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Baustoffwerk Starkenberg überwachen in Selbstkontrolle den Abraum aus Stuttgart

Thüringer Landesbergamt Baustoffwerk Starkenberg überwachen in Selbstkontrolle den Abraum aus Stuttgart

Auf Anfrage erklärt das Thüringer Landesbergamt, dass die Starkenberger Baustoffwerke in Eigenkontrolle die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen für das Entsorgen des Abraums von der Großbaustelle Stuttgart 21 überwacht. Der Betrieb ist dafür speziell zertifiziert. Derweil sorgen die Abraumtransporte aus Baden-Württemberg für Mistrauen bei den Anwohner im Starkenberger Ortsteil Naundorf.

Mit ihrem Sand beliefern die Starkenberger Baustoffwerke Tunnelbaustellen beim Projekt Stuttgart 21. Die Firma nimmt auch Abraum von den dortigen Baustelle ab.

Quelle: Mario Jahn

Stakenberg. Dass die Starkenberger Baustoffwerke kritische Hinweise aus der Bevölkerung ernst nehmen, zeigt unter anderem der Bau eines Lärmschutzwalls auf dem Betriebsgelände. Nach Beschwerden wegen Lärmbelästigung vom Firmengelände, kündigte das Unternehmen unlängst das Aufschütten eines Damms an. Dieser soll zukünftig für Ruhe sorgen. Doch der Wall sorgt auch nicht nur für uneingeschränkte Freude. Denn nun mutmaßen die Nachbarn, dass dafür teilweise der umstrittene Abraum genutzt wird, der von den Baustellen des Projektes „Stuttgart 21“ nach Ostthüringen gefahren wird.

Wie berichtet, beliefert die Firma aus dem Starkenberger Ortsteil Kraasa die Großbaustelle der Deutschen Bahn mit Sand und transportiert im Gegenzug, um Leerfahrten zu vermeiden, Abraum von dort nach Thüringen. Seit fast zwei Jahren pendelt drei Mal pro Woche ein Zug mit 23 Waggons zwischen Kraasa und Baden-Württemberg. Das Material aus Schwaben wird hier unter anderem zum Verfüllen alter Kiesgruben der Baustoff- beziehungsweise Quarzsandwerke genutzt. Dies wurde vom Bergamt genehmigt.

Die Abraumentsorgung sorgt aber bei den Anwohnern von Beginn an für Unverständnis und Misstrauen. Manchen Nachbarn des Betriebs fällt es offenbar schwer zu glauben, dass dabei alles mit rechten Dingen zugeht. Sie machen aus ihrer Vermutung, es werde vor ihrer Haustür Abfall beseitigt, der nirgendwo in Baden-Württemberg abgeladen werden darf, keinen Hehl. Sie zweifeln offen an, dass es sich um völlig harmlose Steine handelt. Aus diesem Grund haben sie Angst, dass durch das Material Natur und Trinkwasser belastet werden. Dies wurde bereits mehrfach dem Gemeinderat vorgetragen.

Doch nicht alle Gemeinderäte teilen diese Sorgen und verweisen darauf, dass es sich ohne Beweise lediglich um Unterstellungen handelt. Zudem, so wird im Gemeinderat argumentiert, werde in Deutschland die Entsorgung von Müll, Bauschutt und dergleichen streng kontrolliert.

Verantwortlich für die Kontrollen im Fall der Starkenberger Baustoffwerke ist das Thüringer Landesbergamt. Auf OVZ-Anfrage bestätigt dessen Chef, Hartmut Kießling, die Zuständigkeit seiner Behörde. „Ich habe durchaus Verständnis für die Sorgen der Anwohner“, so Kießling. Auch er habe sich, als es um die Genehmigung ging, sehr genau erklären lassen, was der Hintergrund dafür ist, den Abraum einmal quer durch Deutschland zu fahren. Am Ende überzeugten ihn jedoch die Argumente, dass Leerfahrten unrentabel sind und beim Bau der Tunnel der neuen Bahnstrecken rund um Stuttgart Abraum in so großer Menge anfällt, dass dieser auf die Länder verteilt werden muss.

„Wir wissen auch, dass das Material unterschiedlich hohe Sulfatgehalte aufweist“, so Kießling weiter. Die höher belasteten Ladungen würden jedoch auf spezielle Deponien gebracht und nicht zum Verfüllen ausgekiester Gruben der Starkenberger Baustoffwerke oder für den Bau des Lärmwalls verwendet. Die Ladungen kämen gar nicht erst nach Kraasa. Und dies werde natürlich auch kontrolliert. „Die Kontrolle ist eine Eigenkontrolle durch speziell zertifizierte Mitarbeiter der Starkenberger Baustoffwerke“, erläutert Referatsleiter Thomas Trautvetter. Die entsprechende Dokumentation werde einmal im Jahr durch das Bergamt auf Plausibilität überprüft.

Dass Firmen wie die Starkenberger Baustoffwerke bei der Selbstkontrolle nicht korrekt arbeiten, sei unwahrscheinlich, erklärt der Bergamtsleiter. Die Sanktionen, die bei Verstößen drohen, würden ihre Wirkung nicht verfehlen, ist sich Kießling sicher. „Außerdem handelt es sich konkret um eine Bahnbaustelle, und das sind die am besten beprobten und überwachten Baustellen im ganzen Land“, ergänzt Trautvetter. Wenn überhaupt, dann seien eher kleine Baustellen problematisch. Aus Erfahrung wissen die Männer, dass es da eher zu Verstößen und illegaler Abfallentsorgung kommt. Bei Großprojekten wie Stuttgart 21 sei das nahezu ausgeschlossen.

Von Jörg Reuter

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