Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Ballettchefin Silvana Schröder feiert 30-jähriges Bühnenjubiläum
Region Altenburg Ballettchefin Silvana Schröder feiert 30-jähriges Bühnenjubiläum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 01.07.2018
Silvana Schröder, Direktorin des Thüringer Staatsballetts. Quelle: Ronny Ristok
Gera/Altenburg

Ausgerechnet „Spartacus“. In diesem, vor allem von Männern dominierten Ballett debütiert Silvana Schröder 1987 an den Bühnen der Stadt. Der Beifall für die gelungene Inszenierung von Inge Berg-Peters gilt den Solisten, nicht der jungen Gruppentänzerin, die eben erst ihre Ausbildung an der Palucca Schule Dresden erfolgreich beendet hat. Schon Monate später allerdings steht die 18-Jährige selbst im Rampenlicht und wird für ihre Interpretation der Eurydike im Ballett „Orpheus und Eurydike“ vom Publikum gefeiert.

Seither hat Silvana Schröder viele wunderbare Rollen getanzt, mehr als 80 Choreografien für Ensembles von Altenburg bis Kiel kreiert, vier Opern inszeniert und mehrere Jugendtanzprojekte. Und auch in China hat sie Spuren hinterlassen. Im vergangenen Jahr wird die Direktorin des Thüringer Staatsballetts, des jüngsten und mit 22 Mitgliedern kleinsten in Deutschland, nach einem Arbeitsaufenthalt vom Shenyang Conservatory of Music zur Honorarprofessorin ernannt.

„Der direkteste Weg, sich selbst zu entdecken“

„Tanz ist eine sehr sinnliche Sprache, eine sehr ehrliche“, ist Silvana Schröder überzeugt. „Tanz ist der direkteste Weg, sich selbst zu entdecken.“ Das beweist sie seit nunmehr drei Jahrzehnten. Zum Abschluss dieser Spielzeit feierte die Ballettchefin am Theater Altenburg-Gera mit einer großen Gala ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Zuvor wurde die gesamte Company im Altenburger Heizhaus zum Publikumsliebling gekürt.

Silvana Schröder, 1969 in Finsterwalde geboren, ist bereits mehrfache Bezirksmeisterin im Geräteturnen, als sie ihrem vier Jahre älteren Bruder Mario Schröder an die Palucca Schule Dresden folgt, der bedeutendsten Hochschule für Tanz in der DDR. Zur Aufnahmeprüfung studiert sie gemeinsam mit ihm einen Hexentanz ein. Das Wohnzimmer in Finsterwalde wird zum Ballettsaal, erinnert sie sich. Auch an eine kleine Episode mit der legendären Gret Palucca. „Wir sollten zum Thema fleißige Gärtnerinnen improvisieren, ich hatte mir eine Kartoffelernte ausgedacht.“ Silvana tanzt noch immer, als alle anderen längst fertig sind. Von Palucca befragt, warum sie mit der Musik nicht aufgehört habe, antwortet sie: „Eine Kartoffelernte dauert doch auch über eine Stunde.“

Gala zum Jubiläum

Zur Gala am vergangenen Sonntag in Gera begeistern die Tänzerinnen und Tänzer des Thüringer Staatsballetts aus aller Herren Länder mit Ausschnitten aus „Piaf – La vie en rose“, aus „Mercutios Geheimnis“, „Schwarzer Schwan“, „27“ und „KeimZeit“ – alles Ballettabende aus der Hand von Silvana Schröder, die in den letzten Jahren auch vom Altenburger Publikum umjubelt worden sind. Mit Gastbeiträgen gratulieren die Palucca Hochschule für Tanz Dresden, das Ballett der Oper Leipzig sowie das Ballett der Semperoper Dresden. Kein Zufall, denn überall dort hat Silvana Schröder Stationen ihres außergewöhnlichen Künstlerlebens verbracht.

Die Palucca Schule bleibt ihr als kreativer Ausbildungsort in Erinnerung, am Semperoper Ballett feiern die Elevinnen und Eleven ihre Galas zum Schuljahresabschluss und stehen gemeinsam mit den Großen der Tanzszene schon als Jugendliche auf der Bühne. Leipzig schließlich ist ein ganz besonderer Ort. Silvana Schröder nennt es einen Glücksfall, vier Jahre lang im Ensemble unter Leitung des legendären Ballettdirektors und Choreografen Uwe Scholz getanzt zu haben. „Eine unglaubliche Zeit“, schwärmt sie noch heute.

