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Altenburg Benefizspiel in Meuselwitz hat nur Gewinner
Region Altenburg Benefizspiel in Meuselwitz hat nur Gewinner
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17:12 19.07.2017
Es ist angerichtet: die Teams des ZFC und von RB Leipzig präsentieren sich den Zuschauern. Quelle: Mario Jahn
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Meuselwitz

Ach Fußballherzn was willst du mehr? An der Schnauder, im sonst zu dieser Zeit verschlafenen Meuselwitz, scheint Dienstagabend Ausnahmezustand zu herrschen. Heerscharen von fans – viele davon in rot-weiß gewandet – pilgern über die Grubestraße gen Bluechip-Arena. Ja, dort wollen sich natürlich die Mannen vom Hausherren ZFC Meuselwitz präsentieren, die ebenfalls in Rot und in Weiß auflaufen. Aber das Herz für die meisten Bummler in der Arena schlug eindeutig für den elitären Gast aus der nahen Messestadt, den Vizemeister RB Leipzig, der nunmal die gleichen Vereinsfarben hat.

Die sonst bei den meisten Pflichtspielen zumeist überschaubar gefüllt Arena ist nicht mehr wiederzuerkennen: Haushoch türmen sich die zusätzlich aufgestellten Tribünen, um den erwarteten Ansturm zu fassen. Mitten drin im Gewusel – überall und nirgendwo: ZFC-Boss Hubert Wolf, der mit der Sonne um die Wette strahlt: „Wahnsinn, so viele Leute. Das wird heute ein Fest, egal wie es ausgeht“, meint er.

Und tatsächlich: Schon beizeiten ist die Hütte ordentlich voll und singen sich die teils weit gereisten Fans für ihre Rasenballsportler warm. Im Trubel unter vielen guten Bekannten ist auch Steffen Hurraß, der Chef der Skatstadtbullen aus Altenburg, einem von knapp 40 offiziellen Fanclubs des Bundesligisten. „Nein, wie viele heute von uns dabei sind, hat keiner gezählt. Aber es sind auf jeden Fall eine Menge“, plaudert er.

Und vor allem fiel ihm auf, welche Touren richtige Fans so auf sich nehmen. „Aus Leipzig sind viele da, aber auch aus Weißenfels. Das ist heute wie ein großes Familientreffen.“ Sagt’s und stimmt in den vielkehligen Fangesang der Bullenjünger ein: Soeben haben die Lieblinge aus Leipzig zu den obligatorischen Erwärmungsübungen den Rasen betreten. Und RB-Trainer Ralph Hasenhüttl hat tatsächlich Wort gehalten, als er im Vorfeld zugesichert hat, mit dem kompletten Starensemble in Meuselwitz aufzulaufen.

Aber vorerst gibts Forsberg, Keita, Poulsen & Co. nur aus der Ferne. Nach der Arbeit gibts noch Autogramme.

Hubert Wolf hat derweil seinen Stammplatz in der „Präsidentenloge“ eingenommen, aus der er alle Spiele verfolgt. Kein Sessel aus weichem und edlem Leder, sondern eine ziemlich abgewetzte weiße Plastikbank unterm Sprechertrum ist das. „Aber mit Super-Blick“, sagt er. Nur, dass diesmal die aufgezogenen Fotografen ein wenig stören. „Zur zweiten Halbzeit verziehen die sich auf die andere Seite, wenn dort unser Tor ist. Die wollen doch Treffer für RB sehen“, scherzt der Boss.

Die Höhe des Resultats? „Ist mir schnurzegal. Heute soll Geld für die neue Matte unseres Kunstrasenplatzes sowie für einen Trainingsplatz für unseren Nachwuchs zusammen kommen. Rund 225 000 Euro brauchen wir dafür in Summe“, so Wolf. Und hat dafür schon vor Anpfiff den ersten Geldregen eingesackt: Peter Gösel, Chef des Thüringer Landessportbundes, übergibt ihm einen 40 000-Euro-Förderscheck für den Rasenplatz.

Am Ende grämten sich die Kicker vom ZFC Meuselwitz dann doch ein wenig über die Höhe der Niederlage: 0:6 gegen RB Leipzig – fünf der Treffer fielen erst in der zweiten Halbzeit. Aber die meisten der 5041 Zuschauer waren begeistert vom Benefizkick der Messestädter an der Schnauder.

Und dann klingelt nicht nur die Kasse, dann klingelts auch auf dem Platz. Wenngleich die Zipsendorfer Jungs sehr gut mithalten. Felix Müller hat in der ersten halben Stunde die Lufthoheit gegen die RB-Profis, René Weinert tunnelt gar Marvin Compper, und Andy Trübenbach liefert sich manch rassige Szene mit Emil Forsberg. Ja, es sind so diese Kleinigkeiten, die gegen einen natürlich haushoch überlegenen Gegner auf Seiten des ZFC ins Auge stechen.

Bis es halt 0:6 steht und Michael Wilske aus Bretleben die Partie beendet. „Aber die Meuselwitzer haben sich doch sehr gut verkauft“, meint Skatstadtbulle Frank Hurraß anerkennend. Und macht sich auf den Heimweg, wie tausende andere. Und die Stars schreiben sich im wahrsten Sinne des Wortes die Finger wund. Selbst vor dem Kabinentrakt harren Fans lange auf ihrer Autogrammjagd aus.

Nach gut einer Stunde hat sich dieser Hauch der großen Fußballwelt im kleinen Meuselwitz scheinbar in Luft aufgelöst. Auch dank der Polizei und zahllosen ehrenamtlichen Helfern sowie Feuerwehrleuten. „Damit haben wir ja schon eine gewisse Erfahrung“, meint Altenburgs Polizeichef Andreas Pöhler, der den Einsatz geleitet hat. Selbst leidenschaftlicher Kicker – seit seinem sechsten Lebensjahr jagt der 43-Jährige beim SV Eintracht Fockendorf dem runden Leder nach – konnte er auch phasenweise das Spiel genießen. „Das war schon eine Demonstration. Aber auch ein guter ZFC“, sagt er. Und das wichtigste: „Alles lief völlig ohne Probleme ab.“ Ausnahme ist leider eine Raubstraftat. Da wurde einem Fan ein Erinnerungsschal unter Androhung von Gewalt abgenommen. Eine Personenbeschreibung des mutmaßlichen Täters liegt laut Polizei mittlerweile vor (siehe Kasten).

Auch Bürgermeister Udo Pick ist sichtlich angetan: „Es zeugt vom großen Ehrgeiz des ZFC, solche Verbindungen zu schaffen, Hochkaräter wie RB auf die Anlage zu bekommen. Mit viel Unterstützung und großem Einsatz des ZFC und der Mitarbeiter der Stadt sei es gelungen, eine solch hervorragende Sportstätte zu errichten und auch zu erweitern. Weiterhin ist es einem Enthusiasten zu verdanken, der mit großem finanziellen Einsatz seine Vorstellungen umgesetzt hat. „Der ZFC ist sportlich sehr erfolgreich und die Sportstätte ist so umfangreich und Klasse geworden, was auch durch den DFB bestätigt wurde“, meint er

Und Hubert Wolf? Der war zwar über die Zuschauerzahl von 5041 erst ein wenig enttäuscht, hätte sich um die 500 mehr gewünscht. Aber das verfliegt ganz schnell. „Alles super. Und nächste Woche können wir die Matte für unseren Kunstrasenplatz bestellen.

Von Jörg Wolf

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