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Altenburg Bahn-Exkursion mit Erkenntnissen
Region Altenburg Bahn-Exkursion mit Erkenntnissen
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21:45 13.01.2012
Altenburg

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Von Thomas Haegeler

Ein Hauch von Schul-Exkursion liegt in der Luft. Gut gelaunt und mit großen Erwartungen trifft sich eine 14-köpfige Gruppe aus DB-Vertretern, Politikern, Journalisten und Baufirmen-Mitarbeitern vor dem Altenburger Bahnhof. "Einige Pendler haben sich bei mir beschwert, dass die Züge zwischen Gößnitz und Altenburg immer so langsam fahren", begründet Vogel, warum er die Bahn um eine Baustellen-Besichtigung gebeten hatte. "Also bin ich selbst mal mitgefahren, kenne das Projekt bisher nur vom Zug aus." Zudem seien die für die Strecke Altenburg-Paditz veranschlagten 36 Millionen Euro nicht gerade wenig.

Doch schon beim Selbsttest dämmert dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verkehrsausschusses des Bundestages, dass das Geld gut angelegt ist. "In Gößnitz ging's noch, danach wurde es aber grausam", erinnert er sich. Es ruckelte und zuckelte. "Besonders über die Brücken fuhr der Zug gefühlt nur noch 15 km/h."

Es sind aber 30 km/h, wie sich der Politiker bei der der Besichtigung vorangestellten Theorie-Einheit belehren lassen musste. Neben Streckenplänen sowie technischen und verwaltungsrechtlichen Details verdeutlichte der DB-Leiter des Projektes Sachsen-Franken-Magistrale, Lutz Buchmann, auch die Gesamtdimension der Strecke Altenburg-Paditz. So werden dort neben vier Kilometern neuen Bahnkörpern und Entwässerung unter anderem auch acht Kilometer neue Gleise, elf Kilometer neue Oberleitungen, eine Straßen- und vier Bahnbrücken sowie ein Kilometer neue Stützmauern gebaut. "Wir haben hier angefangen zu bauen, weil es am nötigsten war", sagt Buchmann. Teilweise seien die Anlagen über 100 Jahre alt und in entsprechendem Zustand gewesen. "Der Bau läuft aber nach Plan und wird Ende 2013, spätestens aber Anfang 2014 abgeschlossen." Dann werde man vorbereitet sein und die Strecke Paditz-Lehndorf planerisch in petto haben. "Es würde gut passen, dort 2014 bis 2016 weiterzubauen."

Zwischen der Altenburger Brunnenstraße und der Gemeinde Nobitz nimmt die Abordnung dann den Baufortschritt in Augenschein. In Grüppchen von zwei bis drei Leuten macht sich der Tross auf den Weg zum einstigen Altenburger Tunnel. "Dass die Bahn drei Jahre Planungsvorsprung braucht, finde ich erstaunlich viel", sagt Landgraf zu Vogel. Letzterer nickt zustimmend.

Angesichts einer Vielzahl von zu beachtenden Interessen und Auflagen sind drei Jahre aber schneller vorbei, als man denkt. Am alten Tunnel, dem man sich nun über Stock, Stein und Matsch nähert, lebten etwa Zauneidechsen. Im Sinne des Naturschutzes mussten diese umziehen. Also ließ die Bahn Stein- und Totholzhaufen errichten, in denen die Tiere heute hausen. Kosten: 50 000 Euro.

Davon ist heute allerdings genauso wenig zu sehen wie vom alten Tunnel selbst. Einzig ein unscheinbarer dunkelgrauer Betonstreifen neben den Gleisen blieb als Überrest der 450 Meter langen Hügel-Durchfahrt, die zwischen 1876 und 1878 gebaut worden war. "Das Graue war das Fundament", erklärt Andreas Grossmann dem Auditorium. Der Projektleiter Bahnbau der Firma Wittfeld aus dem gleichnamigen niedersächsischen Städtchen und seine insgesamt rund 30 Mitarbeiter sind dafür verantwortlich, dass an die Stelle des einstigen Gewölbes nun ein Trogbauwerk tritt. Das wiederum ist im Prinzip nichts anderes als ein Tunnel - nur eben ohne Dach.

Rund 4500 Kubikmeter Beton und fast ebenso viel Stahl werden hier bis Mitte nächsten Jahres verbaut. Die Sohle sei bereits auf der vollen Länge fertig, erklärt Grossmann den Gästen weiter. "Nun folgen die Wände." Gut 350 Meter Stützwand stehen bereits auf einer Seite. "Bis Februar werden wir mit diesem Teil bis auf Kleinigkeiten fertig." Dann passiere eine ganze Weile gar nichts, weil die Schienen eingebaut würden.

Während der Experte spricht, ertönt plötzlich ein lauter Sirenen-Ton. Dazu drehen sich die gelben Warnleuchten neben den Schienen, und die zahlreichen Sicherheitsposten sorgen dafür, dass alle Arbeiter kurz beiseite gehen. Dass die Züge während des Baus eingleisig weiter rollen, ist gut für die Fahrgäste, aber eine Hürde für die Arbeiter. Denn dadurch werden sie alle paar Minuten unterbrochen. "Wie die Passagiere aus dem Bauwerk herauskommen und ob es einen Notfallplan gibt?", wollen die Politiker wissen. "Sie können an den Seiten entlang laufen", antwortet Grossmann. "Bei dieser Länge kommt man ohne Rettungssystem aus." Eine weitere Besonderheit sei aber die Steigung, die auf einem Kilometer 1,20 Meter betrage. "Deshalb bauen wir hier mehr auf als ab."

Eine andere Herausforderung sind die Flußquerungen, wie etwa die Pleißebrücke nahe Kotteritz. Dort bestaunen die Baustellen-Besucher die fast fertige Behelfsbrücke, die direkt neben dem Original verläuft. Genaugenommen handelt es sich dabei um vier einzelne Brücken, die zusammengefügt wurden. Ab Ende Januar sollen die Züge dann über diese zuckeln. "Das ermöglicht uns, die Pleißebrücke in einem Zug komplett neu zu bauen", erklärt Buchmann. "Sonst hätten wir nur einseitig arbeiten können, was komplizierter und damit auch teurer geworden wäre."

Nach fast vier Stunden haben die Besucher schließlich genug gesehen. Von Erkenntniszuwachs ist die Rede - wie bei einer Schul-Exkursion. Volkmar Vogels Erwartungen sind sogar übertroffen worden: "Ich bin angenehm überrascht, mit wie viel Transparenz und Informationen die Bahn zu Gange war." Darüber hinaus freue er sich über die weitergehenden Pläne Richtung Lehndorf. "Jetzt müssen wir uns bemühen, dafür die Finanzierung zu bekommen. Aber das ist mit einer fertigen oder im Endstadium befindlichen Planung leichter."

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