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Altenburg „Biedermann und die Brandstifter“ feiert Premiere in Altenburg
Region Altenburg „Biedermann und die Brandstifter“ feiert Premiere in Altenburg
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00:29 01.03.2018
Biedermann trifft brandgefährlich: Bruno Beeke (m.) gibt die Titelrolle, Thorsten Dara und Maximilian Popp die Brandstifter Schmitz und Eisenring (v.l.). Quelle: Foto: Rebecca Sparkes
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Altenburg

Mit der Premiere „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch am Sonntag im Heizhaus des Landestheaters ist nach Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ ein zweites Stück von Rang auf dem Plan der Schauspiel-Saison 2017/18. Es gehört seit seiner Uraufführung 1958 zum Dramen-Kanon der deutschen Literatur.

Angeregtes Mitdenken

Frisch gab seinem Stück den Untertitel „Lehrstück ohne Lehre“. Es ist die tragikomische Parabel vom Biedermann, der glaubt – allen Warnungen zum Trotz – seine Existenz retten zu können, wenn er sich den allgemeingefährlichen Brandstiftern anbiedert. Er ist der Zeitgenosse, der immer wieder in der Geschichte so gefährlich für die Menschengemeinschaft war und ist.

Lehrstück ohne Lehre ist schon fast eine ironische Kategorisierung von Frisch – aber doch richtig, denn sein Stück ist ganz und gar nicht didaktisch und lässt immer wieder aktualisierende Deutungen zu. Es hält den Zuschauer stets an, mitzudenken und sein eigenes Handeln so auch indirekt zu überprüfen.Weltbrände gab es noch und noch und sie lodern weiter hier und dort. Oft sind die Vernichtungen ganz geräuschlos und ohne Feuerschein – Grund genug das Stück aufzuführen.

Tattoos als Chiffren

Die Regisseurin Angelika Zacek wollte Lektion erteilen und nicht eine Lehre fehlen lassen. Die Akteure traten an zum Spiel und chiffrierten sich zu Beginn mit Tätowierungen. Die Brandstifter Schmitz (Thorsten Dara), Eisenring (Maximilian Popp) und Dr. phil. (Manuel Struffolino) markierten sich so als Lobbyist, Co-Chef einer hiesigen mächtigen Bank und als Whistleblower. Gottlieb Biedermann blieb bezeichnet Biedermann und seine Babette Babette – nur so wie Jedermann, Meier, Müller, Hinz und Kunz.

Biedermanns Hausangestellte Anna (Mechthild Scrobanita), keine deutsche Muttersprachlerin, kennzeichnete sich als Migrantin. Der Chor der Seher (Mitglieder der Mitspiel-Akademie), die „Feuerwehr der Stadt“ bei Frisch, war anfangs ein kleiner Trupp von Greenpeace, dann als Lobbycontrol ausgewiesen, später von der Occupy-Bewegung und schließlich in größerer Schar sehr unterschiedlich von Herkunft und Interessen und doch fordernd vereint.

Unabweisbare Brandstifter

So presst die Regie den Figuren eine sehr präzise Schablone auf und ergänzt den unangetasteten Text des Autors mit vielen eingeblendeten Aussagen zum Zustand der Welt. Es wird der Zuschauer wach gehalten in seiner Beobachtung von einem sehr metaphernreichen und burlesken Spiel und der nüchternsten Lektüre der gesellschaftlichen Analyse.

Biedermann hat ein Vermögen, will es in Ruhe genießen. Zeichenhaft für sein Haben häufen sich auf der Bühne prall gefüllte Säcke in großer Zahl. Als er einkaufen lässt, um für die unabweisbaren Brandstifter eine Party zu schmeißen, reißt er Banknoten-Bündel aus einem der Säcke.

Später, es ist die Katastrophe schon im Gange, findet er Ruß im Sack um sich einzuschmutzen und sich so dem Plebs gleich zu machen. Schließlich „ruht er sanft“ – rußschwarz, selbstgeschwärzt – als Brandopfer in den Kohlesäcken.

Tragikomödie mit Botschaft

Peter Lehmann unterstützt mit seinem Spielraum und Kostümen voll die Konzeption der Regie. Was aber anfänglich spannend macht, nutzt sich doch bald ab. Die Belehrung mindert eher den Genuss des Erkennens. Vielleicht bekommen die Akteure in den weiteren Begegnungen mit dem Publikum ein Gespür für ihre Wirkung, tarieren die zeitlichen Abläufe besser, kosten den Text mehr aus und vertrauen ihm.

Die Tragikomödie ohne Lehre hat schon ihre Botschaft. Die kurzfristige Emanzipation der Babette, die sich nicht den Mund verbieten lässt und bezeugt, dass ihr Gottlieb den Brandstiftern auch noch die Zündhölzchen zusteckt, macht die Wirkung des Stückes nicht reicher. Auch der Schluss mit der Aufforderung an das Publikum, in Interaktion mit den Darstellern zu treten, macht ihn nicht schlüssiger. Das interessierte Publikum im ausverkauften Heizhaus applaudierte heftig.

Von Helmut Pock

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