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Bitte warten ... Über Klingeltöne in Ämtern

Bitte warten ... Über Klingeltöne in Ämtern

Es hat sicher schon jeden erwischt: Ein Anruf auf Ämtern oder Behörden - die Verbindung von einem Mitarbeiter zum anderen - und schon geht die Dudelei aus dem Telefonhörer los.

Altenburg. Von Jörg Wolf und Jonas Alder

Was da aus dem Hörer im Altenburger Rathaus dudelt, vermag Sprecher Christian Bettels beileibe nicht zu sagen. "Aber die Melodie ist zumindest Gema-frei", sagt Bettels. Anders, als zum Beispiel beim Lied "Kein Schwein ruft mich an", bei dem der Rechteverwerter gnadenlos zuschlage, fügt er hinzu und lächelt. "Es ist ja auch nicht so wichtig, ob diese Melodie dem Anrufer gefällt, oder nicht. Wichtiger ist doch, dass sie nur kurz zu hören ist und der gewünschte Anschluss rasch zustande kommt."

Auch Frithjof Tostlebe steht bei der Frage nach dem Titel des Musikstücks vor einem Rätsel. Dabei ist er zuständig für Kommunikationstechnik im Rathaus und damit Profi schlechthin. Wenngleich er wegen dieser Wissenslücke augenscheinlich keinerlei schlaflose Nächte haben wird: "Andere Lieder sind auch einstellbar. Die Frage ist, ob das nutzt." Oder überhaupt jemand bemerkt?

Schulterzucken auch an der Schnauder: Bei der Verwaltung in Meuselwitz sei die vom Hersteller eingestellte Melodie zu hören. "Das ist der Standard für den Telefon-Typ", sagt Sachbearbeiterin Birgit Zöphel. Wie viele Anrufer die Musik täglich zu Hören bekommen, weiß sie nicht: "Es gibt bei uns keine statistischen Erhebungen, sodass die Zahl nicht erfasst ist."

Welchen Titel die Musik in der Warteschleife hat, kann auch Barbara Linzer vom Hauptamt in Lucka nicht sagen. Auch ob es schon immer die gleiche Melodie gewesen ist, kann sie nicht sagen. Vielleicht sogar ein Oldie? "Denn schon seit 1994 schallt im Haus Musik aus dem Hörer."

Doch es gibt noch Überraschungen: Vivaldis "Vier Jahreszeiten", antwortet der Gößnitzer Bürgermeister Wolfgang Scholz (Initiative Städteverbund) wie aus der Pistole geschossen auf die Frage, was Anrufer im pleißestädtischen Rathaus so in die Ohren bekommen. Auch Hauptamtsleiterin Dorothee Philipp sage die Musik zu. "Dass das vielleicht nicht jedem Bürger gefällt, ist wohl bei jeder Melodie so", räumt sie ein. Vielleicht ist es mal an der Zeit für einen Wechsel? Denn schon seit 17 Jahren erklingt Vivaldi aus dem Hörer. "Die Warteschleife haben wir uns bei der Installation der Anlage aussuchen können", so Dorothee Philipp.

Bürgermeister Wolfgang Scholz dürfte auch mit anderen Klängen keinerlei Probleme haben: "Ich höre jede Musik, auch härtere Sachen."

Und heutzutage kann bekanntlich ein Anrufer mit Klängen jeder Art unterhalten werden. Gerade in Zeiten modernster und multifunktionaler Handys. Da gibt es bei Scholz aber nur das eintönige musiklose "Tuuut, Tuuut" nebst standardisierter Mailboxansage zu hören.

Aber manche von seinen Amtskollegen setzen im Privaten sogar ganz gezielt auf Musik im Hörer, wie sie mit einem Augenzwinkern eingestehen. Paul Kalkbrenners Hit "Sky and Sand" ist beispielsweise bei einem Anruf beim Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD) zu hören. Zumindest bis der abnimmt. "Klar ist das ein ruhigeres Lied. Aber es gefällt mir nicht nur persönlich sehr gut. Es baut sicher auch beim Anrufer eventuell aufgestauten Frust ab, den er eigentlich bei mir abladen will", meint Läbe. Denn auch für die Frustbewältigung seiner Bürger sei ein Bürgermeister ja da. Wie lange der Hit bei Läbe noch zu hören ist, bleibt sein Geheimnis. Denn der Nobitzer outet sich gegenüber OVZ als ein leidenschaftlicher Wechselfan: Noch vor einigen Wochen erklang "Grenade" von Bruno Mars - übrigens auch so ein ruhiger Song, der Ärger schneller verrauchen lassen dürfte. Also doch gewiefte Bürgermeistertaktik? Hendrik Läbe lacht, lässt sich aber nicht in die Karten schauen: "Das Lied gefällt mir eben auch sehr gut. Und wenn es anderen ebenfalls gefällt, dann ist es doch gut so."

Einen lange im Geschäft stehenden Künstler hatte sich bis vor Kurzem Göhrens Gemeindeoberhaupt Roberto Bauer heruntergeladen: "Bryan Adams, weil ich den Sänger einfach mag." Mittlerweile überbrückt auch er die Wartezeit vom ersten "Tuuut" bis zum Abnehmen mit Modernerem: Gotye mit "Somebody that I used to know" ist zu hören. "Schönes Lied", konstatiert Bauer. Was übrigens auch mancher Anrufer so sieht: "Etliche haben sich schon beschwert, dass ich so zeitig abgenommen habe. Sie wollten doch noch mehr von diesem schönen Lied hören", erzählt Bauer. Gibt es bald einen neuen Favoriten? "Weiß ich noch nicht. Ich bin eigentlich kein so häufiger Wechsler."

Beim Altenburger Chef vom Technischen Hilfswerk, Ronald Reiß, dürfte das in absehbarer Zeit wohl der Fall sein. Wenngleich er in den zurückliegenden Jahren eigentlich in Sachen Telefonmusik eine richtige Konstante war: "The Race" von Yello dröhnte immer in den Ohren. "Ich mag die Schweizer Truppe einfach und die Musik entspannt mich, obwohl sie ja eigentlich gar nicht entspannend ist." Was übrigens einige Anrufer ebenso gesehen haben müssen. "Manche haben mir erzählt, dass sie rasch wieder aufgelegt haben, als das Lied losging, weil sie vermutlich dachten, sie hätten sich verwählt und sind sonst wo herausgekommen. Das ist denen aber nur beim ersten Mal passiert. Doch vielleicht hat das Lied auch manchen unliebsamen Anrufer abgeschreckt, der es nie wieder probiert hat. Und da ist das doch gar nicht so unangenehm."

Übrigens: Es gibt auch hochrangige Totalverweigerer. Landrätin Michaele Sojka (Linke) gehört dazu: "Ich hatte nie solche Melodien und auch gar keine Zeit, so was runterzuladen." Bei der ersten Frau des Kreises bleibt es also beim sachlichen "Tuut".

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