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Bei Fräger gehen die Lichter aus

Bei Fräger gehen die Lichter aus

Das Altenburger Werk des in Hessen ansässigen Automobilzulieferers Fräger wird geschlossen. Wie Insolvenzverwalter Steffen Koch gestern auf OVZ-Nachfrage bestätigte, gehen in den Hallen an der Leipziger Straße zum 31. März die Lichter aus.

Altenburg.

Zeitgleich droht den 180 Mitarbeitern die Arbeitslosigkeit. "Das ist eine Katastrophe für die Region", sagte Michael Ebenau von der IG Metall, obwohl noch über eine Auffanggesellschaft verhandelt wird.

 

Von Thomas Haegeler

 

Es traf die Mitarbeiter der Früh- und Spätschicht am Montag wie ein unvermittelter Schlag ins Gesicht. In einer kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung holte Koch den Knüppel aus dem Sack und teilte ihnen mit, dass das Werk nach Lage der Dinge zum 31. März geschlossen werden muss. Wie ein Angestellter, der nicht namentlich genannt werden möchte, der OVZ sagte, hieß es sinngemäß: VW und MAN stellen zum 1. April die Bestellungen der in Altenburg produzierten Teile ein, damit fällt der Umsatz weg und es gibt keine Arbeit mehr. Was bei der Belegschaft folgte, war stilles Entsetzen.

 

Da half es auch wenig, dass Koch als "dünnen Strohholm" die verschwindend geringe Hoffnung auf noch einen möglichen Investor ins Spiel brachte. "Das abrupte Ende ist bedrückend", sagte der Fräger-Mitarbeiter. Für die jüngeren Leute möge es noch möglich sein, schnell einen neuen Job zu finden, aber für die ältere sehe es düster aus.

 

Nun könnte man meinen, dass die Mitarbeiter eines insolventen Unternehmens täglich mit dem Schlimmsten rechnen. "Haben wir aber nicht, weil zuletzt wieder mehr gearbeitet wurde", erklärte der langjährige Angestellte. Zuletzt habe es sogar Pläne für Zusatzschichten an Wochenenden gegeben. "Aber offenbar lag das nur daran, dass VW seine Lager aufgefüllt hat und sich nun einen neuen Lieferanten aufbaut." Schon lange habe es intern Warnungen gegeben, sich derart von einem Auftraggeber wie dem VW-Konzern und insbesondere vom Fahrzeug- und Maschinenhersteller MAN abhängig zu machen. "Das hat uns nun offenbar das Genick gebrochen."

 

All diese Fakten bestätigte Koch. Etwa 85 Prozent der hiesigen Aufträge seien von VW und MAN gekommen, erklärte der Insolvenzverwalter. "Und eine starke Spezialisierung ist weder für ein Unternehmen noch für dessen Verkauf förderlich." Doch der erfahrene Sanierer geht noch weiter: "In Altenburg hat man zuletzt alles getan, um die Kunden schlecht zu behandeln. Es wurde miserable Qualität abgeliefert." Es sei auch zu spät geliefert worden. "Da habe ich Verständnis, dass sich VW irgendwann verabschiedet." Seit November sei mehr gearbeitet worden, was aber offenbar zu spät gekommen sei. "Es ist insgesamt zu viel Zeit vergangen."

 

Ein weiteres Problem ist laut Koch der Maschinenpark. "Der Firma fehlte seit geraumer Zeit das Kapital, um dringend notwendige Investitionen zu tätigen", erklärt der Rechtsanwalt der renommierten Kanzlei HWW Wienberg Wilhelm. "Die Maschinen wurden nicht mehr gewartet und sind zum Großteil überaltert, um die geforderte Quantität zu schaffen." Darüber hinaus seien die Gründe für die nun unausweichliche Schließung des Altenburger Werkes vielfältig. "Wir haben Hunderte Investoren angesprochen, ihnen Einblick gewährt, auch vor Ort, aber es gab keinen, der mit einem seriösen Konzept zugreifen wollte."

 

Neben den Beschäftigten ist auch die IG Metall entsetzt und stinksauer. "Für uns kam das genauso aus heiterem Himmel wie für die Mitarbeiter", sagte Ebenau. Nach den Meldungen der vergangenen Monate sei man aufgrund der Mehrarbeit davon ausgegangen, dass es besser aussehe. "Uns wurde immer wieder Hoffnung gemacht. Daher glaube ich, dass wir hier verschaukelt worden sind."

 

An zu hohen Löhnen könne es bei Fräger jedenfalls nicht gelegen haben, denn die "liegen meilenweit unter Tarif", bestätigte der Gewerkschaftler, was auch schon aus Reihen der Belegschaft zu vernehmen war. "Die Hersteller üben bundesweit auf die Zulieferer derzeit einen enormen Preisdruck aus, weswegen Fräger nicht die letzte Firma sein wird, die es trifft." Dass derzeit über eine Auffanggesellschaft verhandelt wird, in der die Mitarbeiter qualifiziert werden, ist für Ebenau nur eine Verschiebung des Problems. "Deshalb fordern wir von der Landesregierung für Altenburg eine Neuansiedlung." © Kommentar

Thomas Haegeler

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