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Altenburg Awo-Kita Knirpsenland ist seit einem Jahr Sprachkita
Region Altenburg Awo-Kita Knirpsenland ist seit einem Jahr Sprachkita
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00:31 09.04.2018
Für die Kinder mit da: Thomas Volkmer (l.) arbeitet in der Kita Knirpsenland in Altenburg Nord als Sprachfachkraft. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

„Was möchtet ihr denn auf eure Pizza drauf haben?“, fragt Thomas Volkmer eine Gruppe von Mädchen und Jungen in der Altenburger Kita Knirpsenland. Die Einrichtung in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist eine von 16 Kindergärten im Altenburger Land, die vom Bund als Sprachkita gefördert wird. Im Haus von Chefin Stefanie Wunsch ist Thomas Volkmer jene geförderte Sprachfachkraft. Und auch wenn es auf den ersten Blick verwundern mag: Pizza backen, Fußball spielen oder auch Basteln – all das gehört zur Spracherziehung.

Es gehe bei den Sprachkitas weder um das Erlernen einer Fremdsprache, auch nicht Deutsch als Fremdsprache, noch um Logopädie, erläutert Volkmer. Vielmehr soll unter dem Motto „Sprache ist der Schlüssel zur Welt“ die Sprachkompetenz der Mädchen und Jungen gefördert werden. Und da gehe es eben in erster Linie darum, mit den Kindern zu sprechen, egal ob über Frühblüher oder Pizzabelag. „Sprache fördert Denkprozesse und vermittelt soziale Kompetenzen wie etwa den Kompromiss, der gefunden werden muss. Zum Beispiel bei dem, was auf die Pizza soll“, sagt Volkmer.

Seit Januar 2017 ist die AWO-Kita Knirpsenland in Altenburg Nord geförderte Sprachkita. „Unser Träger hat uns darauf angesprochen“, so Stefanie Wunsch. Natürlich habe sie da nicht lange überlegen müssen, um zuzusagen. Denn für die Leiterin der Kita ist die Sprachfachkraft Thomas Volkmer auch eine Arbeitskraft mehr im Haus. „Der Unterschied zu den Erzieherinnen ist auch, dass er keine eigene Gruppe hat“, erklärt Wunsch. Damit ist Thomas Volkmer flexibler einsetzbar, kann sich mehr Zeit für die Kinder nehmen, aber auch, um mit den Eltern zu arbeiten. Und Volkmer hat die nötige Zeit, sich über die nächsten drei Jahre als Sprachfachkraft fort- und auszubilden.

Grundsätzlich basiere die Idee der Sprachkita auf drei Säulen: Alltagsintegrierte sprachliche Bildung inklusive Pädagogik und Zusammenarbeit mit den Eltern. Ziel ist es, jedes Kind zu fördern und da zu packen, wo es ist. „Alle haben ihre individuellen Stärken, und die sollen gefördert werden“, sagt Thomas Volkmer.

Sprache ist dabei ein zentrales Element, was sich ganz besonders dann zeigt, wenn Kinder kaum sprechen. „Untereinander eher nicht, aber Erwachsenen gegenüber ist eine Sprechhemmung nicht so selten“, berichtet der junge Mann aus seinem Alltag. Doch wenn sich das Kind nicht äußert, kann nicht mit ihm kommuniziert und auf seine Bedürfnisse eingegangen werden.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Mal sind es die Eltern, die das Kind bei jedem Satz verbessern und so eine tiefe Unsicherheit hervorrufen. Mal ist es entwicklungsbedingt, und auch die neuen Medien und deren Nutzung können negativen Einfluss auf die Sprachentwicklung nehmen. Schlechte Sprachkompetenzen bedeuten aber spätestens in der Schule enorme Nachteile. „Manche Kinder kennen zwar alle Transformers, aber nicht eine Zahl“, sagt Thomas Volkmer. Auch da setzt er an und arbeitet zum Teil einzeln oder in kleinen Gruppen mit den Kindern. Darüber hinaus wird natürlich auch ganz klassisch mit Sprache gearbeitet. So wird etwa gerade ein Programm aus Liedern und Gedichten einstudiert.

Die Entscheidung, im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung Familien und Kinder in den Mittelpunkt zu rücken, begrüße er sehr, teilt der Bundestagsabgeordnete Volkmar Vogel (CDU) mit. Das Programm Sprachkita werde ausdrücklich benannt und soll fortgeführt und weiterentwickelt werden. „Ich freue mich, dass wir bereits im frühen Kindesalter, zu Beginn des Bildungsweges unser Augenmerk auf die Förderung der Sprachkompetenz von Kindern legen. “

Von Jörg Reuter

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