierung, die schon ans Kongeniale grenzt, ist Theater- und Opernchef Kay Kuntze zu verdanken. Er hat alle verfügbaren Kräfte für dieses Meisterwerk gebündelt, Orchester und Chor verstärkt, eine Sängerin und einen Sänger von außerhalb geholt und eine Aufführung gemeißelt, die nicht nur alle Beteiligten auf der Bühne und im Graben bis an Grenzen führt, sondern die die Zuschauer auch drei Stunden lang in Atem und angespannter Aufmerksamkeit hält. Wer Opern im Speziellen und Theater im Allgemeinen mag, sollte sich diese Aufführung keinesfalls entgehen lassen. Es ist neben dem vielen Guten, was auf den Bühnen in Gera und Altenburg geschieht, mit das Beste und im gewissen Sinne auch etwas Einmaliges und von historischem Gewicht.

 

Kay Kuntze spart nicht mit Turbulenz wie in der Vergewaltigungsszene oder auf der Polizeistation, er führt jede Person in der Handlung bis zur kleinsten Verästelung und macht jede Aktion bis hin zur Geste sinn- und augenfällig. Dabei verlässt er die Grundstimmung der Oper, die Düsternis, nicht. Das alles ist eingerahmt in ein dunkel gehaltenes Bühnenbild (Duncan Hayler), das mit Versatzstücken arbeitet, die sich auch während des Handlungsablaufes ständig verändern und immer neue Örtlichkeiten schaffen. Es ist eine ausgesprochen meisterliche Leistung der Bühnentechnik.

 

Meisterlich ist auch der musikalische Teil der Aufführung. Das Orchester hat eine ausgesprochen anspruchsvolle und aufwühlende Partitur zu spielen. Generalmusikdirektor Laurent Wagner führt das Orchester zu großer Spielkultur und leuchtet die ganze Spannbreite von extremer Dynamik bis zum kaum hörbaren Pianissimo in bester Qualität aus. Die Orchesterzwischenspiele stehen wie gemeißelte Miniaturen. Die Banda, ein Blechblasensemble auf der Bühne, gibt die orgiastische Begleitmusik zur ersten sexuellen Vereinigung von Katerina und Sergej. Der Chor überzeugt in mächtigen Chorszenen sängerisch wie darstellerisch.

 

Der ganze Abend wird getragen von großartigen Sängern, die gleichwertig auch schauspielerisch agieren, zuvorderst Valerie Suty in der Ausnahmepartie der Katerina Ismailowa. Die Leidenschaft sowie das sexuelle Verlangen, die Enttäuschung und die große Tragik gestaltet die Sängerin überwältigend, mit großer Emphase und strahlender Leuchtkraft. Zwischen lyrischer Verhaltenheit und explosivem Ausbruch ist bei ihr alles möglich.

 

Ganz überzeugend ist auch Johannes Beck als Schwiegervater mit großer baritonaler Linie in der Gestaltung seiner Partie. Bernardo Kim singt die seiner lyrischen Stimmlage entgegengesetzte Partie des Sergej überzeugend. So wirkt auch Erik Slik als Katerinas erster Ehemann eher berührend in seiner Hilflosigkeit denn abstoßend.

 

Ein Kabinettstück ist die Gestaltung des Schäbigen durch Mark Bowmann-Hester. Sein Daueraufenthalt auf der Bühne verlangt weniger Gesang denn mehr Schauspielerei. Dem wird er voll gerecht. André Eckart gibt mit seinem profunden Bass den Popen und Kai Wefer den Polizeichef und andere kleine Rollen. Katie Bolding und Crysanthi Spitadi überzeugen als Hausangestellte und als neues Liebchen des Sergej ebenso wie Kai-Uwe Fahnert als Zwangsarbeiter und in der Maske des Komponisten Dmitri Schostakowitsch. Zu einigen Chorsolisten kann man dasselbe sagen.

 

Das Premierenpublikum feierte diese außergewöhnliche Aufführung mit mehr als langem Beifall, Zurufen, Bravi und teilweise Standing Ovations.

Manfred Hainich

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