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Bestsellerautorin Nina Georg: „Altenburg ist für mich ein Zuhause in der Fremde“

Im Gespräch Bestsellerautorin Nina Georg: „Altenburg ist für mich ein Zuhause in der Fremde“

Nina George, 42, ist Spiegelbestseller-Autorin, Journalistin, Feministin und kämpft für Autorenrechte. Ihr letztes Buch „Das Lavendelzimmer“ erreichte ein Millionenpublikum und wurde in 32 Sprachen übersetzt. Derzeit ist sie mit ihrem Roman „Das Traumbuch“ auf Lesereise. Am Mittwoch wurde sie von den Altenburger Lesern in der Schnupphase’schen Buchhandlung frenetisch gefeiert.

Ein volles Haus und interessierte Zuhörer: Die Autorin Nina George las aus „Das Traumbuch“ in der Schnuphase’schen Buchhandlung.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Wie hat Ihnen Altenburg gefallen?

Es war ein tolles Publikum. Altenburg ist für mich ein Zuhause in der Fremde. Ich würde gerne wiederkommen.

Sie nehmen gängige Geschlechterrollen aufs Korn, auch im neuen Roman?

Das Buch ist frei von Genderfragen. Der Kriegsreporter Henry redet viel über Angst, nicht mehr atmen zu können. Er will ein Zuhause finden und hat Angst vor Nähe, ist nicht gefühlskalt, wie der angeblich typische Mann.

Warum der Titel „Das Traumbuch“?

Weil ich immer wieder die Realität infrage stelle, darum geht es in dem Buch.

Können uns falsche Entscheidungen glücklich machen?

Unbedingt. Ich hatte einmal einen Partner, der nicht mehr mit mir schlief, weil er mich zu dick fand. Anstatt ihn in die Wüste zu schicken, habe ich eine falsche Entscheidung getroffen, bin bei ihm geblieben und zum Fitness gegangen, um abzunehmen. Dort habe ich meinen Mann kennengelernt, der mich auch mit Größe 38 genauso liebt, wie mit Größe 42.

Verarbeiten Sie mit dem Werk auch den Tod ihres Vaters?

Ich hatte immer Angst vor dem Tod. Dann ist vor fünf Jahren mein Papa gestorben und ich bin zusammengebrochen. Ich habe den Tod jetzt ausführlich abgehandelt. Jetzt widme ich mich dem Leben.

In Ihrem Buch geht es darum, Ängste zu überwinden. Welche Ängste haben Sie überwunden?

Ich überwinde jeden Tag meine Ängste. Ich habe ohne Ende Angst, lasse mich davon aber nicht beeindrucken. Ich hatte Angst vor meiner Hochzeit oder im Parlament in Brüssel zu sprechen. Ich habe auch Lampenfieber, weiß aber, die Bühne ist ein geschützter Raum, dort bin ich frei, da darf ich alles. Niemand ist gezwungen, zu meinen Lesungen zu kommen, das hilft.

Was sind die wichtigen Fragen im Leben?

Hatte ich genügend Spaß und Sex? Habe ich denen gesagt, die ich begehre, dass ich das tue? Habe ich gegen die, gegen die ich aufbegehren muss, aufbegehrt? Habe ich wirklich gelebt?

Was verbinden Sie mit Ihrer Lieblingsfigur aus dem Roman – dem 13-jährigen Sam?

Er ist Sinnästhetiker wie ich – Zahlen sind bei mir gelb, blau, grün, Menschen sehe ich als Landschaften. Zudem wissen Teenager oft, wie sie leben möchten. Ich bin immer noch ein Teenager mit der Erfahrung einer 42-jährigen Frau. Das hat ungemeine Vorteile.

Fällt dadurch das Schreiben leichter? Oder bereitet der Erwartungsdruck Probleme?

Nein, ich finde Schreiben extrem schwierig. Ich liebe es, geschrieben zu haben, nachzudenken, zu leben. Jedoch Ideen in meinem Kopf in eine Geschichte zu gießen, ist keine Freude. Mit dem Alter fällt es zunehmend schwerer, weil mein Wissen und mein Anspruch wächst. Vom Erwartungsdruck habe ich mich befreit. Mein letztes Buch habe ich in die Tonne getreten – im Moment des Scheiterns muss man eine coole Sau sein und sich vom Druck freimachen.

Schreiben Sie bereits am nächsten Buch?

Ja. Es wird 2018 im Sommer erscheinen und „Sommer“ heißen. Es geht um eine Frau, die sich mit Mitte 40 fragt, ob sie das geworden ist, was sie hätte sein können.

Fragen Sie sich das auch?

Nein, denn ich bin ziemlich genau das geworden, was ich werden wollte. Der Weg zur Schriftstellerin war aber nicht leicht. Die Qualität meiner Texte wurde in meinem Scheitern geboren, in meinem Tal, meiner Trauer und in meiner Selbstmordlust. Bevor ich „Das Lavendelzimmer“ geschrieben habe, war ich Schmerzpatientin und kurz davor, mich umzubringen.

Wie wichtig sind Ihnen Rückzugsorte?

Ich brauche unbedingt Rückzugsorte, wo ich drei Monate am Stück ungestört einen Roman schreiben kann. Die Bretagne entspricht meiner Seelenlage – sie ist rau, lebendig, nicht idyllisch.

Sie engagieren sich politisch für...?

Ich bin Autorenrechtlerin, Urheberrechtsaktivistin, ich kämpfe für die Rechte jedes Autoren, ich engagiere mich gegen Onlinepiraterie sowie für die Überarbeitung des aktuellen Entwurfs zum Urhebervertragsrecht.

Das Lavendelzimmer soll bald in Hollywood verfilmt werden. Wollen sie auch am Drehbuch mitarbeiten?

Ich werde nicht das Drehbuch schreiben, denn das kann ich nicht. Der Film ist ein eigenes Genre. Das Filmemachen überlasse ich denen, die wissen , wie das geht. Es gibt eine alte Regel in Hollywood: „Get it on Screen“. Das heißt, keine Einmischung. Vielleicht darf ich aber das Set besuchen. Geplant ist, an Originalschauplätzen zu drehen. Selbst wenn Autoren am Set nur stören. Drehbeginn wird spätestens in zwei Jahren sein. Die Unterschrift unter dem Vertrag ist aber noch nicht trocken, ich habe nur „ja“ zu dem Angebot von Fox International gesagt.

Wie aktiv sind Sie noch als Journalistin?

Ich habe noch zwei Jobs, die ich jede Woche mache. Dafür mache ich den Tag zur Nacht und arbeite ununterbrochen. Am Wochenende erst habe ich für „TV Movie“ und „Frau um Trend“ gearbeitet und dazu Leserbriefe in verschiedenen Sprachen beantwortet. Man sieht nicht, was ich noch alles nebenbei mache.

 

Von Oliver Becker

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