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Automobilzulieferer MAT investiert Millionen in Altenburg

Neues Leben in Fräger-Halle Automobilzulieferer MAT investiert Millionen in Altenburg

Die ehemalige Fräger-Halle in Altenburg ist verkauft. Damit zog zugleich neues Leben in der Leipziger Straße ein. Wie der Insolvenzverwalter am Montag mitteilte, hat die sanierte Präzisionstechnik Reichenberg (PTR) ihre Produktion mit 53 Jobs in die Skatstadt verlagert. Möglich wurde dies durch eine Millionen-Investition des US-Automobilzulieferers MAT.

Auch die Schilder künden schon vom neuen Leben in der früheren Fräger-Halle. Der sanierte Getriebespezialist Präzisionstechnik Reichenbach hat seine Produktion nach Altenburg verlegt.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Die ehemalige Fräger-Halle in Altenburg ist verkauft. Damit zog zugleich neues Leben an der Leipziger Straße ein. Wie der Insolvenzverwalter am Montag mitteilte, hat die Präzisionstechnik Reichenberg (PTR) ihre Produktion in den vergangenen Wochen nach Altenburg verlagert. Mit dem inzwischen sanierten Getriebespezialisten, der jetzt als Präzisionstechnik Resources Altenburg (PRA) firmiert, gibt es nach der Pleite Frägers in der Skatstadt wieder einen Automobilzulieferer mit ähnlicher Produktpalette, aber auch einen global agierenden Konzern im Hintergrund.

Dass es sich dabei um MAT Holdings handelt, ist Ironie des Schicksals. Denn just jener amerikanische Investor mit Sitz in Long Cove, Illinois, kaufte seinerzeit auch große Teile der insolventen Fräger-Gruppe – bis auf das Altenburger Werk. Dieses schloss daraufhin Ende Mai 2014, wodurch die letzten der einst bis zu 180 Mitarbeiter ihre Jobs verloren (die OVZ berichtete). Nach dem Ausverkauf des Inventars im Juli 2014 verwaiste das über drei Hektar große Grundstück mit den beiden jeweils über 3000 Quadratmeter großen Produktionshallen plus Büro- und weiteren Räumen.

Apropos Jobs: Mit 53 Leuten begann im November die PTR-Produktion im Drei-Schicht-System. Diese besteht aus der Bearbeitung und Montage von Differentialen und Differentialgehäusen. Wie es aus Unternehmenskreisen heißt, hat man aber den überwiegenden Teil der Belegschaft mitgebracht und kaum Neueinstellungen vorgenommen. Eine Portfolio-Erweiterung im PKW-Segment ist bereits in Planung und damit eventuell auch neue Jobs und weiteres Wachstum. Die Möglichkeit dazu war jedenfalls ein Grund für den Kauf des Geländes, von dem man aktuell nur eine der beiden Hallen nutzt.

Allerdings gehört das Areal in der Leipziger Straße 83 nicht der PTR und auch nicht der zum 1. Oktober ins Leben gerufenen PRA, sondern einer separaten Besitzgesellschaft, der Steve Wang Investments Germany (SWIG) GmbH. Die MAT-Chef Wang gehörende Firma wiederum vermietet die Hallen, was einem Modell ähnlich dem Frägers entspricht. Wie der frühere Nutzer mit dem VW-Konzern, hat auch PTR einen prominenten Hauptauftraggeber. Der heißt allerdings Daimler. Hinzu kommen andere Hersteller von und Zulieferer für PKW. Zudem hat das ehemals vogtländische und nun Altenburger Unternehmen – wie auch Fräger – im Sommer 2013 Insolvenz angemeldet. Da enden aber die Gemeinsamkeiten, wie die gelungene Sanierung zeigt.

„Der erfolgreiche Abschluss mit MAT zeigt, dass sich unser Sanierungskurs und der große Einsatz aller Beteiligten ausgezahlt haben“, sagt Insolvenzverwalter Kai Dellit. „Vor allem die Kunden, insbesondere die Daimler AG, haben der Präzisionstechnik Reichenbach die Treue gehalten und wollen mit dem Unternehmen weiter langfristig zusammenarbeiten.“ Besonders dankbar sei er für die Loyalität der Belegschaft. „Die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und der IG Metall war äußerst vertrauensvoll und konstruktiv, daher freue ich mich, dass der Investor auch an der Tarifbindung festhält“, erläutert Dellit einen weiteren Unterschied zu den Dumpinglöhnen Frägers.

Zum Kaufpreis der Hallen und des Grundstücks wurde jedoch Stillschweigen vereinbart. Nach OVZ-Informationen erreichte dieser aber nicht ganz die geforderte Marke von vier Millionen Euro. Noch 2010 hatte es ein Gutachten gegeben, was den Wert mit rund elf Millionen Euro angab. Angesichts fehlender Investitionen Frägers erschien dieser Preis jedoch schon wenig später als utopisch. Immerhin beließ man die zur Produktion nötige Technik in den Hallen, was die Wiedervermietung an produzierendes Gewerbe erleichterte.

Dennoch dauerte es bis zu dieser über ein Jahr. „Wir sind stolz, dass wir wieder Produktion in Halle eins haben und hoffen nun auf Interessenten für Halle zwei, die durch eine Wand abgeteilt werden kann“, sagt Immobilienmakler Wolfgang Arnold. „Aber wenn erst einmal Leben drin ist, lässt sich das leichter machen.“ Das funktioniere über direkte branchenspezifische Unternehmensansprache. Bei PTR war das aber anders. Hier trat der Investor direkt an den Makler heran. Grund war die Kündigung des bisherigen Mietvertrages durch den Altgesellschafter in Reichenbach. Mit über 20 Interessenten sei er in der Halle gewesen, so Arnold weiter. „Aber wir haben gewartet, denn wir wollten keine Spedition oder andere Logistik, die nur acht bis zwölf Arbeitsplätze bringt.“

Darüber ist auch Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) froh, weil nur produzierendes Gewerbe die entsprechende Wertschöpfung bringe. „Wir begrüßen, dass sich in der Halle wieder ein Zulieferer der Automobilbranche angesiedelt hat, die uns etwas verloren gegangen ist“, sagte das Stadtoberhaupt. „Das Beispiel hier zeigt, dass eine Insolvenz auch eine Chance für einen Neubeginn an einem anderen Ort sein kann. Wir freuen uns, dass der erste Schritt dazu gelungen ist und hoffen, dass auch die zweite Hälfte der Halle so schnell wie möglich vermietet wird.“

Von Thomas Haegeler

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