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Altenburg Ballettküche: Kulinarische Weltreise im Altenburger Heizhaus
Region Altenburg Ballettküche: Kulinarische Weltreise im Altenburger Heizhaus
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00:30 06.11.2015
So sah es aus als Chio Kawabata und Ami Watanabe japanisch kochten! Die beiden Tänzerinnen waren seit 2006/2007 bei Theater&Philharmonie Thüringen engagiert und wechselten zur neuen Spielzeit ans Theater Koblenz.  Quelle: Foto: Stephan Walzl
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Altenburg

 Landläufig unterstellt man Balletttänzerinnen „Hungerhaken“ zu sein. Das will sagen, dass sie für eine entsprechende Figur und für ihr entsprechendes Gewicht allerhand Verzicht auf Lukullisches leisten müssten. Wahr ist, dass ein bestimmtes Ernährungsregime durchaus eingehalten werden muss. Nun hat die Ballettleitung vor zwei Jahren eine neue Reihe unter dem Namen „Ballettküche“ installiert, in der Balletttänzerinnen und Tänzer Gerichte ihrer Heimatländer zubereiten und dabei ihr Land und sich selbst vorstellen. Nachdem es vor zwei Jahren eine solche Veranstaltung in Altenburg geben sollte, die mangels Publikumsinteresse nicht stattfand, wird diese Reihe wieder aufgelegt. Im Heizhaus wurde also wieder einmal „gekocht“, diesmal albanisch. In der Studioküche mit Abzugshaube stand als „Koch“ der Anfang des Jahres neu ins Tanzensemble gekommene Kristian Matia, assistiert von seiner Schwester Claudiane und kritisch beäugt von seiner Mama. Eine große Tafel informierte über das angebotene Menü.

Neben dem gastronomischen Aspekt ist es in der augenblicklichen Asylsituation auch die integrative Seite, die dabei interessiert, kommen doch fast alle der über 20 Mitglieder des Ballettensembles aus anderen Ländern.

Die Idee für diese Veranstaltung hatte wie alles, was hier mit Ballett zu tun hat, wie könnte es anders sein, die Ballettdirektorin Silvana Schröder selbst. Es gibt in ganz Deutschland keine Bühne, auf der solcherart Veranstaltung stattfindet. Das Kochen ist nur der rote Strang, an dem sich alles entlang hangelt und das der Veranstaltung Anfang und Ende gibt. Sie ist eine Mischung aus Gespräch, Information, Tanz und eben Kochen, wobei sich alles aufs Ballett bezieht.

Die Dramaturgin Lorina Mattern und die Chefin selbst moderieren und rufen nach und nach Tänzerinnen und Tänzer auf die Bühne in Ausschnitten aus laufenden Produktionen wie aus „Keimzeit“ und aus bevorstehenden wie „Mercutios Geheimnis“. Das ist das Romeo- und -Julia-Ballett nach Sergej Prokofjew mit der besonderen Sicht auf Romeos Freund Mercutio und mit der Beantwortung der Frage, was geschieht, wenn zwei Freunde das gleiche Mädchen, hier die Julia, lieben. Die gesamte Ballett-Companie tanzte den Maskentanz, und die Balkonszene mit dem liebenden Paar war sicherlich der tänzerische Höhepunkt des Abends.

Ausführlich informierte Silvana Schröder über nächste Projekte, die vom Leben und Leiden zweier Frauen handeln: einem Ballettabend über die Sängerin Edith Piaf und ihrem Leben zwischen persönlicher Tragik, Krankheiten, Unfällen und den Erfolgen eines Weltstars, den das Publikum bewundert. Der zweite Ballettabend ist der Tänzerin Anita Berber gewidmet, die in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Berlin und Wien als erste Nackttänzerin vor das Publikum trat und dem Maler Otto Dix Modell stand für sein berühmtes Bild der „Dame in Rot“. Berber war berühmt für ihre „Tänze des Lasters, des Grauens und der Ekstase“. Auf die Bühne bringen werden dieses kurze Leben, das nur 29 Jahre währte, die Brüder Jiri und Otto Bubenicek, Weltstars in der Tanzszene.

Film- und Videosequenzen über die beiden Frauen mit Musik und Tanzbeispielen machten neugierig auf die Ballettinszenierungen, die in der kommenden Spielzeit in Gera herauskommen.

Der Abend im Heizhaus endete mit einer gelungenen Kurzchoreografie dreier Tänzerinnen und Tänzer und dem gemeinsamen Kosten des Kochergebnisses durch alle Anwesenden bei zwanglosen Gesprächen, so wie es sich die Verantwortlichen gewünscht hatten.

Die Meinung des Publikums war einhellig: Das war eine besondere, abwechslungsreiche und informative Veranstaltung, auf deren nächste Ausgabe im kommenden März man sich freut.

Von Manfred Hainich

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