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Bewohner und Bürgermeister sauer: Entschädigung für Hausabrisse stockt

Sanierung Schelditz Bewohner und Bürgermeister sauer: Entschädigung für Hausabrisse stockt

Seit der Ankündigung vor über einem Jahr warten Besitzer von grundwasserverseuchten Häusern in Schelditz auf eine Entschädigung. Bürgermeister Steffen Stange fordert die Landesregierung nun auf, zu ihren Zusagen zu stehen. Zudem kritisiert er den Umgang mit den Betroffenen. In den nächsten Tagen soll nun eine Versuchsanlage starten.

Besitzer der vom Abriss bedrohten Häuser in Schelditz warten seit über einem Jahr auf eine Entschädigung.

Quelle: Jens Rosenkranz

Rositz. „Eine Katastrophe, das nervt total, wir wissen nicht, wie es weitergeht.“ Jürgen Dobmeier ist sauer. So wie ihm geht es auch anderen Bewohnern der Talstraße im Rositzer Ortsteil Schelditz – in jenen sechs Häusern, die wegen der Grundwasserverseuchung abgerissen und ihre Besitzer dafür entschädigt werden sollen. Diese Lösung war auf einer Einwohnerversammlung im Januar 2015 verkündet worden, heute auf den Tag genau vor 13 Monaten. Wann das Geld kommt und wieviel, wissen die Bewohner aber noch immer nicht. Zwei Familien sind mittlerweile ausgezogen, ohne auf finanzielle Entschädigung zurückgreifen zu können. Eine weitere will woanders neu bauen und harrt aus.

Auch der Rositzer Bürgermeister Steffen Stange (parteilos) ist darüber sehr enttäuscht und betroffen, dass man mit der Entschädigung für die Eigentümer seit Januar 2016 keinen Schritt weiter gekommen ist. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) hatte Einzelgespräche mit den betroffenen Eigentümern angekündigt, die noch im Januar 2016 durchgeführt wurden und schon sehr konkret ins Detail gingen, zeigte sich Stange in einer Presseerklärung ziemlich ungehalten. Denn bis heute habe sich hinsichtlich der Entschädigungen nichts getan. „So kann man doch nicht mit Menschen umgehen.“ Der psychische Druck durch das Zurücklassen der Wohnhäuser und die damit verbundenen finanziellen Ängste „sind für die Bürger erdrückend“, erklärt der Bürgermeister. Die Menschen müssten schließlich ohne eigenes Verschulden ihre Heimat aufgeben.

Stange macht ebenso auf die wirtschaftlichen Probleme der Rositzer Wohnbaugesellschaft aufmerksam, deren Wohnblock an der Straße der Chemiearbeiter 2 bis 8 komplett leergezogen wurde. Stange fordert das Umweltministerium auf, umgehend zu handeln und zu seinen Zusagen zu stehen.

Anlass für diese Erklärung ist auch der Ausgang eines Treffens von Vertretern der Gemeinde und der Bürgerinitiative Schelditz am 30. November mit Umweltstaatssekretär Olaf Möller (Grüne) in Erfurt. Am Tag darauf verkündete Möller, dass die Beseitigung von Umweltaltlasten in Schelditz finanziell bis 2022 abgesichert sei. Teilnehmer der Runde konnten eine solche Euphorie freilich nicht teilen. Sie hatten eher den Eindruck, dass sich die Sanierung verzögert und klare Terminzusagen fehlen.

Zumindest einen Lichtblick gibt es: In den nächsten Tagen soll eine Versuchsanlage südlich des leeren Wohnblocks in Betrieb gehen, mit der die geplante Grundwasserreinigung getestet wird. Ein solches Biovertikal-Filtersystem war bereits in der Alten Raffinerie in Leuna zum Einsatz gekommen. Eine Rositzer Delegation hatte sich davon bei einem Besuch im August 2016 überzeugt. Durch die bereits aufgebaute Versuchsstation soll nun nachgewiesen werden, ob sich diese Filteranlage auch für Schelditz eignet. Neben diesem Reinigungssystem soll außerdem die Talstraße angehoben, der Gerstenbach sowie Schmutz- und Regenwasserkanäle neu verlegt werden. Die Kosten werden auf zehn Millionen Euro geschätzt. Anfang 2016 erklärte Siegesmund, dass mit den Arbeiten 2018 begonnen wird.

Von Jens Rosenkranz

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