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Beruflicher Neustart mit 50plus

Beruflicher Neustart mit 50plus

Mit dem Programm "Perspektive 50plus - Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen" will das Bundesministe­rium für Arbeit und Soziales allein im Jahr 2011 deutschlandweit rund 200 000 ältere Langzeitarbeitslose aktivieren.

Altenburg.

 

 

 

 

 

 

 

Ingrid Meineck-Schmiedl: Im Altenburger Land sind derzeit 5907 Menschen ohne Beschäftigung. 39,8 Prozent von ihnen sind älter als 50 Jahre, 23,8 Prozent sind zwischen 55 und 65 Jahre alt.

Warum wird dieser Altersgruppe ein besonderes Programm gewidmet?

Ingrid Meineck-Schmiedl: Die demografische Entwicklung und der Fachkräftemangel sind seit Jahren Themen, auf die wir verstärkt mit intensiver Arbeitsmarktberatung und dem Einsatz von arbeitsmarktpolitischen Instrumenten reagieren. Inzwischen sind wir allerdings an einem Punkt angelangt, an dem es den Unternehmen nicht mehr gelingt, ihren Fachkräftebedarf allein über die Ausbildung junger Menschen abzudecken. Es gibt mehr Lehrstellen als Bewerber um eine Ausbildung. Daher ist das große Potenzial, das sich in der Altersgruppe 50plus verbirgt, im Fokus unserer Geschäftspolitik. Ich freue mich, dass sich der Arbeitsmarkt so entwickelt, denn die über 50-Jährigen sind ein Schatz für die Unternehmen. Sie sind zuverlässig, verfügen über eine große Lebenserfahrung. Arbeiten ältere und junge Menschen zusammen, kommt es zu einem sehr wertvollen, generationsübergreifenden Erfahrungsaustausch.

Es ist noch gar nicht lange her, da galt man mit 40 schon als "schwer vermittelbar". Sind die Leute im "besten Alter" jetzt wieder gefragte Fachkräfte?

Ingrid Meineck-Schmiedl: Auf jeden Fall. Denn schaut man auf das Verhältnis zwischen älteren und jüngeren Arbeitnehmern - im Altenburger Land kommen auf 100 "Alte" nur etwa 20 Junge - wird klar, welche Abgänge an Arbeitskräften in den nächsten Jahren zu erwarten sind und wie groß der Ersatzbedarf der Unternehmen sein wird. Natürlich spielt auch die wirtschaftliche Entwicklung eine große Rolle. Wenn wir uns an das Jahr 1998 erinnern: Damals lag die Arbeitslosenquote über 24 Prozent, da gab es für kaum eine Altersgruppe Angebote. Heute haben wir die Zahl der Arbeitslosen mehr als halbiert, liegen bei 11,7 Prozent. Die Rahmenbedingungen dafür, eine Arbeit zu finden, haben sich enorm verbessert. Die Nachfrage nach Fachkräften ist gestiegen. Es gibt inzwischen viele freie Stellen.

Trotzdem gibt es im Altenburger Land derzeit auch 2350 Arbeitslose im Alter zwischen 50 und 65 Jahren. Wie versuchen Sie, diese zu vermitteln?

Ingrid Meineck-Schmiedl: Es gibt traditionelle arbeitsmarktpolitische Instru­mente wie den Eingliederungszuschuss für Ältere, bei dem die Agentur für Arbeit in der Regel für ein Jahr 50 Prozent der Lohnkosten übernimmt. Auch betriebliche Trainingsmaßnahmen bieten wir seit Jahren an. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit der gezielten Qualifizierung älterer, gering qualifizierter Arbeitnehmer im Betrieb. Dabei geht es darum, sie für die Unternehmen attraktiver zu machen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden.

Heike Praetz: Zudem haben wir seit 2009 die Möglichkeit, im Rahmen des Programmes "Perspektive 50plus" zusätzliche Mittel für die Integration älterer Arbeitnehmer auf dem ersten Arbeitsmarkt einzusetzen. In der Agentur Altenburg widmen sich zusätzlich vier Arbeitsvermittler allein dieser Aufgabe.

Welche Zuschüsse gibt es?

Heike Praetz: Arbeitgeber werden für ihr Engagement, Wege in eine altersgerechte Arbeitswelt zu ebnen und ältere Arbeitnehmer einzustellen, mit Prämien belohnt. Die Arbeitnehmer wiederum können eine einmalige Starthilfe von bis zu 600 Euro erhalten, mit der sie die Zeit bis zum ersten Lohn überbrücken können. Es besteht auch die Möglichkeit, davon Berufsbekleidung oder ähnliches zu erwerben.

Seit September 2009 gehört die Agentur Altenburg zum Ostthüringer Beschäftigungspakt "COOP". Konnten Sie Erfolge verzeichnen?

Heike Praetz: Wir konnten im Rahmen des Sonderprogramms zusätzlich 150 ältere Arbeitslose in Arbeit vermitteln.

Wie werden Ältere für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht?

Heike Praetz: Es gibt unterschiedliche Modelle, die dem Alter und Wesen des jeweiligen Menschen angepasst werden. Wir bauen auf erlernten Berufen oder Tätigkeiten auf und qualifizieren über Anpassungsfortbildungen für die Arbeit in den Unternehmen. Derzeit sind 44 Ältere in der beruflichen Weiterbildung. Ihre Chancen, nach dem Praktikum von den Unternehmen übernommen zu werden, sind sehr gut.

Was haben Sie im Altenburger Land mit den jungen "Alten" noch vor?

Ingrid Meineck-Schmiedl: Die Vermittlung der 50- bis 65-Jährigen wird auch in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt unserer Arbeit bleiben. Wir werden sie gezielt für die Branchen fit machen, in denen Fachkräfte gesucht werden. Das sind gewerblich-technische Bereiche wie die Metall- und Kunststoffindustrie, Lager und Logistik, aber auch Lebensmittelindustrie und Handel. Wir werden unsere Anstrengungen weiter verstärken und in regionalen Netzwerken gemeinsam mit den Unternehmen unter anderem daran arbeiten, die älteren Arbeitslosen wieder mobiler zu machen. Interview: Kathrin Gerlach

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