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Altenburg Belastungszeuge kann Vorwürfe gegen Ex-Flugplatzchef nicht bestätigen
Region Altenburg Belastungszeuge kann Vorwürfe gegen Ex-Flugplatzchef nicht bestätigen
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16:34 11.05.2017
Der damalige Flugplatzchef Jürgen Grahmann und Architekt Jan Godts stellen im Mai 2013 die Pläne zur Erweiterung des Terminals vor. Beim Prozess am Mittwoch trafen beide erneut aufeinander, als dieses Thema wieder auftauchte.  Quelle: Mario Jahn
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Gera/Altenburg

 Die Kündigung gegen den ehemaligen und langjährigen Chef des Nobitzer Flugplatzes, Jürgen Grahmann, steht seit Mittwoch auf äußerst wackligen Füßen. Das wurde bei einer weiteren Verhandlung vor der Zivilkammer des Landgerichts Gera deutlich, die mit einer faustdicken Überraschung endete.

Grahmann war im Dezember 2014 als Airport-Chef gefeuert worden und hatte dagegen geklagt (OVZ berichtete). Einzig verbliebener stichhaltiger Kündigungsgrund wäre der Vorwurf gegen ihn, private und dienstliche Angelegenheiten vermischt und dabei auch vor einer versuchten Nötigung nicht zurückgeschreckt zu haben. Dies hatte die Gesellschafterversammlung der Flugplatz GmbH behauptet, der Landrätin Michaele Sojka (Linke), der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD) und Thüsac-Geschäftsführer Stephan Bog angehören. Danach soll Grahmann den Architekten Jan Godts dazu gedrängt haben, kostenlose Leistungen beim Bau seines Privathauses zu erbringen. Falls sich Godts aber weigere, soll der damalige Flugplatzchef damit gedroht haben, dass der Architekt auch auf den Airport keine Leistungen mehr bekommt.

Doch all diese haarigen Vorwürfe ließen sich am Mittwoch überhaupt nicht beweisen. Denn Godts stritt als Zeuge ab, dass Grahmann derartige Forderungen an ihn gerichtet oder ihn wegen der Flugplatz-Aufträge unter Druck gesetzt habe. „Nein. So etwas gab es nicht. Solche Äußerungen sind nie gefallen“, betonte der 52-Jährige. Noch während er dies sagte, verdüsterten sich die zuvor noch freudigen und entspannten Gesichtszüge des derzeitigen Flugplatzchefs Frank Hartmann, der ebenso im Gerichtssaal saß, wie auch Thüsac-Chef Bog, Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) und sein Windischleubaer Amtskollege Gerd Reinboth (CDU), die beide im Aufsichtsrat der Flugplatz GmbH sitzen und über den gestrigen Ausgang der Verhandlung ebenso alles andere als erfreut waren. Denn die Kündigung samt Beschuldigungen war zwar von der Gesellschafterversammlung ausgesprochen worden, jedoch fußen solche Beschlüsse in aller Regeln auf der Empfehlung des Aufsichtsrats.

Godts räumte ein, dass er Grahmann beim Ausbau dessen Hauses beraten hatte. Da dafür aber kein Bauantrag nötig war, habe er keine Leistungen erbracht und auch keine Rechnung gestellt. Diese kostenlose Beratung bezeichnete Godts als Bestandteil eines ganz normalen Kundengesprächs. Ebenso erstellte der Architekt Konzepte für die damalige Erweiterung des Flugplatz-Terminals. Dass seine Leistungen dafür im Nachgang von Grahmann um 10 000 Euro gekürzt wurden, bestritt Godts.

Ebenso habe Grahmann keine Porphyr-Steine von seinem Hof abgeholt, antwortete der Architekt auf die Frage des jetzigen Flugplatzchefs. Hartmann wollte über den ominösen Materialtransport Kenntnis von Godts selbst erlangt haben, der dies aber bestritt. Höhepunkt der Verhandlung war der Antrag der Flugplatz-Seite, Godts zu vereidigen. Das aber lehnte das Gericht ab, da es davon ausging, dass der Zeuge seine Äußerungen auch nach dessen Schwur nicht ändern würde.

Der Architekt bezeichnete es nach dem Prozesstag als eine bodenlose Frechheit, dass er als Zeuge für die Beschuldigungen gegen Grahmann herhalten sollte. Dies spreche allein für die Unfähigkeit der Beteiligten, für eine saubere und rechtlich fundierte Kündigung zu sorgen oder sich mit Grahmann zu einigen, sagte Godts der OVZ. Stattdessen suchen die dafür Verantwortlichen nun jemanden, den sie vor ihren Karren spannen können. Dafür aber stehe er nicht zur Verfügung.

Das Gericht ließ am Mittwoch durchblicken, dass die Behauptungen gegen Grahmann nicht bewiesen werden konnten und es mit den Kündigungsgründen deshalb nicht gut aussehe. Dennoch wird der Prozess im Juli oder August fortgesetzt. Dann soll einer der Chefs einer bekannten Altenburger Anwaltskanzlei als Zeuge gehört werden. Ihm soll Godts seine Beschuldigungen gegen Grahmann ebenso geschildert haben. Das wäre dann allerdings eine Aussage nach Hörensagen. Am Mittwoch stritt Godts dies bereits ab. Deshalb habe er auch ein entsprechendes Gedächtnisprotokoll nicht unterzeichnet, dass ihm der Anwalt mehrere Tage vor der Verhandlung am Mittwoch auf einmal und ganz nebenbei vorgelegt habe.

Von Jens Rosenkranz

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