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Altenburg „Begrüßungsgeld“ lädt in Altenburg zum Nachdenken ein
Region Altenburg „Begrüßungsgeld“ lädt in Altenburg zum Nachdenken ein
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00:37 14.04.2018
In seinem Projekt „Begrüßungsgeld“ stellt Aktionskünstler Hans Ferenz Bilder von DDR-Flüchtlingen und Kriegsflüchtlingen gegenüber – und zieht Parallelen. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

So mancher Kopf dreht sich derzeit beim Gang über den Altenburger Markt, immer wieder bleiben Leute stehen, betrachten neugierig, was sich da vor ihnen präsentiert. Blau, wuchtig und vor allem unübersehbar ist er, der Container, der vor dem Rathaus auf Besucher wartet.

Schöne Erinnerung

„Wir stehen ganz bewusst im Weg, mitten auf der Straße“, erklärt Hans Ferenz, der Macher hinter dem Projekt. „Begrüßungsgeld“ heißt es und soll über den Namen nicht nur Aufmerksamkeit er-, sondern auch zum Nachdenken anregen. Der Titel ist dabei mit voller Absicht an die Wendezeit im Herbst 1989 angelehnt: „Ich habe vor knapp drei Jahren eine Reihe von Gesprächen zum 9. November 1989 geführt“, berichtet Ferenz. „Fast alle Menschen, mit denen ich sprach, hatten tolle Geschichten aus dieser Zeit zu erzählen, von ihrem ersten Trip in den Westen, von den Dingen, die sie sich von den 100 Mark Begrüßungsgeld gekauft haben. Wenn ich allerdings nach der Zeit vor der Wende gefragt habe, wurden die Antworten spärlicher.“

Bittere Realität

Denn diese Zeit sei für nicht wenige DDR-Bürger alles andere als rosig gewesen – und weise aus seiner Sicht deutliche Parallelen zu heute auf. Deutlich machen will Ferenz diese Gemeinsamkeiten, die damals und heute zu Flucht führten, mit einem im Container installierten Fotoprojekt. Dort stehen etwa Fotos von DDR-Flüchtlingen in der Zeltstadt der Prager Botschaft Aufnahmen von syrischen Kriegsflüchtlingen in Lagern in Griechenland gegenüber.

„Die Wende war natürlich eine schöne Zeit, aber oft wird vergessen, was davor war – die Mauertoten und auch die Friedliche Revolution“, findet der Berliner Aktionskünstler. Das sei im Hinblick auf die sogenannte Flüchtlingskrise ähnlich, wenn auch unter anderen Vorzeichen, wird doch deren Ankunft in Deutschland oft negativ betrachtet: „Wir sollten kritisch, aber auch sorgsam auf die jetzigen Flüchtlinge blicken“, fordert Hans Ferenz. Auch diese hätten mit Krieg in ihrer Heimat gute Gründe zur Flucht.

Nachdenken im öffentlichen Raum

Seit November 2015 ist er mit der Ausstellung unterwegs, vorwiegend in Mitteldeutschland. Dafür, dass sie nun den Weg nach Altenburg gefunden hat, sind der Kreisjugendring und der Kommunalpolitische Ring Altenburger Land, der Kinder- und Jugendtreff „Abstellgleis“ und die Diakonie Thüringen verantwortlich. „Wir möchten so ein Gesprächsangebot bieten, erreichen, dass die Leute über das Thema reflektieren“, betont Kreisjugendring-Geschäftsführerin Heike Kirsten.

Die Aktion sei bewusst niedrigschwellig gehalten, um möglichst viele Menschen zu erreichen. „Gerade auch junge Leute kennen die Geschichten aus der DDR oft gar nicht so genau. Dadurch, dass wir uns im öffentlichen Raum präsentieren, erleichtern wir ihnen zudem den Zugang.“ Einen direkten Zusammenhang zwischen dem anstehenden Urnengang am Sonntag und dem Zeitpunkt der Ausstellung möchte Kirsten auf Nachfrage zwar nicht herstellen. „Dass es zur Wahl passt, ist aber nicht schlimm“, betont sie jedoch.

„Begrüßungsgeld“ ist noch heute und morgen von 10 bis 16 Uhr, am Sonnabend von 9 bis 12 Uhr sowie am Sonntag von 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr auf dem Markt zu sehen.

Von Bastian Fischer

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