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Altenburg Ausstellung erzählt Altenburger Geschichte
Region Altenburg Ausstellung erzählt Altenburger Geschichte
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17:07 10.10.2018
Besucher bestaunen am Tag der Altenburger die älteste bekannte Hormte der Region aus dem Jahr 1597. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Noch bis Sonntag, den 14. Oktober, können Altenburger und Altenburgerinnen den Tag der Altenburger noch ein bisschen nachwirken lassen. Im Orangerie-Saal auf dem Schloßberg zeigt eine Ausstellung Gegenstände aus der Geschichte der Skatstadt und des Bauernreitens, die noch nie vorher präsentiert wurden. Eröffnet wurde die vom Altenburger Bauernhöfe Verein organisierte Ausstellung bereits am Tag der Altenburger. Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow ließ sich von Christian Klau, der maßgeblich an der Organisation beteiligt war, am vergangenen Sonntag eine Führung geben und staunte nicht schlecht über die Geschichten, die sich hinter den Objekten verbergen.

„Es gibt einige Highlights zu sehen“, verrät Klau. Eines davon wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar. In einer der Vitrinen steht ein kleiner silberner Pokal. Doch seine Geschichte reicht bis zum ersten dokumentierten Bauernreiten vor 200 Jahren zurück. Nach 13 Jahren Abwesenheit kehrte Herzog Emil Leopold August von Sachsen-Gotha-Altenburg im Jahr 1818 erstmals nach Altenburg in seine Nebenresidenz zurück. Anlässlich dieses Besuchs fand das erste in Quellen belegte Bauernreiten statt.

Herzog ging unerkannt auf Kostümfest in Bauerntracht

Dies hatte dem Herzog so gut gefallen, dass er nur ein Jahr später für ein Kostümfest zurück in die Skatstadt kehrte. Um sich verkleiden zu können, fragte er den hiesigen Pfarrer nach einer traditionellen Bauerntracht. Dieser verwies ihn an den Bauer Michael Pohle, welcher den Herzog in seine eigene Tracht einkleidete. Emil Leopold August, der laut Christian Klau „etwas für Inszenierungen übrig hatte“, ging auf das Fest und blieb eine ganze Weile unerkannt. Darüber war der Herzog so entzückt, dass er Bauer Pohle den silbernen Pokal als Dankeschön überreichte.

Ein weiteres Highlight, mit einer ebenso interessanten Geschichte, ist das letzte große Reitzeug von 1792. Es besteht aus Leder und ist mit vielen goldschimmernden Messingteilen verziert. Das Reitzeug stammt aus dem Besitz der Familie Kresse in Lehma und schmückte womöglich bereits eines der Pferde, auf denen die Bauern 1818 ihren Herzog empfingen. Vermutlich gab die traditionsverbundene Familie Kresse das kostbare Pferdegeschirr von Generation zu Generation weiter. Als 22-jähriger Mann ritt Mollo Kresse auf einem mit diesem Reitzeug geschmückten Pferd beim letzten Bauernreiten alter Prägung im Jahr 1933 mit. Schon damals galt das Geschirr als Rarität.

Letztes Reitzeug überstand Zweiten Weltkrieg unbeschadet

Als Mollo in den Zweiten Weltkrieg eingezogen wurde, malte er die Messingteile schwarz an und versteckte das kostbare Gut irgendwo auf seinem Gehöft. Im Jahr 1945 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück und fand das Reitzeug immer noch auf seinem Hof auf. Während der DDR-Zeit verlor die Familie viele ihrer Trachten, weil diese ausgeliehen und nie zurück gegeben wurden – doch das Reitzeug überstand auch diese Zeit. Erst kürzlich wurde es restauriert und wird der Öffentlichkeit erstmals seit vielen Jahren in der Ausstellung in der Orangerie zugänglich gemacht.

Ebenfalls zu sehen gibt es die älteste Hormte des Altenburger Landes von 1597 und originale Teile einer Tracht, die 1819 an Herzog Emil Leopold August durch die Bauernschaft Altenburg überreicht wurde. Die Ausstellung ist Besuchern noch bis zum 14. Oktober von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet regulär 3 Euro und ermäßigt 1,50 Euro. Die Eintrittsgelder kommen der Bockwindmühle in Lumpzig zugute, die durch den Orkan „Friederike“ im Januar dieses Jahres stark beschädigt wurde.

Von Pia Siemer

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