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Bissiger Dieb aus Altenburg bekommt drei Jahre und sieben Monate

Landgericht Gera Bissiger Dieb aus Altenburg bekommt drei Jahre und sieben Monate

Ausraster mit Folgen: Ein 30-Jähriger ist vom Landgericht Gera zu über dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Hauptgrund: Der Drogensüchtige schlug und biss einen Ladendetektiv, als dieser ihm beim Diebstahl erwischte. Im Gefängnis wird der Altenburger aber nicht mehr lange bleiben müssen.

Der unter anderem wegen schweren räuberischen Diebstahls Angeklagte Ralf H. (l.) bespricht sich am Landgericht Gera mit seinem Verteidiger Robert Streu.

Quelle: Thomas Haegeler

Altenburg/Gera. Wie ein wildes Tier wirkte der Angeklagte zu keiner Zeit. Vielmehr hinterließ Ralf H. am Dienstag im Landgericht Gera einen ruhigen, ja fast geläuterten Eindruck. Unvorstellbar, dass der 30-Jährige vor knapp anderthalb Jahren einen Ladendetektiv per Faustschlag verletzt und ihn gebissen hat, als dieser ihn daran hindern wollte, Druckerpatronen aus einem Supermarkt in Altenburg-Südost zu stehlen. Schuld an Ausrastern wie diesem war nach Angaben des Altenburgers sein „krasses Drogenproblem“.

Doch genau das wurde ihm zum Verhängnis. Denn die 1. Strafkammer unter Leitung des Vorsitzenden Richters Uwe Tonndorf verurteilte den Angeklagten wegen räuberischen Diebstahls, vorsätzlicher Körperverletzung, weiterer Diebstähle, Hehlerei, Entziehung von Strom und Drogenbesitzes zu insgesamt drei Jahren und sieben Monaten Haft. Darin enthalten waren jedoch mehrere Geldstrafen und eine Haftstrafe, die das Altenburger Amtsgericht H. schon zuvor wegen ähnlicher Delikte ausgesprochen hatte. Absitzen wird der Altenburger die Strafe aber nicht im Gefängnis, sondern – wie das Gericht wegen seiner dreijährigen Crystal-Sucht anordnete – zum Großteil in einer Therapieeinrichtung.

Den eingangs erwähnten Hauptvorwurf hatte H. zwar eingeräumt, aber anders dargestellt als die Anklage. Staatsanwalt Stefan Beyer sprach davon, dass der Angeklagte zunächst den Detektiv und einen Sicherheitsmitarbeiter beiseite stieß. „Er schlug um sich und zog beide mit sich.“ Wie Richter Tonndorf feststellte, waren das „zwei gestandene Männer“, die H. vom Büro im Obergeschoss des Kauflands in der Käthe-Kollwitz-Straße über die Rolltreppe bis zur Information ins Erdgeschoss hinter sich her schleifte. Laut Anklage kam es dort zu einer Rangelei, in der der Angeklagte den Detektiv mit der Faust, in der sich ein Schlüsselbund befunden haben soll, ins Gesicht schlug. Dabei sei bei dem Opfer eine zwei Zentimeter lange Platzwunde entstanden und ein Schneidezahn abgebrochen, so Beyer. Im Anschluss habe er dem Detektiv in die Hand gebissen.

Der Angeklagte bestritt den Gewaltexzess nicht. Allerdings habe er zuvor von einem der beiden Männer einen Schlag abbekommen, erklärte er. „Dann bin ich ausgerastet und habe um mich geschlagen.“ Auch habe er keinen Schlüssel in der Hand gehabt, weil er zu dieser Zeit weder eine Wohnung noch einen Schlüssel gehabt habe. Letzteres ließ sich nicht beweisen. „Im Zweifel für den Angeklagten“, begründete Tonndorf, warum die Kammer „nur“ einen räuberischen Diebstahl mit vorsätzlicher Körperverletzung sah – und nicht wie der Staatsanwalt wegen des Schlüssels als Waffe einen schweren Fall.

Dass sich der 30-Jährige bei seinem Ausraster wie ein Tier aufführte, beschrieb der verletzte Detektiv eindrucksvoll. So sprach er dem bissigen Dieb fast unmenschliche Kräfte zu. „Ich habe gepumpt danach“, sagte er und schob das auf den Crystal-Konsum. Die dezente Narbe an Mund und Wange ist aber nicht seine einzige bleibende Erinnerung an H. Denn über ein Jahr zuvor hatte er bei seiner ersten Bekanntschaft mit dem Angeklagten bereits einen Kapselriss im Mittelfinger der rechten Hand erlitten, weswegen dieser heute krumm ist. „Mir tut es schrecklich leid“, sagte H. zum Geschädigten. „Ich war nicht Herr meiner Sinne.“ Von Groll war bei diesem jedoch keine Spur.

„Nutzen Sie diese Chance“, redete Tonndorf dem Angeklagten ins Gewissen. Mit dem Urteil lag die 1. Strafkammer ziemlich nah an der Forderung von Verteidiger Robert Streu, der insgesamt drei Jahre und vier Monate gefordert hatte und mit seinem Mandanten das Urteil annahm. Staatsanwalt Beyer plädierte für fünf Jahre und erwägt Revision. Deshalb ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Von Thomas Haegeler

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