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Begegnung mit Geflüchteten: Altenburger Kirchgemeinden sind sehr aktiv

Religion und Gesellschaft Begegnung mit Geflüchteten: Altenburger Kirchgemeinden sind sehr aktiv

Eine Vielzahl von Menschen in Deutschland setzt sich für Geflüchtete ein. Vor allem Kirche und Diakonie mit ihrem Gebot der Nächstenliebe sind vielerorts an vorderster Stelle aktiv. Auch die Gemeinden im Altenburger Land engagieren sich stark. Die OVZ hat sich umgehört.

Flüchtlinge werden eingekleidet. Auch im Altenburger Land sind die Kirchgemeinden bei der Betreuung von Asylbewerbern sehr engagiert.

Quelle: dpa

Altenburg. Eine Vielzahl von Menschen in Deutschland setzt sich für Geflüchtete ein. Vor allem Kirche und Diakonie mit ihrem Gebot der Nächstenliebe sind vielerorts an vorderster Stelle aktiv. In Altenburg hält Pfarrer Andreas Gießler von der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Kontakt zu Asylbewerbern, etwa aus Syrien oder Afghanistan. „In erster Linie sind das ganz pragmatische Hilfestellungen, die wir geben“, teilt er auf OVZ-Nachfrage mit. „Zum Beispiel, wenn ein Transport von A nach B benötigt wird. Oder wenn etwas Grundlegendes in der Wohnung fehlt.“

Pastor Ulrich Grabowski von der Freien evangelischen Gemeinde steht nach eigenen Angaben in enger Verbindung zu drei afghanischen Familien mit jeweils drei, fünf und sechs Kindern. Das ist eine beachtliche Zahl. Denn die Gemeinde an sich umfasse insgesamt lediglich 38 Mitglieder. Der Geistliche unterstütze die Kinder bei den Hausaufgaben, die Eltern bei Asylproblemen. Die Sprachbarriere sei ein Hindernis, aber kein unüberwindliches. „Die Kinder spielen den Dolmetscher“, sagt Grabowski. „Die gehen ja in die Schule. Ihre Sprachkenntnisse verbessern sich deshalb sehr schnell.“ Die Väter wiederum seien häufig Analphabeten. „Mit ihnen mache ich einfache Sprachübungen, kommuniziere dabei größtenteils mit Hand und Fuß“, hält der Pastor mit einem Lachen fest. Auch einen Deutschkurs habe er in seiner Gemeinde bereits abgehalten. Der sei überwiegend von Afghanen besucht worden, ist aber inzwischen beendet.

Auf vielfältige Weise sorgt die Katholische Pfarrei Altenburg / Schmölln für ehrenamtlichen Beistand. Wie die OVZ auf Nachfrage erfuhr, stehe es Zuwanderern unter anderem offen, mit in die Kirche zu gehen oder die Kinderstunde zu besuchen. Das Hilfsprogramm der Gemeinde umfasse zudem regelmäßig Sport mit Jugendlichen sowie Touren mit dem Fahrrad. Überdies könne es sich ergeben, dass Familien privat eingeladen werden.

Taufe ist Randerscheinung

Der Übertritt zum Christentum scheint aktuell jedoch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Dass Geflüchteten das Sakrament der Taufe erteilt wurde, sei zumindest in den vergangenen Jahren in keiner der drei Gemeinden vorgekommen. „Die meisten Asylsuchenden, die hier leben, haben bereits eine Konfession. Sie sind Muslime oder wurden schon getauft“, führt Pfarrer Gießler aus. Ihm zufolge gehören viele zugewanderte Syrer dem Christentum an. Die Menschen aus Eritrea seien häufig griechisch-orthodoxen Glaubens, übten diesen vor allem im Magdalenenstift aus. Aufgeschlossen seien die Flüchtlingskinder, die am Christlichen Spalatin-Gymnasium lernen. Sie hätten bereits Interesse am evangelischen Gottesdienst gezeigt.

Das Wichtigste sei laut Gießler, Asylsuchenden genügend Raum zu geben, um die Religion ihrer Wahl in ihrer Sprache ausüben zu können. Zumal man bedenken müsse: „Die Zurückhaltung bei der Taufe rührt nicht zuletzt von dem Wissen her, was ihnen droht, falls sie nach einem Glaubenswechsel in ihre Heimatländer zurückkehren.“ Denn streng islamische Regime kennen keine Gnade bei einer Konversion und erteilen in solchen Fällen im Allgemeinen die Todesstrafe.

Gesondertes statistisches Material gibt es grundsätzlich keines, da der Aufenthaltsstatus bei Taufen nicht erfasst wird. „Bei diesem Akt steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht seine Herkunft“, hebt Christoph Schmidt hervor. Der Diakon verweist auf eine sehr geringe Zahl von Flüchtlingstaufen im Kirchenkreis Altenburger Land. Vor Jahren habe es drei Fälle in Schmölln gegeben. Die betroffenen Personen seien jedoch bereits wieder zurück in ihre Heimat Serbien gereist. Insgesamt sei das Thema eine Randerscheinung, könne in Zukunft aber durchaus an Bedeutung gewinnen.

Pfarrer haben besondere Verantwortung

Bezogen auf das Land Thüringen treten Taufanfragen von Asylsuchenden hingegen immer wieder auf, wie Pressesprecherin Solveig Grahl von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) auf Anfrage der OVZ erläutert: „In den betreffenden Gemeinden werden Tauf- und Glaubenskurse angeboten, die auf die besondere Situation von Geflüchteten ausgerichtet sind und intensiv versuchen, wichtige Glaubensinhalte zu vermitteln und auf die Taufe vorzubereiten.“ Ein weiteres Anliegen sei überdies, dass Menschen mit ursprünglich anderem kulturellen und religiösen Hintergrund auch ihren (neuen) Glauben leben können. Dieser besonderen Verantwortung seien sich alle Pfarrer bewusst und versuchen deshalb nach Möglichkeit, die Menschen weiter zu begleiten.

Von Matthias Klöppel

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