Kündigung und Neubeginn

Ihre wohl schwierigste Zeit hatte Silvana Schröder ab 2001, als sie mit dem damaligen Generalintendanten Rene Serge Mund am Theater Altenburg-Gera in Streit über den neuen Spielplan geriet – und er seiner Ballettdirektorin daraufhin kündigte. Schröder wehrte sich juristisch, das Geraer Arbeitsgericht gab ihrem Antrag auf Weiterbeschäftigung statt. 2002 strengte Schröder einen Schadenersatzprozess gegen ihren Arbeitgeber an – wegen erlittener materieller und immaterieller Verluste sowie wegen Mobbings. Vor dem Bühnenschiedsgericht in Chemnitz einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich: Die Chefchoreografin sollte im Juli 2003 vorfristig aus ihrem Vertrag ausscheiden und wurde bis dahin von der Arbeit freigestellt.

Mit der Spielzeit 2011/12 jedoch kam sie wieder zurück, wurde Chefin des Thüringer Staatsballetts – nachdem mit der Spielzeit 2010/2011 ihr Bruder Mario als Direktor und Hauschoreograf die Leitung der Leipziger Ballettcompany übernommen hatte. Diese Konstellation ist einmalig in Deutschland, wenn nicht gar in Europa, denn wenigen ist gelungen, was die Geschwister Schröder geschafft haben: nach der erfolgreichen Karriere als Tänzer auf der Bühne und einem Choreografie-Studium parallel dazu in Berlin bis heute in diesem Beruf in einer Spitzenposition tätig zu sein. Dass dies gelungen ist, verdanken die Geschwister Schröder auch Mutter Eva, die ihren tanzbegeisterten Kindern immer zur Seite stand und auch heute kaum eine Premiere in Altenburg/Gera und Leipzig verpasst.

Zwei Altenburger Produktionen nach dem Sommer

Die Spielzeit 2018/19 ist für das Thüringer Staatsballett und seine Direktorin eine neue Herausforderung. Neben zwei Produktionen in Altenburg – im Dezember „Der Nußknacker“ von Birgit Scherzer und im Mai 2019 das Ballett „Liberace – Glitzer, Champus und Chopin“ für den polnischen Ausnahmepianisten und Entertainer Wladziu Valentino Liberace – beginnt das vom Freistaat Thüringen unterstützte Elevenprogramm. Zwölf neue, junge Tänzerinnen und Tänzer unter anderem aus Dresden, Berlin, Zürich, Brasilien und China bekommen die Chance, am Theater Altenburg-Gera erste Berufserfahrungen zu sammeln.

Und wohin zieht es Silvana Schröder in den Theaterferien? Ende Juli wird sie an einem internationalen Ballettwettbewerb als Jury-Mitglied in Osaka teilnehmen. Im August freut sie sich mit Freundin Gaby auf das Sängerfest in ihrer Heimatstadt Finsterwalde. „Dort ist auch ein Wiedersehen mit Norbert Leisegang von KeimZeit geplant, der mit der Band in Finsterwalde ein Konzert geben wird.“

Von Sabine Wagner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kosmonaut Sigmund Jähn hat im Altenburger Land Spuren hinterlassen. Schülern des Pionierhauses Altenburg verewigten ihn in den 1980er-Jahren auf rund 50 Schautafeln. Ab Sonntag sind die im Museum Flugwelt in Nobitz zu sehen.

30.06.2018

Rund hundert Jahre nach einem beispiellosen Industrieboom in Rositz sind es die Folgen jener Zeit, die Pläne für mögliche Neuansiedlungen durchkreuzen. Hauptproblem sind drohende Entsorgungskosten für Grundstückserwerber. Der Flächeneigentümer LEG spricht in diesem Punkt bisher nur von „positiven Signalen“ auf dem Weg zu einer Lösung.

30.06.2018

Die Erweiterung der Hotelpension Treppengasse schreitet voran. Am Freitag feierte das Altenburger Familienunternehmen Träger Richtfest im Neubau neben den Roten Spitzen. Mit dem zweiten Haus verdoppeln sich die Kapazitäten.

30.06.2018