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Automaten-Sprenger von Schmölln: Krankheit, Verfolgungsjagd und Drogenfunde

Prozess am Landgericht Automaten-Sprenger von Schmölln: Krankheit, Verfolgungsjagd und Drogenfunde

Nicht nur durch Krankmeldung rückte am fünften Verhandlungstag im Prozess gegen die Automaten-Sprenger von Schmölln der Angeklagte Sascha E. in den Fokus. Der hatte sich am 4. März dieses Jahres eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Nach seiner Festnahme fanden die Beamten zudem Drogen bei dem jetzt Angeklagten.

Schild am Landgericht in Gera.

Quelle: dpa-Zentralbild

Gera/Schmölln. „Nichts klappt, außer die Türen“, meinte eine Mitarbeiterin des Landgerichts Gera. Damit traf sie am fünften Tag im Prozess gegen die Automaten-Sprenger von Schmölln den Nagel auf den Kopf. Erst verspätete sich Gutachter Ingo Leichsering am Mittwoch um mehr als eine halbe Stunde. Dann meldete sich einer der drei Angeklagten krank und mit ihm gleich noch zwei Zeugen – letztere allerdings mit Attesten desselben Arztes. Somit blieb der von Richterin Andrea Höfs geleiteten 11. Strafkammer nur ein geringer Verfahrensfortschritt, bei dem der Angeklagte Sascha E. in den Fokus rückte.

Dass der Schmöllner Marcel K. sich nur durch seinen Altenburger Anwalt Carl Sommer „wegen Magen und Darm“ krankmelden ließ, legte ihm die Kammer nicht zum Nachteil aus und beurlaubte ihn. „Er hat angerufen, aber der Anruf konnte in der Geschäftsstelle nicht entgegengenommen werden“, erklärte Höfs. Zudem sollten ohnehin nur Tatvorwürfe verhandelt werden, die den Angeklagten E. betreffen. Doch die haben es in sich, auch wenn sie die Kernanklage der Sprengstoff-Explosionen im Februar dieses Jahres nicht berühren.

Dafür gab es am 4. März dieses Jahres eine Verfolgungsjagd mit E. und einem Polizisten, deren Ende mit einem Unfall, einer Rangelei, der Festnahme und einem Drogenfund ereignisreich war. Aufgefallen war der Angeklagte dem Polizisten, weil er ihm an besagtem Tag auf der Gößnitzer Straße in Schmölln fast die Vorfahrt genommen hatte. „Außerdem hing ein Blinker herunter, und das Kennzeichen wirkte unsauber“, erklärte der Beamte vor Gericht.

Allerdings war es für den 1,95-Meter-Hünen nicht leicht, bei der Verfolgung mit dem Auto an E. dranzubleiben. Denn der düste den Kellerberg mit fast 100 Sachen hinauf. Hinter der Hucke kam er allerdings zu Fall und das Motorrad, dessen Kennzeichen manipuliert war, schlitterte auf einen Bus zu. Weil es dem Beamten unerklärlich war, wie man auf dieser schnurgeraden Strecke stürzen kann, ging er mit Kollegen später auf die Suche. Und tatsächlich fand sich eine Tüte mit Drogen am Straßenrand, die der Angeklagte offenbar zuvor weggeschmissen hatte, was wohl auch zum Sturz führte.

Die Festnahme des als Drogenkonsument und Moped-Fahrer ohne Führerschein bekannten Angeklagten gestaltete sich jedoch schwierig. Denn der flüchtete zunächst und wehrte sich mit Händen und Füßen gegen die Festnahme. Da er jedoch weder Pfefferspray noch einen Schlagstock einsetzen wollte, entschied sich der Polizist, E. mit Körpereinsatz „zu Boden zu bringen“. Das gelang, doch die Gegenwehr ging weiter. „Wir waren beide erheblich verschwitzt, als wir fertig waren.“ Ernsthaft verletzt habe er den Angeklagten aber nicht.

Das hatte dieser jedoch zu Beginn des Prozesses und auch bei seiner Vernehmung behauptet. „Er hat sicher etwas abbekommen, aber die Hose war schon kaputt vom Sturz, und die Verletzungen stammten auch vom Unfall“, sagte der Polizist, während E. etwas in seinen nicht vorhandenen Bart brummelte. Wegen der gefundenen Drogen durchsuchte man im Anschluss noch die Wohnräume des Angeklagten und fand dort weitere Betäubungsmittel sowie Utensilien wie eine Feinwaage.

Zum sechsten Verhandlungstermin am Montag ist neben E.s Vater ein weiterer Zeuge geladen, der möglicherweise etwas zu den Sprengungen sagen kann. Sind auch die Erkrankten wieder fit, könnte es also wieder mehr vorangehen. Falls nicht, wird der Prozess kaum in den weiteren sechs Verhandlungstagen bis 18. Februar abzuschließen sein.

Von Thomas Haegeler

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