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Bislang beispiellos

Bislang beispiellos

Es zählt zu den ältesten und zurzeit besten jungen Orchesterensembles weltweit - das Nationale Jugendorchester von Wales. Es vereint walisische Spitzentalente im Instrumentalbereich zwischen 13 und 20 Jahren.

Altenburg.

Davon konnte man sich beim Konzert am Freitagabend im Agnesgarten überzeugen. Es war, um es vorwegzunehmen, eine Ausnahme-Veranstaltung in der nun schon recht langen Geschichte des Altenburger Musikfestivals.

 

Der derzeitige Dirigent des National Youth Orchestra of Wales, Grant Llewellyn, hat die gleichen walisischen Wurzeln wie seine jungen Musikerinnen und Musiker - und dazu die kommunikative Begabung, die man englischen Dirigenten nachsagt. Das ist wohl eine der wichtigsten Voraussetzungen, um stets die Kontrolle über ein solches Riesenensemble von 115 Musikern zu behalten und es in dieser Masse in einem nicht leicht zu spielenden Programm zu Spitzenleistungen zu führen.

 

Denn es ist schon ein großes Risiko, mit zwei einheimischen zeitgenössischen Werken den Kurztrip nach Deutschland anzutreten und das Programm mit zwei Wagner-Musiken und dem letzten Werk Rachmaninows, seinen Sinfonischen Tänzen, zu belasten. Dies steht auch der allgemeinen Praxis anderer Jugendorchester entgegen, lange spätromantische Werke zu bevorzugen. Das alles zeugt von Experimentierfreude und Selbstbewusstsein und vor allem von Vertrauen in das Können der jungen Musiker und von keiner Scheu, ihr Publikum herauszufordern.

 

Von dem jungen walisischen Komponisten Joseph Davis erklang das Orchesterstück Byzantium. Das sind musikalische Reflexionen auf das gleichnamige Gedicht eines Dichters. Bewundernswert, wie das junge Orchester die Schwierigkeiten der modernen Partitur meisterte. Langer, herzlicher Applaus war der verdiente Lohn.

 

Mit einer ganz anderen Tonsprache überraschte Catrin Finch, eine der weltbesten Harfenistinnen. Sie setzte mit ihrem Harfenkonzert die vom Barock bis zum Ende des 19. Jahrhunderts geübte Praxis fort, dass sich große Instrumentalsolisten Konzerte für ihr Instrument selbst schreiben. Und was hat sie da für sich und das Publikum komponiert! Es sind Erinnerungen an das Werk und das Leben des walisischen Dichters Hedd Wyn, der im Ersten Weltkrieg sein Leben verlor. Durch die ständigen Harfenwellen - neben der Solistin spielen noch drei Harfen im Orchester, - wurde eine beeindruckende Klangwelt geschaffen, die das begeisterte Publikum von den Sitzen riss und die es mit tosendem Applaus und Bravos honorierte. Das war wohl das ungewöhnlichste Musikstück, das im Rahmen des Musikfestival hier je gespielt wurde.

 

Die beiden Orchestervorspiele aus Wagners Oper "Lohengrin" waren ein Geschenk der Waliser an ihre deutschen Gastgeber anlässlich des 200. Geburtstags des großen Meisters. Wagners beide Vorspiele erfüllen alle Kriterien für einen zarten, reinen und lichten Streicherklang. Und die jungen Musiker spielen ihn auch so, wobei die Fülle der Streichinstrumente dieser Musik eine Kraft gibt, die man sonst bei der Wiedergabe nicht findet. Wohl nur aus dem Bayreuther Graben tönen diese Vorspiele mit ähnlich sattem Klang.

 

Die Sinfonischen Tänze, 1940 in den USA geschrieben, sind Sergej Rachmaninows letztes Werk. Es ist eine schwierig zu spielende Musik und steht eigentlich außerhalb eines Programms für Jugendorchester. Ein selbstbewusstes, gut ausgebildetes Ensemble wie dieses aber, mit einem Dirigenten, der stets die Kontrolle über die ausgefeilte Spieltechnik und das rhythmische Feingefühl hatte, meisterte die Wiedergabe. Frenetischer Beifall des begeisterten Publikums auch dafür. Eine Zugabe war zwangsläufig. Es gab ein Stück über das Meer, auch mit der Harfenistin Catrin Finch, die mit ihrem Instrument das Rhythmisieren der Wellen spielte, und mit allen Klangmöglichkeiten eines Riesenorchesters. Als dann Teile des Ensembles noch sangen, war das Klangwunder in Form einer Kantate perfekt.

 

Geschlossen stand das Publikum bei rhythmischen Ovationen, bis sich plötzlich das gesamte Orchester erhob und die Walisische Nationalhymne "Oh Land meiner Väter, oh Land meiner Liebe" anstimmte. 115 junge Menschen singen mit patriotischer Inbrunst von der Liebe zu ihrem Land in absolut choristischer Qualität. Das war ein berührender und für das Publikum überwältigender Augenblick. Es waren nicht wenige Besucher, die mit den Tränen kämpften und einige, die ihnen freien Lauf ließen für ein musikalisches Erlebnis, das es so hier noch nicht gegeben hat.

 

© Kommentar Seite 11

Manfred Hainich

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