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Altenburg Bio-Kartoffeln verschwinden von Feldern im Altenburger Land
Region Altenburg Bio-Kartoffeln verschwinden von Feldern im Altenburger Land
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00:19 07.09.2017
Die letzten Knollen ihrer Art – seit diesem Jahr baut Landwirt Hans-Jörg Schäffner keine Bio-Kartoffeln mehr an. Quelle: Mario Jahn
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Garbus

In den vergangenen Jahren hatte gerade jetzt im Spätsommer Hans-Jörg Schäffner eine besonders arbeitsreiche Zeit. Denn die Kartoffelernte lief auf Hochtouren in dem Biobetrieb in Garbus. In diesem Jahr ist es aber anders, denn der Landwirt hat die Produktion von Bio-Kartoffeln eingestellt. Rund 20 Prozent des Gesamtertrags machten über rund zehn Jahre Kartoffeln und Gemüse aus. „Ich hatte mir von vornherein vorgenommen, nach dieser Zeit die ganze Sache betriebswirtschaftlich zu prüfen“, sagt der ursprünglich aus Bayern stammende Bauer.

Das Ergebnis der Rechnung fiel aber nicht gut aus. Im Verhältnis zum zu betreibenden Aufwand rechne sich der gewerbliche Kartoffelanbau nicht. „Dazu kam, dass ein Teil unserer Saisonkräfte das Rentenalter erreicht hat und es praktisch ausgeschlossen ist, neue Leute zu finden“, ergänzt Karin Schäffner. Dazu kam, dass der neunjährige Sohn der Schäffners schon im letzten Winter seinen Vater fragte, warum er eigentlich jeden Tag von früh bis spät unterwegs ist.

„Die Kartoffel ist eine aufwendige Frucht“, erklärt Schäffner. Das beginne auf dem Feld mit der Saat, Pflege und Ernte. „Bei Kartoffeln hat man im Vergleich sehr viel Masse zu bewegen und benötigt spezielle Technik wie Kartoffelroder.“ Aber auch die Lagerung bedeutete viel Aufwand. „Deswegen hatte ich eigentlich von Ende August bis in den März rein ständig zu tun“, so Schäffner.

Doch in diesem Jahre sollte er für das Kilogramm Bio-Kartoffeln nur noch 40 Cent bekommen. Im vergangenen Jahr waren es noch 65. „Da wäre ich bei plus minus null raus gekommen“, rechnet der Landwirt vor.

Damit aber nicht genug. Etwa 80 Prozent der Ernte verkaufte der Schäffnersche Betrieb an den Großhandel. Die Abnehmer – wie Schäffner erklärt, gebe es deutschlandweit sechs oder sieben Bio-Großhändler – ziehen zwischen 30 und 40 Prozent von der Lieferung ab, weil die Kartoffeln nicht schön genug für den Handel sind. „Diese Kartoffeln sind dann so etwas wie Abfall, den wir natürlich nicht bezahlt bekommen“, klagt Schäffner.

Seine Frau und er seien als überzeugte Bio-Bauern immer der Ansicht gewesen, Bio-Lebensmittel gehören in den Discounter. Nur so könnten sie einen größeren Markt erschließen. Die Kehrseite dieser Medaille sei aber, dass es dann nach den Regeln des Einzelhandels gehe. „Die nehmen gern unsere Produkt auf, aber nicht aus Überzeugung, sondern mit dem Ziel, den Kundenstamm und den Umsatz sowie den Gewinn zu erhöhen.“ Weil aber fast 90 Prozent der Käufer erst direkt vor dem Regal entscheiden, welche Kartoffel in den Korb kommt – das gilt für konventionell hergestellte Kartoffeln ebenso – sei die Optik eben das letztlich entscheidende Kriterium.

Da konnten und wollten Karin und Hans-Jörg Schäffner nicht mehr mitmachen, erklären sie. „Aber das ist uns nicht leicht gefallen. Über ein Jahr haben wir mit uns gerungen“, sagt Karin Schäffner. Und noch immer ist ihnen die Enttäuschung anzumerken. „Die Kartoffel hat uns wirklich sehr am Herzen gelegen. Deshalb haben wir viel investiert – sowohl in Technik als auch in zig Seminare und Fortbildungen“, so Hans-Jörg Schäffner.

Mit viel Leidenschaft haben sie erstklassige Bio-Kartoffeln produziert. „Als im vergangenen Jahr zum Beispiel der September so warm war, haben wir nachts geerntet, wenn es kühler war, damit die Kartoffeln keinen Schaden nehmen“, erinnert sich der Landwirt. Doch am Ende spielte das keine Rolle, und verkäuflich waren nur optisch schöne Knollen, was mit dem Bio-Gedanken wenig gemein habe.

Mit dem Verschwinden von Kartoffeln und Gemüse aus der Produktion schlossen die Schäffners auch ihren Hofladen, weil es schlicht auch nichts mehr zu verkaufen gibt. „Der Absatz war dort zu gering, um die Produktion weiterzuführen. Wenn sich Bio-Kartoffeln schon im großen Stil nicht rechnen, dann erst recht nicht im kleinen“, erläutert Schäffner. Dennoch sind und bleiben sie von der Bio-Landwirtschaft überzeugt. Nach Auffassung der beiden früheren konventionellen Landwirte schade diese Methode dem Boden. „Speziell den Mikroorganismen und Kleinlebewesen in der Erde. Aber wir wollen einen artenreichen Acker erhalten“, stellt Karin Schäffner klar. Deshalb habe sich ihr Betrieb auch „nur“ von den Kartoffeln und der Direktvermarktung getrennt, und seien sie auf das einfacher zu produzierende Getreide umgestiegen, wofür etwa keine Saisonarbeiter benötigt werden. Hafer, Weizen, Dinkel, Roggen, Ackerbohnen und Erbsen sowie Körnermais werden jetzt auf den Schäffnerschen Felder angebaut.

Von Jörg Reuter

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