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Altenburg Bildungsminister präsentiert Paket gegen Stundenausfall und stößt auf Skepsis
Region Altenburg Bildungsminister präsentiert Paket gegen Stundenausfall und stößt auf Skepsis
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00:20 06.03.2018
Bildungsminister Helmut Holter (Linke) stellt am Donnerstag im Landratsamt vor Lehrern, Eltern und Kommunalpolitikern sein Paket gegen Lehrermangel vor. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Mit einem angenehmen sonoren Bass, rhetorisch brillant, sprach Helmut Holter (Linke) am Donnerstagabend zu Schulleitern, Lehrern, Politikern und Verwaltungsleuten im vollen Landschaftsaal des Landratsamtes. Trotz seines durchdachten Vortrags erntete der Bildungsminister dafür nur lauen, müden Applaus. Die Luckaer Bürgermeisterin Kathrin Backmann-Eichhorn (parteilos) wusste auch, warum. „Das, was Holter da ankündigt, haben wir schon vor sechs Jahren gehört. Aber geändert hat sich nichts.“

Lehrermangel und Stundenausfall, vor allem in den Fächern Mathe, Physik, Chemie, Sport und Musik und insbesondere in ländlichen Regionen will der Minister mit einem Paket entgegenwirken. Mehr Geld für Regelschullehrer rückwirkend zum 1. Januar 2018, eine unkomplizierte Nachqualifizierung von Seiteneinsteigern, einfacherer Wechsel von Gymnasiallehrern zu Regelschulen und ganzjährige Einstellungen statt nur zum jeweiligen Halbjahr. Holter kündigte außerdem den Aufbau einer Vertretungsreserve an, die zusätzlich mobil sein soll. Das heißt, dass solche Lehrer notfalls landesweit zum Einsatz kommen. Hinzu kommen Schulverbundmodelle, die derzeit im Raum Schmölln diskutiert werden.

Denn der strukturelle Lehrermangel in Thüringen werde durch rund 1080 langzeiterkrankte Kollegen verschärft und durch 260 Pädagogen, die sich in Mutterschutz oder Elternzeit befinden, erklärte Holter. Um die Lage zu entspannen, müssten Bürgermeister, Lehrer und Eltern kooperieren und sich am Ende zu Änderungen verabreden. „Wir schaffen das“, benutzte er schließlich eine seltsam bekannte Formel.

Wie skeptisch das die Betroffenen sehen, hatte Holter bei seinem Besuch des Schmöllner Gymnasiums am Vormittag erlebt. Da es dort einen Überhang im Kollegium gibt, müssen Lehrer an anderen Schulen unterrichten. Irgendwo eingesetzt und dort für irgendwelche Fächer verantwortlich gemacht zu werden, verunsichere die Kollegen, redete Kunstlehrer Jürgen Hillig Klartext. „Nicht wenige von uns fühlen sich inzwischen eher wie austauschbare Bildungssöldner statt wie Pädagogen, die mit ihren Schülern kontinuierlich arbeiten können.“

Kalter Wind blies dem Minister ebenso am Abend in der Arbeitsgruppe „Unterrichtsausfall“ entgegen. Man brauche sofort Hilfe, forderten Lehrer und Eltern, und nicht irgendwann. Dass Direktoren für zwei Schulen verantwortlich sind, wurde ebenso beklagt.

Eine von Holter angesprochene Veränderung könnte die Auflösung der Schulbezirke sein. So wie bei den Gymnasien im Altenburger Land, wo Eltern und Schüler frei wählen können, welche Einrichtung besucht wird und sich nicht an jene halten müssen, die der Einzugsbereich vorsieht. Holter will dies landesweit diskutieren lassen und tat dies in einer Arbeitsgruppe am Abend auch in Altenburg.

Auf den ersten Blick bietet dies Vorteile, vor allem für jene Familien, die entweder näher an den gewünschten statt den zugewiesenen Schulen wohnen oder dort arbeiten. Auch eine bessere Ausstattung mit Personal und Technik, ein originelles Lernkonzept oder eine bereits erfolgte Sanierung könnten Eltern animieren, dorthin zu wechseln.

Doch hier beginnen die Probleme, denn es würde ein Wettbewerb unter den Schulen entbrennen. Der aber sei nicht fair, meinten Gegner, denn die Ausstattung der Schulen sei nicht gleich. Am Ende würden den benachteiligten Schulen die Schüler fehlen, die anderen wären überfüllt, dort müsste gelost werden. Und eine Ausrichtung der Schulbezirke, um damit eine gleichmäßige Auslastung zu erreichen, sei ebenso nicht möglich.

Von Jens Rosenkranz

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