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Altenburg Bäckerei-Verkaufswagen tourt über die Dörfer und schafft so Treffpunkte für Bürger
Region Altenburg Bäckerei-Verkaufswagen tourt über die Dörfer und schafft so Treffpunkte für Bürger
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00:21 20.03.2018
Der Rositzer Vize-Bürgermeister Benno Moller gehört zu den Stammkunden von Nadine Thiele. Quelle: Jörg Reuter
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Rositz

„Was war denn am Wochenende los?“ – „Ich habe die Feuerwehr gesehen.“ – „In Gorma hat eine Wiese gebrannt.“ – „Ja, stellen Sie sich vor!“ Kaum steht eine Hand voll Rositzer zusammen, schon entwickelt sich ein munterer Plausch über das Neueste im Ort. So war es schon immer auf den Dörfern im Altenburger Land – und so ist es noch heute. Einzig die Treffpunkte variieren. Inzwischen gehört vielerorts der Stellplatz des Bäcker- und Fleischerwagens dazu. Auch in Rositz. Immer donnerstags gegen 9.40 Uhr.

Dort ist die erste von zehn Stationen des rollenden Lädchens der Bäckerei Gerth. Noch bevor Nadine Thiele, die in dieser Woche Fahrdienst hat, ankommt, trifft sich die Gruppe Stammkunden hinter der Apotheke. „Da kommt sie doch“, sagt Rentner Ernst Konrad, der den Wagen als Erster die B 180 herunterkommen sieht. Das knappe Dutzend Leute, das schon vor einer Viertelstunde hier zusammenstand, ist schnell auf das Doppelte gewachsen. Und vom Klingelton des Bäckers gerufen, kommen aus allen Himmelsrichtungen weitere Männer und Frauen. „Ich kaufe hier immer, weil es einfach schmeckt und dazu noch preiswert“, meint Ernst Konrad, bevor er sich auf den Rückweg macht, während sich die Neuankömmlinge in die Schlange einreihen.

In sechs Stunden zehn Prozent des Umsatzes

„Ja, das ist hier jede Woche so. Wenn ich komme, warten die Leute schon. In Rositz verkaufe ich auf der Runde auch mit am meisten“, erzählt Nadine Thiele, die seit einem Dreivierteljahr bei Bäcker Gerth arbeitet und seitdem auch alle zwei Wochen, je nach Schicht, mit dem Verkaufswagen unterwegs ist.

Zwei Mal in der Woche, donnerstags und samstags, ist der Bäckerwagen auf Dorf-Tour. Rund zehn Prozent des Umsatzes der Bäckerei erwirtschaftet die rollende Filiale, so Henning Gerth. Für netto drei Stunden Verkaufszeit zweimal pro Woche nicht schlecht, findet der Innungsobermeister. Dennoch seien er und Volker Hans aus Niederhain die einzigen im Innungsbezirk, die mit dem Verkaufsmobil über die Dörfer fahren.

Seit rund 20 Jahren gehört der Service zu Gerthschen Betrieb. Gerade die älteren Kunden würden das sehr zu schätzen wissen, so der Bäcker. „Aber inzwischen ist es wieder so, dass wir nicht mehr unbedingt zu den Kunden müssen. Sie kommen zu uns. Nichtsdestotrotz lohnt sich der Wagen auch geschäftlich“, sagt Gerth.

Und so fährt jeweils eine der drei Verkäuferinnen des achtköpfigen Bäckerei-Teams donnerstags und samstags die Dörfer ab. Unter den Stationen ist Rositz der Exot. Denn hier gibt es Alternativen zum Einkaufen. Die Rositzer können sich beispielsweise auch in den Supermärkten im Ort mit Backwaren versorgen.

Stammkunden schwören auf Handwerk

„Nein, das sind doch keine Backwaren“, findet Benno Moller, der zu den Stammkunden am Mobil zählt. Früher, zu DDR-Zeiten, gab es in Rositz sechs Bäcker, weiß er noch. Heute aber nichts vergleichbares. „Solange es überhaupt noch Handwerk gibt, gehe ich zum Bäcker und zum Fleischer. Nicht nur, weil es mir besser schmeckt, sondern auch, weil ich die Betriebe unterstützen möchte“, erklärt der Rositzer Vize-Bürgermeister, während sich zusehends die Regale im Wagen leeren.

Was freilich auch an Petra Karg liegt, die diesmal mit besonders vollen Taschen nach Hause geht. „Ach, hören Sie auf, das sieht ja aus, als wäre ich unersättlich“, scherzt sie verlegen. Aber es würden immer mehr Familien, für die sie hier Brot und Brötchen kaufe. „Für meine Schwester bringe ich immer etwas mit, und heute kaufe ich auch noch für meine Tochter ein“, plauscht Petra Karg mit Nadine Thiele über den Tresen. Die Frauen kennen sich offensichtlich. „Das geht ganz schnell. Wenn die Leute jede Woche kommen, da weiß ich bald, was sie immer nehmen und wie sie heißen“, sagt Nadine Thiele beim Schließen der Klappe für die Fahrt zur nächsten Station.

50 Brote und 160 Brötchen

25 Minuten war sie in Rositz. An den anderen Stationen bleibt sie ungefähr eine Viertelstunde. Dabei gehen zwischen Rositz und Kraasa fast 50 Brote, verschiedener Sorten, an die 160 Brötchen aller Arten und über 15 unterschiedliche Kuchen und Gebäcke über die Theke. Um die 60 Kunden, schätzt die junge Verkäuferin, bedient sie auf jeder Tour.

Die nächsten warten schon in Gorma. Sie kämen jede Woche, weil es ein super Service für die Anwohner ist, sagen Marion und Reiner Schlag. Und sich dabei am schön gemachten Dorfteich mit den Nachbarn zu treffen, sei ein netter Bonus, den sie gern für ein Schwätzchen nutzen, geben die Schlags zu – und verabschieden bis zur nächsten Woche.

Von Jörg Reuter

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