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Altenburg Besucheransturm zur Bauhaus-Eröffnung im Lindenau-Museum
Region Altenburg Besucheransturm zur Bauhaus-Eröffnung im Lindenau-Museum
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17:34 25.02.2019
Großer Andrang herrschte zur Eröffnung der Bauhaus-Ausstellung im Altenburger Lindenau-Museum. Quelle: Ellen Paul
Altenburg

Sämtliche Stühle, Klappstühle, auch die kleinen blauen für die Kinder, und alle herbeigeschafften großen Pappwürfel – nichts reichte am Sonntagnachmittag, um allen Besuchern im Lindenau-Museum einen Sitzplatz zu bieten.

Eingerechnet alle derer, die stehen mussten, dürften es schätzungsweise wohl um die 350 Interessenten gewesen sein, die sich die Eröffnung der Ausstellung „Bauhaus – Grafische Meisterwerke von Klee bis Kandinsky“ nicht entgehen ließen. Möglicherweise ein Vernissage-Rekord, so genau wollte sich aber niemand festlegen. Auf jeden Fall aber eine Kulisse, die jeden der insgesamt vier Redner zu ungeplanten Eingangsstatements verleitete. „Ich bin beeindruckt“, gestand beispielsweise der Landrat des Altenburger Landes, Uwe Melzer (CDU). Und der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee setzte noch einen drauf: „Das Museum platzt ja aus allen Nähten. Unglaublich!“, befand der SPD-Politiker.

Großes überregionales Interesse

Die Gründe für diesen so ungewöhnlichen wie bislang vielleicht sogar einmaligen Ansturm dürften sowohl im Zeitpunkt, den Kunstwerken selbst als auch der Rednerliste liegen. Denn erstens bietet das Altenburger Lindenau-Museum mit der neuen Exposition den Prolog für sämtliche Jubiläumsveranstaltungen im Rahmen von „100 Jahre Bauhaus. Zweitens ließ der Ausstellungsgegenstand schon im Vorfeld, vor allem durch das mediale überregionale Interesse, den sonst üblichen Rahmen sprengen.

Gezeigt werden unter dem Titel „Neue Europäische Graphik“ rund 80 Druckgrafiken, die von der künstlerischen Avantgarde Europas – aufgerufen von Walter Gropius und Lyonel Feininger – nach dem Ersten Weltkrieg gefertigt und 1924 in Mappen zusammengefasst wurden. Das Lindenau-Museum ist eines der wenigen Museen, das im Besitz aller vier edierten Mappen ist. Jetzt wird dieser Schatz aus der Grafischen Sammlung des Hauses erstmals in seiner Gesamtheit der Öffentlichkeit präsentiert. Ein Schatz, mit dem es – drittens – gelang, neben dem Minister auch den Präsidenten der Klassik-Stiftung Weimar, Hellmut Seemann, als Redner zu verpflichten.

Seemann: „Lasse Sie sich niemals einreden, die Provinz sei provinziell“

Obwohl ein Ressortleiter für Wirtschaft nicht unbedingt zu solch einem Anlass passt, so war Tiefensee als Vertreter des verhinderten Kulturministers dennoch kein beliebiger Ersatz. Denn der 64-Jährige ist ebenso wie Seemann Bauhaus-Botschafter. Mit diesem Prolog, so der Minister, sei der Scheinwerfer im Rahmen des Jubiläums auf Altenburg gerichtet. „Es ist etwas Einzigartiges, eine Rarität, die wir hier zu sehen bekommen.“ Entsprechend groß sollte der Besucheransturm für diese Ausstellung aus ganz Deutschland und dem Ausland sein, denn das Interesse am Bauhaus-Jubiläum sei immens.

Das bestätigte auch Hellmut Seemann, der wohl ein wenig sein Herz an die Residenzstadt verloren hat. Denn in schöner Regelmäßigkeit komme er selbst und habe oft genug Gäste im Schlepptau, die immer aufs Neue verblüfft seien, womit Altenburg auf dem Gebiet von Kunst, Kultur und Architektur aufwartet. „Doch heute bin ich da, um mich selbst zu bilden. Denn was man hier zu sehen bekommt, hat Weimar nicht zu bieten. Lassen Sie sich also niemals einreden, die Provinz sei provinziell. Das ist dummes Hauptstadt-Gerede“, appellierte er an die Skatstädter. Auch 1919 zur Bauhaus-Gründung sei Thüringen Provinz gewesen, trotzdem aber eine der modernsten und weltoffensten Regionen Deutschlands. Das neue Bauhaus-Museum in Weimar, dessen Eröffnung am 5. April bevorsteht, werde dies eindrucksvoll beweisen.

Tiefensee: Förderung ist deutliches Signal

Doch nicht nur um die schönen Künste ging es in den Reden. „Ein Onkel, der Geschenke mitbringt, ist lieber gesehen als die Tante, die Klavier spielt“, scherzte Wolfgang Tiefensee. Und so machte er nicht nur auf die 54 000 Euro, mit denen das Land diese Ausstellung unterstützt, sondern vor allem auf die insgesamt 48 Millionen Euro aufmerksam, die in den nächsten Jahren von Bund und Land für die Sanierung und Erweiterung des Lindenau-Museums zur Verfügung gestellt werden. Das sei ein deutliches Signal und eine große Verantwortung, ab der für den 1. April 2023 geplanten Wiedereröffnung als einer der vier Leuchttürme in Thüringen zu fungieren.

Krischke: Grandiose Stadt mit einzigartiger Ausstellung

Landrat Melzer bekannte, dass es noch nicht gelungen sei, genügend Aufmerksamkeit auf die Kulturlandschaft in Ostthüringen zu richten. „Wenn der Leuchtturm an der Blauen Flut endlich erstrahlt, wird das Thüringer Kulturalphabet endlich mit A wie Altenburg beginnen“, hofft er. Das sieht Museumsdirektor Roland Krischke ebenso, der zwar die Tiefensee-Einschätzung von der „grandiosen Stadt mit einer einzigartigen Ausstellung“ gern hörte, aber zugleich einräumte, „dass das Ausmaß der Schätze unserer grafischen Sammlung noch zu wenig bekannt ist“. Dass ausgerechnet in der Nacht vor der Vernissage hinter dem Museum ein Papiercontainer angezündet wurde, verdeutliche dies. „Die Leute haben offenbar überhaupt keine Ahnung, was sie hier anrichten können. Das zeigt aber auch unsere Versäumnisse auf.“

Andere allerdings wissen die Arbeit des Museums und die Einzigartigkeit der aktuellen Ausstellung sehr wohl zu schätzen. Dazu zählen unter anderem die Sparkasse Altenburger Land und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, ohne deren finanzielle Unterstützung die Audioführungen, das umfangreiche Rahmenprogramm, die Bauhaus-Werkstätten für Kinder und der Katalog nicht möglich gewesen wären, so Krischke.

Die Ausstellung ist bis zum 19. Mai zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen. Der Katalog ist dort zum Preis von 29 Euro (in anderen Museen 38 Euro) erhältlich. Weitere Informationen unter www.lindenau-museum.de.

Von Ellen Paul

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