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"Bettelbriefe" für Sozialküche

"Bettelbriefe" für Sozialküche

Vor rund einem Vierteljahr öffnete die Sozialküche Zur Heiste im neuen Domizil an der Friedrich-Ebert-Straße. Die zentralere Lage fast mitten in der Stadt hat sich ausgezahlt.

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Guten Appetit: Ronny Rettig gibt in der Heiste die Mahlzeiten an seine Gäste aus.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Von Jörg Wolf

Römerbraten mit Zwiebelsoße und Wirsinggemüse stehen an diesem trüben Wintertag auf dem Speiseplan. Schon lange bevor die erste Portion über den Tresen geht, ist die Sozialküche gut besucht. "Für viele Bedürftige ist sie wie eine zweite Heimat geworden", sagt Brigitte Schulze, die Heiste-Projektleiterin beim Trägerverein Ostthüringer Neue Arbeit.

Schon am Vormittag kommen die Menschen in den rustikal eingerichteten Gastraum, um miteinander zu reden, Karten zu spielen oder Zeitung zu lesen. Denn etliche haben sonst kaum einen Ort, an dem sie ohne jegliche Vorbehalte willkommen sind. Aufgrund der guten Resonanz wurde erst kürzlich ein richtiger Bürgertreff in der Heiste installiert, der viermal die Woche nachmittags geöffnet ist und wo sich auch Kinder unter fachkundiger Anleitung treffen können.

"Jeden Tag werden in der Sozialküche um die 100 Portionen warmes Essen ausgegeben", sagt Adelheid Schatz, Geschäftsführerin der Neuen Arbeit. Und nicht nur in dem Altenburger Gewerbepark. "Essentouren für bedürftige Menschen gehen auch zum Nordplatz und in die Brüderkirche in Altenburg, nach Rositz, Meuselwitz und Schmölln", zählt sie auf.

Schatz zieht die beachtliche Statistik des Vorjahres aus einem Aktenordner: 21 250 Essenportionen verließen die Küche. Hinzu kommen 24 738 gesunde Frühstücke, die an Altenburger Schulen geliefert wurden.

"Außerdem betreiben wir in der Friedrich-Ebert-Straße unseren Tafelladen, den täglich bis zu 40 Bedürftige aufsuchen. Sozialläden, in denen beispielsweise Möbel und anderer Hausrat für sozial Schwache angeboten werden, betreiben wir in Altenburg, Schmölln und Lucka", zählt Adelheid Schatz auf.

Hinzu kommt das Projekt Tafelgärten, in dem auch dieses Jahr ab März 85 Langzeitarbeitslose unter der Regie der Neuen Arbeit und der beteiligten Gartensparten ungenutzte Parzellen mit Obst und Gemüse bestellen werden. Die Ernten gehen als Zutaten in die Sozialküche und den Tafelladen.

"Ohne diese Lebensmittel würde es gar nicht gehen", meint Schatz. Es bleibt trotzdem in jedem Monat eine immense Herausforderung für den Verein, alle Offerten weiter am Leben zu erhalten. Immerhin sind in den diversen Projekten bis zu 200 Menschen über die unterschiedlichsten Beschäftigungsmodelle in Arbeit. "Natürlich fließen dafür und auch für Sachkosten Zuschüsse, beispielsweise von der Agentur für Arbeit", sagt Adelheid Schatz.

Doch eben nur teilweise. "Ungefähr 40 Prozent aller anfallenden Kosten muss der Verein aus eigener Kraft aufbringen", unterstreicht die Geschäftsführerin. Und der Betrag, der bei dem Verein jeden Monat für die komplette Kostendeckung fällig wird, ist üppig: rund 70 000 Euro. "Es ist jeden Monat ein richtiger Kampf, um unsere 40 Prozent, sprich 28 000 Euro, zu erwirtschaften", so Schatz. Denn auf der Hand liege, dass die erzielten Einnahmen diesen Betrag nie decken. "Wir sind immer auf Sponsoren angewiesen", sagt Adelheid Schatz, die deshalb auch in schöner Regelmäßigkeit Bettelbriefe schreibt, wie sie die Bittschriften selber bezeichnet.

Erst kürzlich ging wieder Post an politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger der Region. Insgesamt um die zwei Dutzend. Die Resonanz sei ernüchternd gewesen. Gerade eine Antwort kam, und die war auch nur ausweichend. Mit Bangen schauen Adelheid Schatz und auch Brigitte Schulze dem Tag entgegen, an dem das immer mühsamer zu sammelnde und spärlicher fließende Spendengeld nicht mehr ausreicht. Dann müssten zwangsläufig die Angebote reduziert werden. "Denn verwaltungstechnisch haben wir personell schon ungemein abgebaut, um Lohnkosten zu sparen", meint Brigitte Schulze. Vor einigen Jahren leiteten noch 30 Mitarbeiter die verschiedenen Projekte hauptamtlich. Heute sind es gerade noch neun.

Wenn Projekte aus Finanzmangel eingestellt werden müssten, blieben letztendlich aber immer noch die Menschen, die davon profitierten und dann mit leeren Händen dastehen würden.

 

-Standpunkt Seite 13

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