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Altenburg Awo bittet Thüringer Eltern zur Kasse
Region Altenburg Awo bittet Thüringer Eltern zur Kasse
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04:14 11.08.2018
Höhere Preise fürs Essen und Küchenpauschale: Bei den Kitas der Awo werden zum 1. September die Gebühren erhöht. Quelle: dpa
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Altenburger Land

Wütend, irritiert und ziemlich überrumpelt fühlten sich viele Eltern im Landkreis von der Post, die sie Anfang August von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) bekamen. Dabei beginnt das Schreiben zur „Anpassung der Verpflegungspauschale“ erst noch harmlos. 2,69 Euro mehr im Monat soll die Verpflegung des Kindes ab 1. September kosten. Okay, geschenkt. Doch spätestens auf Seite drei wird klar: Das war erst die Vorspeise. Denn zum Mehr für’s Essen gesellt sich ganz neu ein Posten, der die betroffenen Eltern fassungslos macht.

„Neuer Preisbestandteil für Küchentechnik, Ausstattung usw.“ heißt er und schlägt mit über 20 Euro zu Buche – pro Monat. „Einfach nur unverschämt“ oder „das kann nicht rechtens sein“ machten sich Eltern in den sozialen Netzwerken Luft.

Empörung über Küchenpauschale

Auch Peggy Knauer konnte es erst nicht glauben, was ihr die Awo schrieb. Statt 78,04 Euro für die Ganztagesverpflegung ihrer Tochter Marlene soll sie künftig 104,33 Euro zahlen. 33 Prozent mehr! „Dass das Essen an sich etwas teurer wird, okay. Aber eine Küchenpauschale?“, ereifert sie sich. Das sei doch das Gleiche, als wenn der Supermarkt umbaue und die Milch danach fünf Euro pro Liter koste, weil die Kosten auf die Kunden umgelegt würden.

Ja und nein, denn anders als die Awo kann sich der Supermarkt nicht auf das „ThürKitagG“ berufen. Schon seit 1. Januar 2018 in Kraft, werden die Ausmaße des neuen „Thüringer Kindertagesbetreuungsgesetzes“ jetzt erst so richtig spürbar.

Besonders der dritte Absatz von Paragraf 29 hat es dabei in sich und bildet die Grundlage für den jüngsten Bescheid: „Die Kosten der Verpflegung des Kindes werden gesondert ermittelt und in Rechnung gestellt“, heißt es da und weiter: „Kosten der Verpflegung sind alle Kosten, die mit der Vorbereitung, Zubereitung und Nachbereitung des Essens und der Mahlzeiten verbunden sind.“ Was dem einen oder anderen als durchaus schwammig und sehr frei formuliert vorkommen könnte, ist für die Awo eine klare Sache, wie der Prokurist der Awo AJS gGmbH, Sebastian Ringmann, auf OVZ-Nachfrage erklärt: „Für uns heißt das letztlich, dass wir diese Kosten auf die Eltern umlegen müssen.“

Awo-Prokurist verteidigt Gebührenumlegung

Gerade dieses „müssen“ stößt den Eltern im Landkreis auf, vor allem mit Blick nach Berlin, wo fast zeitgleich die Gebühren komplett wegfallen. Ringmann zeigt für den Unmut der Eltern Verständnis, betont jedoch wiederholt die dringende Notwendigkeit dieser Maßnahme. „Wir müssen sicherstellen, dass die Kita kostendeckend funktioniert. Dass alle Kinder ein vernünftiges Essen erhalten und die Mitarbeiter pünktlich bezahlt werden.“

Wenn in der Vergangenheit Küchentechnik kaputt gegangen sei, wären die Awo in der Regel auf den Kosten sitzen geblieben. Dem neuen Kita-Gesetz sei Dank, ist nun klar, wer künftig zahlt: Die Eltern. „Und so ist das auch vertraglich mit der Stadt geregelt. Damit ist auch klar, dass es keine andere Refinanzierung geben wird.“ Im Umkehrschluss bedeute dies „Klarheit und kalkulatorische Sicherheit“.

Klingt logisch und auf dem Papier auch ganz wunderbar. Doch in der Realität trifft diese Erweiterung der Monatspausschale die, die keine Wahl haben, als die bittere Pille zu schlucken. Denn meutern würde heißen, das Kind in letzter Konsequenz aus der Kita zu nehmen, ohne Alternativunterbringung in Aussicht, denn gerade im Altenburger Land sind die freien Plätze rar gesät (OVZ berichtete).

Letztes Wort möglicherweise noch nicht gesprochen

Peggy Knauer muss ab kommenden Monat 26,13 Euro mehr aufbringen, 313,56 Euro im Jahr, die die Maschinenanlageführerin und ihre Familie aktuell mehr denn je gut gebrauchen könnten. „Mein Mann wollte nach sieben Monaten Elternzeit wieder zu arbeiten anfangen. Doch weil er wegen unserer Tochter nur noch Tagschichten machen kann, haben sie ihm zum 31. August gekündigt“, so die junge Mutter. Statt „Muttischicht“ wird sie nun wieder in Vollzeit einsteigen. In Sachen „Verpflegungspauschale“ wünscht sie sich, „dass die Gebühren an die Gehälter angepasst werden, denn bei denen, die eh schon wenig haben, wird’s so noch weniger.“

Das letzte Wort über die unliebsame Anpassung scheint indes noch nicht gesprochen. Denn aktuell lässt die Arbeiterwohlfahrt prüfen, wie es sich mit Kindertagesstätten verhält, deren Elternbeiräte sich gegen die Pauschale ausgesprochen bzw. inzwischen widersprochen haben. Dazu Ringmann: „Zur Frage des Zustimmungsvorbehaltes gibt es unterschiedliche Auffassungen zwischen Städte- und Gemeindebund und Thüringer Bildungsministerium. Wir hoffen, dass diese auf Landesebene rasch geklärt werden.“

Von Maike Steuer

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