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Ausstellung "Asien in Altenburg" zeigt kontrastreiches Spektrum

Ausstellung "Asien in Altenburg" zeigt kontrastreiches Spektrum

"Asien in Altenburg" - so ist jene neueste Sonderausstellung des Lindenau-Museums überschrieben, die am Wochenende unter großem Besucherinteresse eröffnet wurde.

Altenburg.

Gezeigt werden kostbare Porzellane, Specksteinfiguren, Albumblätter und Gemälde, umrahmt von Ostasiatika aus der umfangreichen Bibliothek des Museumsgründers.

 

Erstmals wieder nach fast 170 Jahren finden sich damit Sammlungsteile zusammen, die Bernhard August von Lindenau im Herbst 1845 aus Platzgründen selbst getrennt hatte. Um Raum zu schaffen für seine Antiken- und Renaissancesammlungen, hatte er ein umfängliches Konvolut an Porzellanen, Gemälden, Zeichnungen und Kleinplastiken aus Ostasien der herzoglichen Rüstkammer seiner Heimatstadt Altenburg übergeben. Als Bestandteil der Lindenau-Zach'schen Stiftung befinden sich diese Exponate bis heute auf dem Schloss und werden im dortigen Museum geschätzt, behütet, teilweise in Dauerausstellungen präsentiert und - so wie es die Finanzlage erlaubt - nach und nach restauriert und wissenschaftlich aufgearbeitet.

 

Jetzt hat sich Museumsleiterin Uta Künzl für zehn Wochen von einigen der bedeutsamen Objekte getrennt, um sie leihweise in die Sonderschau im Haus an der Gabelentzstraße einfließen zu lassen. Dank einer erstmals in dieser Form realisierten Zusammenarbeit von Lindenau-Museum und Schlossmuseum kommt der Ausstellungsbesucher in den Genuss, etliche wichtige Elemente aus beiden Sammlungsteilen in einer gelungenen und attraktiv gestalteten Gesamtpräsentation in Augenschein nehmen zu dürfen.

 

Ein informativer Katalog hält neben der hochwertigen bildlichen Darstellung vieler Objekte umfangreiche Informationen zu Details und zu Hintergründen bereit. Auch dies ist im Übrigen ein wesentlicher Verdienst dieser von der stellvertretenden Direktorin des Lindenau-Museums, Sabine Hofmann, und Keramikrestauratorin Susanne Reim konzipierten und realisierten Ausstellung: Im Jahr des 160. Todestages von Lindenau (1779-1854) wurde es dank Sponsoren möglich, in Vorbereitung dieser Exposition gewichtige wissenschaftliche Aufarbeitungen in Auftrag zu geben. Diesen Part übernahm der Sinologe, Japanologe und Religionswissenschaftler Finn Harder, der den Spuren und Hintergründen der Specksteinfiguren, Albumblätter und Gemälde folgte. Er ermöglichte deren Einordnung in einen kunsthistorischen Kontext und die Bestimmung ihres Stellenwerts innerhalb der Lindenau'schen Sammlungen. "Damit zugleich die Grundlagen für einen wünschenswerten zukünftigen Bestandskatalog legend", wie Museumsdirektorin Julia M. Nauhaus anmerkt.

 

Befragt nach den vielleicht bedeutsamsten Objekten in dieser jetzt gezeigten Präsentation, muss der in Weimar lebende Wissenschaftler Finn Harder nicht lange überlegen: "Den kunsthistorisch wertvollsten Posten bilden die fünf Ölbilder aus Guangzhou aus der Zeit um 1790." Sie stammen aus einem insgesamt acht Bilder umfassenden Zyklus, den das Altenburger Schlossmuseum sein Eigen nennen darf. Die beeindruckenden Darstellungen gewähren einen Einblick in die - für die Zielgruppe des europäischen Kunstmarktes vermutlich idealisierte - asiatische Lebenskultur jener Zeit. "Die Malereien vermitteln die Umrisse eines Chinas, das sich farbenfroh, aber nicht überschäumend, gesellig, jedoch auf Form bedacht, voller Aktivitäten, aber ohne Dramatik gibt", so Finn Harder. Widergespiegelt sei "noch einmal die Vision des reichsten Landes der Erde, in dem Sittlichkeit, Vernunft und Harmonie quasi-ausklärerisch regieren", eine Sicht auf die Wirklichkeit, die sich spätestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Trugbild erwies.

 

Vergleichbare Szenerien und damit ein zusätzlich üppig-buntes Bild vom Alltagsleben vermitteln gleichermaßen Blätter in verschiedensten Bänden aus Lindenaus Kunstbibliothek, die sich mit Reisebeschreibungen und Geografie der Region beschäftigen. Auf dem Weg in den Bibliotheksraum, der in die Sonderausstellung einbezogen wird, gelangt der Besucher in ein Porzellankabinett, das einen kleinen Querschnitt aus jener umfänglichen Lindenau-Zach'schen Porzellansammlung offeriert, der das Schlossmuseum seit 1994 seine verstärkte Aufmerksamkeit widmet.

 

Bemerkenswert in der jetzigen Präsentation des Lindenau-Museums sind zudem jene Figuren aus Speckstein, die ab dem 17. Jahrhundert zu beliebten Sammlerobjekten avancierten und auch in der Gegenwart faszinierte Betrachter finden dürften. Diese Figuren mit ihren märchenhaften, mythischen Hintergründen und ihren teils mystisch oder auch skurril wirkenden Darstellungen entwerfen eine Gegenwelt zu jenem "realen", geordneten China-Bild, wie es beispielsweise die Gemälde zeigen.

 

Ein breites, kontrastreiches Spektrum an Ostasiatika erwartet den Gast des Lindenau-Museums also in dieser Sonderausstellung, die noch bis Ende September zu sehen ist und in deren Verlauf etliche begleitende Sonderveranstaltungen geplant sind.

Frank Engelmann

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