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Bierprüfen – keine bierernste Angelegenheit

Altenburger Altstadtfest Bierprüfen – keine bierernste Angelegenheit

Das Altstadtfest war kurz nach der Wende gerade erst als neues großes Altenburger Volksfest aus der Taufe gehoben, da nannte es schon eine ganz besondere Attraktion sein eigen: das Bierprüfen. Ein überaus lustiges Spektakel mit trinkfesten Protagonisten. Am Sonntag zum diesjährigen Altstadtfest soll es nach langer Pause noch einmal über die Bühne gehen.

Vielen Altenburgern noch in guter Erinnerung – Bierprüfer Bernd Wolf (vorn links), hier eine undatierte Aufnahme Mitte oder Ende der 90er-Jahre. Der Schauspieler machte aus der alljährlichen Aktion eine große Gaudi.

Quelle: Stadtverwaltung

Altenburg. Das Altstadtfest war kurz nach der Wende gerade erst als neues großes Altenburger Volksfest aus der Taufe gehoben, da nannte es schon eine ganz besondere Attraktion sein eigen: das Bierprüfen. Ein überaus lustiges Spektakel, das ob seiner trinkfesten Protagonisten alljährlich die Besucher in Scharen anzog. Viele Altenburger dürften sich noch mit Freude an den Riesenspaß erinnern. Am Sonntag zum diesjährigen Altstadtfest soll es nach langer Pause noch einmal über die Bühne gehen (die OVZ berichtete). Der Grund sind zwei Jubiläen: 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot und 145 Jahre Altenburger Brauerei.

„Das war für uns der Anlass, die alte Tradition noch einmal aufleben zu lassen“, erläutert die Leiterin des Kulturmanagements und Cheforganisatorin des Festes, Susanne Stützner. Sie war es übrigens selbst, die Anfang der 90er-Jahre, damals als Mitarbeiterin des Kulturamts im Rathaus, die Geschichte ins Rollen brachte.

„Wie auch heute noch, waren wir immer auf der Suche nach einem stadtgeschichtlichen Ereignis, an das auf dem Altstadtfest erinnert werden sollte“, so Stützner. Historiker Hans Joachim Kessler hatte ihr irgendwann erzählt, dass es in Altenburg ab 1256 bis 1600 ein solches Bierprüfen gab. „Es ist historisch verbrieft, dass damals viele Altenburger privat Bier brauten. Ein Angestellter des Rates hatte die Aufgabe, das innerhalb der Stadtmauern gebraute Bier zu prüfen und danach die Schankerlaubnis zu erteilen oder eben nicht“, weiß Susanne Stützner. Sie ermunterte den Historiker, ein Stück über das Bierprüfen zu schreiben, das 1993 zum Altstadtfest zum ersten Mal gezeigt wurde.

Es gab damals viele Bierbrauer – von Hasseröder über Köstritzer und Radeberger bis Wernesgrüner –, die zum Fest ihren Gerstensaft ausschenkten und bereit waren, ihn prüfen zu lassen. Opernsänger Willem Laakmann übernahm das Amt. Als er das Landestheater zwei Jahre später verließ, fand man 1995 in seinem Kollegen vom Schauspiel, Bernd Wolf, einen kongenialen neuen Bierprüfer.

Es war regelmäßig eine Riesengaudi, wenn er mit einigen trinkfesten Mitstreitern den Gerstensaft diverser Brauereien einer nicht allzu bierernsten Prüfung unterzog. Da wurde Stehvermögen verlangt. Denn traditionell mussten die Biergläser, meist ein halber Liter, in einem Zuge geleert werden. „Da kann einem bei sechs Anbietern schon mal etwas anders werden“, hatte der oberste Prüfmeister der OVZ mal verraten. Nur einmal, im Jahr 1997, gingen Bernd Wolf und sein Angießer beinahe mit durstigen Kehlen von der Bühne. Zwei Brauereien hatten gekniffen und die Wernesgrüner bot nur einen „Fingerhut“ voll zum Verkosten, hatte Wolf verschmitzt moniert.

1999 warteten die Festbesucher dann vergebens auf das Bierprüfen. Nach dem Tod von Bernd Wolf, der 1998 bei einem Autounfall ums Leben kam, verzichtete die Stadt auf das Ritual, um es dann ein Jahr später in neuer Form wieder aufleben zu lassen. Diesmal stand eine Brot-, Fleisch- und Bierprüfung auf dem Programm – mit Produkten einheimscher Bäckereien und Fleischereien sowie der hiesigen Brauerei. Was sich ebenfalls als Tradition etablieren sollte, war jedoch eine Eintagsfliege. Denn nur wenige Bäcker und Fleischer trauten sich mit ihren Produkten auf die Bühne. Im Jahr 2000 endete damit die Geschichte des Bierprüfens. Nun soll sie 16 Jahre später noch einmal aufleben.

Susanne Stützner konnte Hans Joachim Kessler erneut als Autoren gewinnen, und als Akteure wurden die Laiendarsteller der Altenburger Künstler- und Wenzelgarde unter der Leitung von Wolfgang Langner verpflichtet. Die Kostüme waren im Fundus von Schloss, der vor allem seit den Prinzenraub-Festspielen gut bestückt ist, und Theater verfügbar. Wie das Prüfen diesmal ablaufen soll, wurde allerdings noch nicht verraten.

Natürlich ist auch der Schankkranz bestellt, der für das beste Bier verliehen wird. Und wer beim Zuschauen durstig werden sollte: Gleich nach dem Bierprüfen, das am morgigen Sonntag um 14 Uhr beginnt, wird gegen 14.30 Uhr das Festbier angestochen. Na dann, zum Wohl!

Von Ellen Paul

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