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Altenburg Barbaren Podegrodici kampieren im Botanischen Garten Altenburg
Region Altenburg Barbaren Podegrodici kampieren im Botanischen Garten Altenburg
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17:08 30.09.2018
Ronny Lange schlüpft als Barbar in die Rolle von Kettner Ronin Lotharson. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

„Mein Kettenhemd ist kaputt, da können Sie mir doch sicher helfen“, flirtet Uta Wildensee am Kettnerstand von Ronny Lange und ist sofort im Gespräch mit den Leuten vom Verein Barbaren Podegrodici. Die hiesige Mittelaltertruppe hatte am Wochenende ihr Lager im Botanischen Erlebnisgarten in Altenburg aufgeschlagen. Zum ersten Mal übrigens, wie Simone Glaser vom botanischen Garten im Café-Zelt erzählt. Barbaren-Chef Lange habe für eine Zeit zum Team gehört, da habe bald ein Wort das andere ergeben, und letztlich sei so die Idee geboren worden, unter dem Motto „Alter Garten trifft altes Handwerk“ die Altenburger für einen Herbstspaziergang zu begeistern. „Es gibt ja viele, die das Kleinod hier noch nicht kennen“, meint Glaser.

Darüber hinaus sei es schön zu zeigen, dass Altenburger Vereine zusammenarbeiten können und nicht jeder sein eigens Süppchen kochen müsse, ergänzt Ronny Lange, dem Uta Wildensee weiter über die Schulter schaut. „Aber Sie machen das doch nicht hauptberuflich?“, fragt die Rentnerin. Nein, es sei nur sein Hobby, auch weil niemand die Arbeitsleistung bezahlen könnte, die in einem handgeknüpften Kettenhemd stecke, plaudert er.

Fünf historische Gewerke vor Ort

Nichtsdestotrotz gebe es Kunden. Mittelalterdarsteller gehörten dazu, ebenso wie Fans jener Epoche, aber auch Leute, die das Ausgefallene schätzen, erklärt Lange und zeigt die Krawatte, die er im Auftrag fertigt. „Gerade für Weiberfastnacht ist das doch nicht schlecht“, findet er und bringt Uta Wildensee zum Lachen, die dann ihre Runde durch den in allen Herbstfarben erstrahlenden Botanischen Garten fortsetzt. „Ich gehe mich jetzt erst einmal bei Kaffee und Kuchen stärken“, sagt die Seniorin und verabschiedet sich.

Davor hatte sie sich bereits an den anderen Ständen umgesehen. Mit fünf Gewerken sei der Verein da, so Ronny Lange, der sich im Mittelaltergewand Ronin Lotharson nennt. Seit 1993 schlüpft er in seiner Freizeit in die Rolle des Kettners. Der Verein sei damals aus seinem Interesse an der Geschichte seiner Heimatstadt und der auf Mittelaltermärkten geweckten Faszination für jene Zeit entstanden. „Das spiegelt sich auch im Vereinsnamen. Barbaren bedeute ja wörtlich die Unverständlichen jenseits des Limes, und Podegrodici ist der alte Name für Altenburg beziehungsweise heißt übersetzt Pauritz.“

Authentische Arbeits- und Lebensweise

Sechs Gewerke, von denen fünf mit im Botanischen Garten waren, gehören heute zum Verein. Alle versuchen, der Arbeits- und Lebensweise einer vorindustriellen Welt möglichst authentisch zu entsprechen. „Wenn es fertig ist, soll es aussehen wie ein Seil“, erklärt André Oehler und setzt das Stemmeisen an, um den nächsten Span aus dem Holzpfahl zu schlagen, der vor ihm auf der wackligen Bank liegt.

Am Sonnabend und Sonntag hatte der Verein Barbaren Podegrodici im Botanischen Erlebnisgarten in Altenburg sein Lager auf geschlagen. Hier einige Impressionen.

Deutlich weniger schweißtreibend ist die Technik des Nadelbindens nebenan. Aber sie fordert genauso viel Geduld. „Ich schätze, dass ich schon 20 Stunden an dem Tuch arbeite“, sagt Alexandra Anglo – und es ist offensichtlich: Bis zum fertigen Schultertuch dauert es noch viel Stunden mehr. Das Nadelbinden sei eine der ältesten Techniken, um Wolle zu verarbeiten, erfunden lange bevor gestrickt oder gehäkelt wurde, mit dem das Nadelbinden verwandt ist. „Man vernäht praktisch einen durchgehenden Faden“, erläutert die junge Frau ein ums andere Mal den Neugierigen.

Auch wenn der kleine Park im Herzen Altenburgs nicht überlaufen war, lockte das schöne Wetter und das ungewöhnliche Angebot etliche Spaziergänger an. Für Simone Glaser ist die Rechnung voll aufgegangen. „Es waren schon jetzt deutlich mehr Besucher da als an einem normalen Sonnabend“, schätzt sie kurz nach dem Mittag ein – und kündigt an, auch 2019 die Barbaren einladen zu wollen.

Von Jörg Reuter

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