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Beiern liegt in Thüringen

OVZ-Dorfporträt Beiern liegt in Thüringen

Vor rund 1000 Jahren trieben die Salierkönige die Christianisierung des Landes westlich der Elbe voran. Sächsische Adlige verdrängten vielerorts die slawischen Sorben und holten Siedler ins Land. In Erinnerung an ihrer alte Heimat benannten manche – so die Überlieferung – ihre Siedlung nach der Region, aus der sie stammten.

Im großen Vierseithof in Beiern kann Jürgen Scheider die dörfliche Ruhe genießen.

Quelle: Mario Jahn

Beiern. Vor rund 1000 Jahren trieben die Salierkönige die Christianisierung des Landes westlich der Elbe voran. Sächsische Adlige wie der spätere Wiprecht von Groitzsch, der von Heinrich IV. aus dem Raum südlich von Hamburg nach Groitzsch geschickt wurde, verdrängten vielerorts die slawischen Sorben und holten Siedler ins Land. In Erinnerung an ihrer alte Heimat benannten manche – so die Überlieferung – ihre Siedlung nach der Region, aus der sie stammten. So soll das kleine Örtchen Beiern am östlichsten Rand Thüringens dereinst zu seinem Namen gekommen sein, genau wie Schwaben und Franken auf sächsischer Seite oder Flemmingen für die Flamen im Wieratal.

„Aber wir sind Thüringer, wir haben uns immer nach Altenburg orientiert. Das war schon so, als wir noch Kinder waren“, erzählt Helga Junghanns. Sie stammt aus dem großen Vierseithof, auf dem sie mit ihrem Mann Jürgen Schneider lebt. Gleich hinter Beiern verläuft die Landesgrenze, dort sei für sie gewissermaßen die Welt zu Ende gewesen. „Beispielsweise mein Cousin im Nachbardorf in Sachsen spricht schon einen ganz anderen Dialekt“, plaudert Helga Junghanns im Bauerngarten des Gutes beim Kaffee.

Das sei althergebrachte Lebensweise hier, fügt Jürgen Schneider hinzu, der aus einem Gehöft in Neuenmörbitz stammt. Ihre Vorfahren hätten sich als Malcher gesehen und selbstverständlich die Tracht getragen. Schneiders und Junghanns’ Urgroßväter zum Beispiel gehörten im 19. Jahrhundert zu den Gründern das Vereins für Fortbildung und Landwirtschaft Altenburg, welcher die landwirtschaftliche Schule in der Zeitzer Straße begründete. Es waren wohlhabende Bauern, deren Höfe vom herzoglichen Erbrecht profitierten, das eine Teilung der Güter ausschloss. In Beiern zeugen noch heute die sechs großen und zwei kleinen Gehöfte davon. Bis 50 Hektar Land gehörten zu den großen Gütern.

Beiern ist kein Straßendorf. Die Vierseithöfe stehen recht weit auseinander. Das Heim von Schneider und Junghanns etwa prägt auf einem Hügel die Dorfansicht. „Wenn man sich hier treffen möchte, muss man zielgerichtet zu jemandem gehen“, sagt Schneider. Umständlich vielleicht, aber es erhöhe den Zusammenhalt im Dorf, findet Junghanns. Das nachbarschaftliche Miteinander sei in Beiern sowie wichtig. Dafür tun sie auch etwas, überlassen es nicht dem reinen Zufall. Früher, zu DDR-Zeiten, waren der Konsum und der Bahnhof der Mittelpunkt. „Da war vielleicht etwas los, die Leute kamen von überall. Am Bahnhof standen jeden Tag rund 100 Fahrräder, und im Zug hatte jeder seinen Stammsitzplatz“, erinnert sich Helga Junghanns schmunzelnd.

Bahnhof und Konsum gibt es heute nicht mehr, dafür seit 20 Jahren ein Hexenverbrennen. Sie wollten etwas für den Gemeinsinn im Ort tun, etwas zusammen unternehmen und gesellige Stunden verbringen, deshalb haben sie das Dorffest zur Walpurgisnacht, bei dem alle mit anpacken, ins Leben gerufen. „Das hilft auch den Zugezogenen, sich zu integrieren. Da liegt uns viel dran“, erklärt Helga Junghanns. Und Beiern sei attraktiv für Auswärtige, findet Jürgen Schneider. Nur sieben Kilometer ist die Autobahnauffahrt Penig entfernt. Der Ortsteil der Gemeinde Langenleuba-Niederhain liege heute längst nicht mehr ab von Schuss. In Beiern wohnen und nach Chemnitz auf Arbeit fahren – das ist mit dem Auto ein Klacks, sagen sie.

Nur die Straße hätte von Anfang an als Zubringer ausgebaut werden müssen, klagt Schneider – ganz der Ex-Bürgermeister von Niederhain. Für Beiern wäre das wohl kein großes Problem geworden, weil es eben kein Straßendorf ist. Doch passiert ist nichts, so Schneider. Stattdessen lotst jedes Navi den Verkehr durchs Dorf, und die 40-Tonner fahren alles kaputt. Schon, weil die Fahrbahn zu schmal ist und zwei LKW nicht aneinander vorbeipassen. „Ein Zubringer wäre für die gesamte Region von Vorteil gewesen, und die Pläne sind fertig“, bedauert Schneider. Während seiner Amtszeit habe er den Verkehr zählen lassen. Bevor die Autobahn freigegeben wurde, waren es 900 Fahrzeuge. Im vergangenen Jahr rollten dann 1600 durchs Dorf.

Bei sich in „Oberbeiern“ bekämen sie davon aber nichts mit. In ihrem schönen Bauerngarten können Schneider und Junghanns die sprichwörtliche Ruhe des Dorfes genießen. Einzig Post- und Paketzusteller verirren sich regelmäßig in das hübsch sanierte Gehöft. Die Boten kämen gar nicht so selten. Denn nach der Wende wurden Mietwohnungen in den Gebäuden des Vierseithofs ausgebaut. Und alle sind vergeben. Insgesamt leben heute 14 Personen in dem Gehöft, erzählt Schneider stolz.

Aktuell hat Beiern 96 Einwohner, darunter Gewerbetreibende wie Handwerker und Landwirte. Seit Generationen hält das Dorf diese Größenordnung. Es gebe im Ort auch keinen Leerstand – alle Gehöfte, Wohnungen und Häuser seien belegt. Insofern machen sich die beiden Rentner keine Sorgen um Zukunft ihres Beierns in Thüringen und genießen das dörfliche Leben.

Von Jörg Reuter

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