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Bissig wie eh und je

Bissig wie eh und je

Brechts "Dreigroschenoper", bislang nur in Gera zu sehen, erlebte am Sonntag ihren großen Premierenerfolg in Altenburg. In einer straffen und temporeichen Fassung hatte vor zwei Jahren ursprünglich Amina Gusner die "Dreigroschenoper" auf die Bühne gebracht.

Altenburg.

In den Händen von Christiane Müller lag nun die Wiederaufnahme-Regie für das Landestheater.

 

 

 

Keine Frage: Das Stück ist ein Klassiker. Das heißt allerdings nicht, dass es im Sinne von "zeitlos gut" nicht auch immer noch bissig aktuell wäre. Daher kann es wohl nach wie vor seine Wirkung nicht verfehlen - genau so, wie es nun einmal geschaffen wurde. Es braucht nicht viele Anspielungen auf die Entstehungszeit zum einen und auf die Gegenwart zum anderen, um die Bezüge klar zu machen. Bettler gibt es immer. Prostituierte auch. Gauner sowieso. Und das Machtgefüge? Wo es ein Oben gibt, da ist auch immer irgendwo unten. Und wo es Arm und Reich gibt, gibt es immer ein Interesse am Materiellen. Und wenn das nicht für alle reicht, dann ist sich eben jeder selbst der Nächste.

 

Das war nicht anders, als John Gay seine "The Beggar's Opera" schrieb und auch nicht als Bertolt Brecht und Kurt Weill sich durch dieses Werk zu ihrer "Dreigroschenoper" inspirieren ließen. Und nach wie vor ist das wohl fast überall so, wo Künstler ihre Sicht auf diese Schauspieloper auf die Bühne bringen. Nun wieder einmal in Altenburg. Archetypen sind es, die in dieser bitterbösen Geschichte über die Verhältnisse, die eben nicht so sind, revuehaft singen, tanzen, agieren.

 

Die verbindliche Anonymität eines Parkhauses bildet im Bühnenbild von Jan Steigert den Rahmen. Anspielungsreich - konkret und abstrakt zugleich gestaltet sich das revuehafte musikalisch-theatrale Geschehen. In liebenswürdigem Maße schräg sind die Charaktere - nette Sozial-Karikaturen (Kostüme: Inken Gusner). Doch vor allem zieht dieser Theaterabend seine Wirkung aus der Spielfreude eines fantastischen Ensembles, in dem Heiko Senst als Jonathan Peachum eine Art Antriebsmotor ist. Manuel Struffolino bedient als Macheath aufs Köstlichste die Machoattitüde. Da ist Polly (Raphaela Möst) eine mehr als passende süß-dämliche Gangsterbraut. Schrill und überraschend ist Anne Kessler als Celia Peachum. Manuel Kressin gibt einen Polizeichef Tiger Brown, der soweit aus einer überkommenen Gesellschaft stammt, dass er selbst zum Korrupt-Sein zu angestaubt ist.

 

Nicht nur in musikalischer Hinsicht ist einmal mehr Vanessa Rose als Spelunken-Jenny der Star des Abends. Ob ihre Salomo-Szene für Brecht'sches Theater schon zu einfühlsam ist, bleibt Geschmackssache. Aber stark ist sie auf jeden Fall. Nora Undine Jahn, Ulrich Milde, Henning Bäcker, Peter Prautsch und Ralph Jung komplettieren ein überzeugendes Ensemble.

 

Kaleidoskop-artige Brechungen in den Videos von Frank Vetter machen den Anspruch deutlich, verstärken Brecht'sche Distanz und Revue-Attitüde gleichermaßen. In den bewährten Händen von Olav Kröger liegt die musikalische Leitung dieser Produktion. Geschickt hat der Schauspielkapellmeister die Möglichkeiten seines Ensembles ausgelotet und eine Fassung geschaffen, die intelligent mit den sängerischen Grenzen von Schauspielern umgeht. Das hat Witz und musikalischen Hintersinn, macht Spaß und umschifft geschickt alles für sich Schlagerhafte.

 

Und bei all dem ist diese Produktion der "Dreigroschenoper" genau das, was man sich ganz besonders bei dieser Vorlage wünscht: Theater für jedermann, Kunst, der jeder etwas abgewinnen kann, wenn eben auch vielleicht jeder etwas anderes.

 

Nächste Vorstellungen am 13. und 28. Dezember, jeweils 19.30 Uhr. Karten an der Theaterkasse (% 03447 585160) und in der OVZ-Geschäftsstelle (% 03447 574942) - Abonnenten erhalten an beiden Kassen zehn Prozent Rabatt - sowie im Internet unter www.tpthueringen.de.

Tatjana Böhme-Mehner

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