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Bienen in Not: Ehrenhainer verliert sieben Völker

Bienen in Not: Ehrenhainer verliert sieben Völker

So etwas hat der erfahrene Hobby-Imker Fritz Zehmisch noch nicht erlebt. Von den elf Bienenvölkern, die der 79-jährige Ehrenhainer letztes Jahr noch in seinem Garten zählte, haben nur vier den Winter gut überdauert und werden den Sommer überleben.

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Hobby-Imker Fritz Zehmisch hofft, wieder mehr Bienen über den Winter zu bringen.

Quelle: Oliver Becker

Altenburg/Ehrenhain. "Dieses Jahr hatte ich fast einen Totalverlust. Ein Volk besaß keine Königin mehr. Drei Völker werden sich nicht halten können, weil sie so wenige sind und sechs Wochen in der Entwicklung hinterherhinken. Bereits letztes Jahr sind drei Völker gestorben", erzählt Zehmisch, der seit 53 Jahren Bienen hält und eine Koryphäe unter Imkern ist. "Das ist wegen der Milbe", weiß der Fachmann.

 

In den vergangenen Jahren hatte der Rentner keine so großen Ausfälle und eine ausreichende Zahl an Völkern, von denen er viel Honig ernten konnte. Sein Ertrag für 2015 wird hingegen sehr bescheiden ausfallen. Der Bienenzüchter steht mit anderen Imkern aus der Region und aus ganz Thüringen in Kontakt. Bei ihnen sei die Situation ähnlich.

 

Varroa-Milbe auf dem Vormarsch

 

Frank Reichardt, Vorsitzender des Imker-Landesverbandes in Thüringer, bestätigt das ungewöhnlich große Bienensterben der letzten Zeit. "Unseren Schätzungen zufolge sind dieses Jahr in Thüringen und dem Altenburger Land 30 bis 40 Prozent der Bienenvölker gestorben. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem letzten Jahr. 2014 waren es noch rund 25 Prozent. Die Regel ist ein Verlust von 15 Prozent." Die Ursache sieht Reichardt in dem starken Befall der Bienen durch die Varroa-Milbe, die sich seit den 1980er-Jahren in Deutschland flächendeckend ausgebreitet hat. "Natürlich wirken sich auch andere Umwelteinflüsse wie Pflanzenschutzmittel, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, aus", weiß der Landeschef. Sie verkleben die Flügel der Stachel-Insekten und tragen zu einer Orientierungsstörung bei, so dass die Bienen nicht mehr ihren Stock finden. Das Entscheidende sei aber der starke Milbenbefall, betont Reichardt. Auch milde Winter, wie zuletzt, seien ein Problem. "Dann brüten die Bienenköniginnen durch. Die Milbe kann sich so halten, weil sie sich in der Brut einnistet. Dann ist der Milbenbefall größer und sorgt für einen höheren Verlust an Völkern. Schließlich verdoppelt sich die Milbenanzahl alle drei Wochen", erklärt der Verbandsvorsitzende. Bei einem kalten Winter legt die Bienenkönigin hingegen keine Eier, wird nicht gebrütet und kann sich die Milbe nicht vermehren.

 

Bienen nach strengem Winter vitaler

 

Die Bienen seien nach einem strengen Winter vitaler, weil der Milbenbefall geringer ist. Folglich würden weniger Völker sterben. Zudem wirkten viele der eingesetzten Mittel, mit denen die Bienen gegen die Milbe behandelt werden - wie Ameisen- und Oxalsäure - nicht bei nass-feuchtem Wetter, wie es letzten Winter der Fall war.

 

Für Matthias Thurau, Fachdienstleiter des Veterinäramts Altenburg, sind zudem milde Winter in Kombination mit einem Kälteeinbruch, wie dieses Jahr im März, problematisch. "Dann reißt die Wintertraube auf, zieht sich bei Kälte zwar wieder zusammen, aber an einem anderen Platz, wo die Bienen nicht ausreichend Futter haben und eingehen." Ein Totalausfall wie bei Imker Zehmisch, sei aber eher selten zu beobachten.

 

Waldemar Beutler, Vorsitzender des Bienenzüchtervereins Altenburg 1853, versteht die ganze Aufregung nicht. Zehmisch sei in seinem Verein der einzige in diesem Jahr mit einem solchen Verlust. Im Durchschnitt hätten die Altenburger Imker maximal zehn Prozent ihrer Völker eingebüßt, was im Rahmen liege, spricht Beutler gegen den Trend.

 

Landesverband setzt auf Schulungen

 

Positiv ist laut Landesverband, dass die Zahl der Imker in Thüringen und dem Altenburger Land wieder leicht ansteigt. Reichardt: "Wir haben jetzt in Thüringen weit 500 mehr Imker als letztes Jahr. Ich vermute, dass diese Entwicklung mit der medialen Berichterstattung zum Bienensterben zusammenhängt und viele Leute zu Hobby-Imkern werden, um den Bienen zu helfen." Um der Milbe den Garaus zu machen, will der Landesverband künftig verstärkt Schulungen für die Imker anbieten, wie man den Milbenbefall effektiver bekämpfen kann. Dazu wird empfohlen, bei den Ablegern im Sommer die Brut herausnehmen und das Volk zu behandeln. Dieses muss dann eine neue Königin herausbilden. Die neue Brut ist laut Reichardt dann weniger stark befallen.

 

Hobby-Imker Zehmisch könnte so wieder mehr Bienen über den Winter bringen und sich über einen größeren Honigertrag freuen.

Oliver Becker

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