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Blick hinter die Kulissen des Altenburger Theaters

Tag der offenen Tür Blick hinter die Kulissen des Altenburger Theaters

Rund 1700 Altenburger besuchten am Montag den Tag der offenen Tür am Landestheater Altenburg. Zwischen 11 und 17 Uhr herrschte Trubel und Programm auf allen Bühnen und dem Theatervorplatz. Darüber hinaus konnte in zig Räumen – von der Kulissenwerkstatt bis zur Kantine – probiert, geschaut, gefragt und zugesehen werden.

Den Blick von der Bühne in den Zuschauerraum des Altenburger Theaters haben normalerweise nur die Künstler und Mitarbeiter.

Quelle: Jörg Reuter

Altenburg. Theater lebt von der perfekten Illusion. Am Montag hatten die Altenburger die Möglichkeit, bei einem Blick hinter die Kulissen mehr über die Tricks und Kniffe zu erfahren, die für gelungene Vorstellungen nötig sind. Von 11 bis 17 Uhr fand am Landestheater Altenburg ein Tag der offenen Tür statt. Für den sich die Theaterleute mächtig ins Zeug gelegt hatten. Auf den Bühnen, auf dem Theatervorplatz, im Innenhof und in zig Räumen – von der Kulissenwerkstatt bis zur Kantine – konnte probiert, geschaut, gefragt und zugesehen werden. Rund 1700 Neugierige nutzten diesmal das Angebot, das es am hiesigen Standort nur alle zwei Jahre gibt.

„Sicher, das ist immer ein großer Aufwand. Etwa 80 Prozent von den 300 Leuten der Belegschaft machen mit. Aber für uns ist der Tag der offenen Tür immer auch Werbung für die neue Spielzeit“, sagte Franziska-Elisabeth Maul, Leiterin des Abenddienstes, und empfahl unter anderem eine Stippvisite in der Deko-Abteilung. Dort konnten ganz aus der Nähe Teile vom Bühnenbild des Musicals „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ betrachtet werden, das am Sonnabend Premiere hat. „Viele Besucher sind überrascht, wie groß die Requisiten in natura sind“, sagte die Leiterin der Dekoration, Gabriela Pautzsch. Ganz anderes ihre Ausgangspunkte – das sind kleine Modelle und technische Zeichnungen vom Bühnenbildner. Die Aufgabe ihrer Abteilung sei es dann, die Ideen – wie auch immer – umzusetzen, und zwar kostensparend und in Bestzeit. „Bei Tutti zum Beispiel habe wir bis unmittelbar vor Beginn der Generalprobe genäht.“ Alles zusammen – Kostüme, Requisiten und Bühnenbild – füllt bei so großen Produktionen bis zu vier Container, die dann in der Poststraße stehen, erzählt sie den staunenden Besuchern.

Nicht nur zu bestaunen, sondern auch zum Probieren waren in einem anderen Raum die rund 150 Kostüme, die Cornelia Möckel aus dem über 500 000 Teile umfassenden Fundus präsentierte. Jeder konnten bei ihr in ein Schwanenkostüm oder ein Prinzessinnenkleid schlüpfen. Ein Angebot nicht nur für Kinder – auch manch Erwachsener griff zum Zylinder oder Federhut, um dann ein Selfie für die Freunde daheim zu schießen. „Meist fertigen wir die Kostüme in Handarbeit. Auch deshalb versuchen wir, sie wiederzuverwenden, wenn es möglich ist “, so Cornelia Möckel, Chefin der Kostümabteilung. Dennoch braucht ihr Team bei großen Produktionen bis zu sechs Wochen. Allein für das Musical „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ mussten beispielsweise rund 200 Kostüme gefertigt werden.

Ein Stück kann jedoch noch so toll sein, Schauspieler und Regisseur noch so gut, die Kostüme noch so liebevoll – ohne Joachim Striberny und seine Kollegen würde keine Aufführung ihre Magie entfalten. „Genau heißen wir Inspizienten, und unsere Aufgabe ist es, den technischen Ablauf bei einem Stück zu koordinieren“, sagte Striberny. Sein Arbeitsplatz ist eine kleine Kammer am Bühnenrand mit Monitoren und einem antik wirkenden Schaltpult. „Alt schon, aber zuverlässig“, meinte er und erzählte: Die modernen Pulte voller Köpfe sehen zwar wichtig aus, doch die meisten Schalter seien unnütz. „Das Erste, was du an so einem Pult machst, ist, die Knöpfe zu markieren, die du wirklich benötigst“, brach er eine Lanze für die 1989 in Altenburg installierte Bühnentechnik.

Seine wichtigsten Arbeitsgeräte sind aber die Armbanduhr und das Walkie Talkie. Ton-, Licht- oder Drehbühneneffekte müssten auf die Sekunde genau getimt werden. Die dortigen Crews erhalten von Striberny über Funk die Einsatzzeichen. „Tückisch sind Vorstellungen, wo nicht viel zu tun ist. Wenn sich beispielsweise nur alle zehn Minuten etwas ändert, muss man höllisch aufpassen, um sich nicht vom Stück ablenken zu lassen“, plauderte der ehemalige Tänzer, der nach seiner Karriere auf der Bühne hinter diese wechselte, aus dem Nähkästchen.

Nein, auf keinen Fall verliert der Zauber des Theaters, wenn die Zuschauer hinter die Kulissen blicken dürfen. „Ganz im Gegenteil“, ist sich Pressesprecherin Evelyn Böhme-Pock sicher. Der Gegensatz zwischen funkelnden Showeffekten und den teils einfachen Mitteln, wie diese erzeugt werden, erhöhe den Reiz. Zudem könnten die Bürger ruhig wissen, wieviel Arbeit in jeder Inszenierung stecke. „Je mehr die Menschen über das Theater wissen, desto mehr interessieren sie sich dafür“, erklärte Böhme-Pock und freute sich über die große Resonanz, die der Tag der offenen Tür auch diesmal in Altenburg hatte.

Von Jörg Reuter

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