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BdV-Kreisvorsitzender wird verabschiedet

BdV-Kreisvorsitzender wird verabschiedet

"Mir fällt es schwer. Dafür hänge ich zu sehr an dem Verband", sagt Helmut Schönwald. Trotzdem wird der Vorsitzende des Altenburger Regionalverbandes des Bundes der Vertriebenen (BdV) am Montag nach 20 Jahren in diesem Amt verabschiedet.

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Helmut Schönwald in der Heimatstube des Altenburger Regionalverbands des Bunds der Vertriebenen. Auch sie wird geschlossen.

Quelle: Mario Jahn

Aus gesundheitlichen Gründen gibt er auch seinen Sitz im Landesvorstand auf.

 

Auch wenn er noch ein Kind war, manche der Erinnerungen sind noch so konkret, als hätte er sie erst gestern erlebt. 1932 in Gerdauen in Ostpreußen geboren, wuchs Schönwald in Philippsthal auf - bis zu jenem Tag im Februar 1945, an dem er plötzlich einen Zettel zu Hause fand: "Komm bitte nach, nach Tiegenhof." Seine Adoptiveltern waren da schon weg, wiedergesehen hat er sie nicht.

 

"In Tiegenhof bei Danzig hieß es dann: Rette sich, wer kann." Der Zwölfjährige Schönwald sprang auf einen Bauzug, erlebte so die Vertreibung hautnah. "Nachdem wir 14 Tage unterwegs waren, waren wir noch die Hälfte", erzählt er über die Umstände. Auch Schönwald überlebte den Transport nur knapp, hatte Erfrierungen und wurde nach seiner Ankunft in Bayern erst einmal ins Krankenhaus gebracht.

 

Es ist diese eine Erfahrung, die ihn nicht mehr losgelassen hat. Auch wenn der 81-Jährige heute sagt: "Man ist drüber weg." Sein weiteres Leben ging nach den Kriegswirrungen zunächst einen geregelten Gang: Nach Schule und Ausbildung in der Landwirtschaft kam Helmut Schönwald Anfang der 50er-Jahre ins Altenburger Land, arbeitete als landwirtschaftlicher Gehilfe, später als Traktorist bei einer Firma in Lumpzig. Hier lernte er auch seine Frau Gudrun kennen, die er 1957 heiratete und mit der er in Engertsdorf vier Kinder großzog. Ab 1955 war er bei der Polizei, arbeitete als sogenannter Abschnittsbevollmächtigter der Volkspolizei lange Zeit in Ziegelheim. Seine Vergangenheit als Vertriebener spielte zu dieser Zeit keine Rolle. "Das war in der DDR ein Tabu. Selbst in meinem Personalbogen stand nur, dass ich in Gerdauen geboren bin, aber nicht der Zusatz Ostpreußen."

 

Erst mit der Wiedervereinigung kam das Thema wieder auf, 1991 trat Schönwald in den BdV ein, zwei Jahre später übernahm er den Vorsitz des Regionalverbands Thüringen. Damals habe er noch nicht einschätzen können, wie zeitfüllend diese Aufgabe sein wird, gibt er heute zu. "Ich dachte, ich mache das so nebenbei." Doch mit rund 5000 Mitgliedern war der hiesige Regionalverband einer der stärksten in Thüringen. "Deshalb war ich dann kaum noch zu Hause."

 

Denn neben der Pflege des Brauchtums und der Traditionen mussten auch Kontakte gehegt und gepflegt werden - zum Partnerverein in Paderborn und zu allen Parteien, wie Schönwald mit Nachdruck hervorhebt. Revanchistische Tendenzen habe er nie unterstützt. "Wir sind nie nach rechts marschiert, sondern haben uns immer an die Charta der deutschen Heimatvertriebenen gehalten", betont er ausdrücklich. Deshalb sorgte er 2000 auch dafür, dass Paul Latussek, damals BdV-Landesvorsitzender in Thüringen, nicht beim Tag der Heimat in Altenburg spricht. "Er wollte mich damals am liebsten als Vorsitzenden ablösen lassen, aber die Mitglieder haben zu mir gestanden" - und Helmut Schönwald es durchgestanden. "Der Altenburger Regionalverband war dann auch nicht ganz unbeteiligt, dass dieser Mann in der Versenkung verschwunden ist." Später wurde Latussek wegen Volksverhetzung verurteilt.

 

Besonders stolz ist Schönwald aber darauf, dass 2012 in Windischleuba ein Denkmal für die Vertriebenen aufgestellt werden konnte. Doch obwohl er seit 1994 Neujahrsgespräche mit Politikern veranstaltete und der Altenburger Regionalverband zu den ersten gehörte, die eine Heimatstube, ein Frauenzentrum und ein Sozialwerk hatten, hat er nicht alles geschafft, was er wollte. "Die Zusammenarbeit mit Schulen ist zurückgegangen", sagt er. Zwar habe man mit einigen Gymnasien kooperiert, aber nicht alle hätten Interesse an den Erfahrungen aus erster Hand gehabt.

 

"Ich hätte mir manches Mal mehr Unterstützung von außen gewünscht, auch die Mitarbeit von den Mitgliedern hätte besser sein können", blickt er auch kritisch zurück. Dennoch ist er zufrieden mit sich und den Mitarbeitern im BdV, erinnert sich gern an die Sommerfeste und Volkstumabende zurück. Was er sich für die Zukunft wünscht: "Ich hoffe nicht, dass es in Vergessenheit gerät."

Jenifer Hochhaus

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