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Beratungsstelle in der Münsaer Straße hilft nicht nur während der Schwangerschaft

Beratungsstelle in der Münsaer Straße hilft nicht nur während der Schwangerschaft

Heute wird weltweit der Internationale Frauentag gefeiert. Für die vier Mitarbeiterinnen der Schwangerschaftsberatungsstelle in Altenburg ist dieser Tag ein besonderer Anlass, intensiver über ihre Arbeit mit den Frauen nachzudenken, die ihre Hilfe suchen.

Altenburg. Von Edeltraud Peschel

"Wir sind die einzige anerkannte Konfliktberatungsstelle für Schwangere im Altenburger Land", sagt Sandra Rabe, die seit elf Jahren als Beraterin in der Einrichtung in der Münsaer Straße dabei ist. Drei der Mitarbeiterinnen sind Sozialpädagogen und zusätzlich für die Arbeit in der Schwangerenkonfliktberatung qualifiziert.

Das Wort Konfliktberatung hört Sandra Rabe eigentlich gar nicht gern. Denn in ihrer Arbeit geht es nicht nur um die seelischen Probleme, die unmittelbar mit einem Schwangerschaftsabbruch verbunden sind. Für viele Frauen, die sich für ihr Baby entscheiden, würden auch finanzielle Sorgen zunehmend eine Rolle spielen. "Wir helfen bei der Antragstellung, dem Ausfüllen der Formulare, wir wissen, wer die Ansprechpartner sind", sagt Sandra Rabe. Für die Baby-Erstausstattung, die man in Thüringen - anders als in Sachsen - bis zum Ende der Schwangerschaft beantragen kann, reicht man den Antrag bei der Thüringer Stiftung Hand in Hand in Erfurt ein, nennt sie ein Beispiel.

Aus ihren Beratungsgesprächen weiß Sandra Rabe auch, dass es für viele Frauen nach der Entbindung nicht einfacher wird, im Gegenteil. Das sei ein Themenfeld, dem sich die Beratungsstelle verstärkt zuwenden will. Denn so manche junge Frau würde mit unrealistischen Erwartungen ans Muttersein herangehen. Ohne generalisieren zu wollen, könne man feststellen, dass viele junge Mütter schon kurze Zeit nach der Geburt versuchen, wieder verschiedene Rollen, die ihnen von der Gesellschaft oder der Familie auferlegt werden, auszufüllen.

"Promi-Frauen, die wenige Wochen nach der Entbindung schon wieder gertenschlank im öffentlichen Leben stehen, sollten sich die Frauen wirklich nicht zum Maßstab nehmen", rät Sandra Rabe. Natürlich wolle jede Frau in erster Linie eine gute, eine perfekte Mutter sein. "Aber was heißt schon gut, perfekt und richtig? Dafür gibt es doch kein Patentrezept."

In den Gesprächen versuchen die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle deshalb auch, den jungen Müttern klarzumachen, dass sie sich nicht selbst unnötig unter Druck setzen oder sich von außen verunsichern lassen. Kein Mensch könne rund um die Uhr alles im Griff haben und ständig gut drauf sein. Schon gar nicht, wenn man diesen anspruchsvollen Full-Time-Job das erste Mal macht. Das Leben mit einem Baby sei nun mal nicht planbar, nicht vorhersehbar. Jede Frau sollte selbst herausfinden, was für sie und ihr Baby das Beste ist. Denn Mütter seien so individuell wie ihre Sprösslinge.

Die Mitarbeiterinnen der Schwangerschaftsberatungsstelle in der Münsaer Straße 27 stehen deshalb auch bei drohender Erschöpfung und krisenhaften Situationen rund um Schwangerschaft und Geburt sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite, versichert Sandra Rabe.

Die Beratungsstelle selbst wird im Juni 20 Jahre alt. Seit 2007 befindet sie sich in Trägerschaft der Diakonie Ost- thüringen. Finanziert wird sie vom Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit.

Die Schwangerschaftsberatungsstelle der Diakonie Ostthüringen in Altenburg, Münsaer Straße 27, hat geöffnet: Dienstag und Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, Montag und Mittwoch von 8 bis 16.30 Uhr, Freitag von 8 bis 12 Uhr (% 03447 834318, E-Mail: SKB-Altenburg@do-diakonie.de).

 

 

 

Die Beratung ist kostenfrei, auf Wunsch anonym und steht allen Interessierten offen, besonders auch Alleinerziehenden, Paaren in nichtehelichen Lebensgemeinschaften, Migrantinnen sowie Müttern und Vätern von Säuglingen und Kleinkindern. Sie unterliegt der Schweigepflicht.

Schwerpunkte sind unter anderem:

- Schwangerschaftskonflikt laut Paragraf 219 Strafgesetzbuch: Für Frauen, die ungewollt schwanger sind und nicht wissen, wie sie sich entscheiden sollen. In der Schwangerschaftsberatungsstelle wird sensibel beraten und Hilfe vermittelt und mehr. Das Gespräch unterliegt der Schweigepflicht.

- Schwangerschaft und Familie: Was wird sich in der Familie verändern? Wie sieht es mit den Finanzen aus? Wo findet man Hilfe? Welche Unterstützung steht der Frau zu? Wo findet man Geburtsvorbereitungskurse und mehr.

- Familienplanung und unerfüllter Kinderwunsch: Es wird zu allen Fragen rund um Sexualität und Familienplanung beraten. Unter anderem geht es darum, wann und ob Verhütung für Frauen und Männer in der eigenen Lebensphase wichtig ist. Sollen Kinderwünsche verwirklicht oder soll Schwangerschaft vermieden werden und mehr.

- Hilfe gibt es auch, wenn die Schwangerschaft nicht so verläuft, wie es sich die Frauen vorgestellt haben. Wenn sie ihr Kind durch Fehlgeburt, Totgeburt oder plötzlichen Kindstod verloren haben, Behinderung droht oder sie sich zur Adoption entschlossen haben - und mehr.

- Sexualpädagogische Angebote

www.do-diakonie.de/beratung-schwangerschaftsberatung

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