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Altenburg Barbara Golder feiert ihren 70. Geburtstag
Region Altenburg Barbara Golder feiert ihren 70. Geburtstag
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00:05 15.03.2018
Genießt täglich den wunderschönen Ausblick aus dem zweiten Stock ihres Hauses auf den Park und die Orangerie: Barbara Golder feiert am heutigen Donnerstag ihren 70. Geburtstag. Quelle: Mario Jahn
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Meuselwitz

Dass sie mit ihrem vollem Namen Elisabeth Julia Barbara Golder heißt, wissen nicht viele. Und zwar deswegen, weil sie öffentlich nie gern etwas preisgibt von ihrem Leben, das so eng verwoben ist mit dem Schicksal der Stadt Meuselwitz, deren Geschicke sie von 2002 bis 2015 maßgeblich mitbestimmte. Die ersten zwei Jahre, als sie ihren wegen Korruption verurteilten Vorgänger im Rathaus als ehrenamtliche Stellvertreterin vertrat. Und ab 2004 dann als gewählte Bürgermeisterin.

Das zu werden, „hätte ich mir nie träumen lassen“, sagt sie heute. Zugetraut hatte sie es sich aber schon. Die gelernte Kinderkrankenschwester übernahm in ihrem Berufsleben zeitig Führungsfunktionen, als leitende Schwester in der Kinder- oder Poliklinik, als Chef der Diakonie-Sozialstation oder später als Geschäftsführerin des Meuselwitzer Seniorenzentrums. Wegen eines Todesfalls im Stadtrat 1999 wurde ihr von heute auf morgen der Posten des stellvertretenden Bürgermeisters angetragen, der den unverhofften Weg ins Rathaus ebnete. Sie nahm sofort an.

Das Schönste in diesen 14 Jahren waren die Menschen, die ohne Scheu auf sie zugingen und mit ihr geredet haben, das Ungezwungene, Herzliche, daran denkt sie gern zurück.

Im Gegensatz dazu standen die ständigen Geldsorgen, unter denen die Stadt litt – das übrigens bis heute. „Was mich am meisten kaputt gemacht hat, waren die unsachliche Diskussionen.“ Die Namen, die dafür sorgten, möchte sie aber nicht in der Zeitung lesen. „Auch in kritischen Zeiten hat mir meine Arbeit Spaß gemacht.“ Einmal musste die Polizei sogar wegen einer Morddrohung ermitteln. Aber das empfand Barbara Golder als nicht so dramatisch.

Das wurde es aber – wegen einer schweren Krankheit, deren Namen sie öffentlich nicht preisgibt, die aber etliche sehr unangenehme Behandlungen erforderte. Während dieser Zeit half ihr, dass sie dennoch arbeiten konnte. Wie sie das hinbekam? „Ich weiß es nicht mehr.“

Mit 67 hörte sie im Rathaus auf, ein Jahr vor Ende ihrer Amtszeit. Sie musste lernen, loszulassen, ohne Druck, Stress und Pflichten zu leben. „Anfangs war das schwierig.“

Mittlerweile macht es Spaß, viel mehr Zeit für sich selbst zu haben. Doch in Wirklichkeit ist Barbara Golder noch immer für andere unterwegs. Einmal in der Woche betreut sie in der Grundschule zwei bis drei lernschwache Kinder, seit anderthalb Jahren, immer vormittags in einem extra Raum. Außerdem ist sie Schöffe am Arbeitsgericht in Gera und sitzt für die CDU im Kreistag.

Seit vielen Jahren engagiert sie sich im Altenburger Verein Hilfe für Menschen im Kongo, der dort bereits eine Schule und zwei Waisenhäuser errichtet hat. Auch Prisma und Esther leben dort, die Barbara Golder von Deutschland aus betreut, das aber nie an die große Glocke hängt. „Muss man ja auch nicht.“

Den Menschen in ihrer angestammten Heimat zu helfen, empfindet sie als weit zielführender, als sie dann als Flüchtlinge hier zu integrieren, wo sie auf eine fremde Kultur treffen. Die Asylpolitik der Bundesregierung sieht sie kritisch, viele dort oben würden die wahren Probleme der einfache Leuten längst mehr kennen.

Vielleicht auch deswegen kümmert sich Barbara Golder um Mustafa, Fatma und Atman, die als Flüchtlingskinder in Meuselwitz leben. Besonders freut sie sich über Mustafa, der der Beste in seiner zweiten Klasse in Mathe ist und über dessen Zukunft sich Barbara Golder keine Sorgen macht.

Zeit hat sie nun endlich auch, um alte Freundschaften mit Menschen aus Meuselwitz, aus Jena oder der Partnerstadt Lauffen aufzufrischen, die sie in der stressigen Rathauszeit leider nicht oder kaum pflegen konnten. Im Nachgang tut ihr das sehr leid.

Im Sommer ist sie oft im Garten am Hainbergsee, genießt täglich den wunderschönen Ausblick aus dem zweiten Stock ihres Hauses auf den Park und die Orangerie. Und da sind ja auch ihre Tochter und ihr Sohn, die in Stuttgart und Frankfurt/Main leben, und die vier Enkel, die Barbara Golder sehr am Herzen hängen.

Und wie fühlt man sich mit 70? „Gut, wenn man gesund ist. Vor allem bin ich dankbar, wenn ich jeden Morgen aufstehe und noch da bin.“

Von Jens Rosenkranz

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