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Bloß nicht zu viel Schminke

Bloß nicht zu viel Schminke

Der Zirkus ist in der Stadt. Zirkus Probst - ein großer seiner Zunft, der mittlerweile seine 68. Tournee bestreitet. Gestern hat er in Altenburg auf dem Festplatz seine Zelte aufgeschlagen, vor allem sein riesiges Zirkuszelt.

Altenburg.

Während rund 40 Mitarbeiter in rasender Geschwindigkeit diesen Koloss in die Höhe ziehen, richten sich die Künstler, Artisten und Dompteure wieder mal häuslich ein. Unter ihnen Pom Pom, der neue Clown.

 

Nun, ganz neu beim Zirkus Probst ist der Komiker freilich nicht. Er steht bereits die zweite Saison unter Vertrag. Doch im Vorjahr gastierte Probst nicht in Altenburg. "Deshalb darf sich das hiesige Publikum also auf einen neuen Clown freuen", sagt Pressesprecher Patrick Adolph. Es ist mit László Szabó, einem Ungarn, zwar wieder ein Ausländer, aber einer, der des Deutschen mächtig ist. "Wir haben seit gut zehn Jahren also wieder einen Clown, der mit dem Publikum kommunizieren kann", so Adolph.

 

Und genau das ist die Stärke von Pom Pom. Das Grundgerüst seiner Auftritte steht zwar fest, doch er ist immer neugierig auf sein Publikum und bezieht es stets in sein Programm ein. Und da die Zuschauer bei jeder Vorstellung andere sind, ist auch sein Programm immer etwas anders. László Szabó ist ein Meister der Improvisation, bescheinigen ihm seine Kollegen. Als er beispielsweise vorgestern beim Gastspiel in Glauchau die Flipflops einer Zuschauerin als Handy-Attrappe benutzt, müssen sie prustend hinter dem Vorhang verschwinden. Kein Auftritt gleich dem anderen, nichts läuft nach Schema F.

 

"Es gibt nichts Schlimmeres als Routine", ist der 49-Jährige überzeugt, dem das Zirkus-Gen als Spross einer alten ungarischen Zirkus-Familie schon in die Wiege gelegt wird. Geboren bei einem Gastspiel in Frankfurt am Main, wächst er in Budapest bei den Großeltern auf, weil die Mutter immer auf Tournee war. Artist wie sie, das will László eigentlich auch werden, doch sein Großvater rät, erst einmal einen ordentlichen, gutbürgerlichen Beruf zu erlernen. So geht der Enkel folgsam auf eine Gastronomie-Fachschule und arbeitet zehn Jahre vor allem in Hotels. "Darunter viele Jahre in Bremen, daher mein recht passables Deutsch." Irgendwann aber hat sich das Zirkusblut in seinen Adern dann doch durchgesetzt.

 

Nur mit dem Artisten-Job klappt es nicht, László Szabó wird Clown. Gelernt hat er es nicht, weil so etwas nicht zu erlernen ist. Entweder man ist dafür geboren, oder es geht nicht. Bei László Szabó geht es, und zwar richtig gut. Engagements führen in den zurückliegenden 22 Jahren nach Deutschland, Belgien, Irland, England, Frankreich und Holland, um nur einige Länder zu nennen. Einmal auch nach Moskau. Schicksalhaft, wie sich herausstellt, denn dort lernt er seine spätere Frau kennen. Mit ihr hat er inzwischen zwei Söhne, neun und drei Jahre alt. Des Kleinen wegen leben Mutter und Kinder derzeit ziemlich sesshaft in Wuppertal. Die Jungen sprechen mittlerweile deutsch, russisch und ungarisch. Manchmal reden sie in der Familie alle Sprachen durcheinander und merken es gar nicht, lacht László, der selbst auch noch englisch draufhat.

 

Doch ohne den Papa ist es manchmal recht langweilig. Deshalb kommen die Drei besonders in den Ferien so oft es geht zum Zirkus und leben dann in dem kleinen Wohnmobil, das sich László Szabó gekauft hat und das auf den Gastspielen sein Zuhause ist. Ein bisschen Privatsphäre, die man in einem großen Zirkuswagen mit anderen zusammen nicht hätte. Seit 14 Jahren immer dabei ist sein Hund Einstein, sein privater Leibwächter, wie er den kleinen Westi bezeichnet.

 

Und in genau diesem Wohnmobil wird jeden Tag aus László Szabó Clown Pom Pom - mit ganz wenigen Handgriffen. Etwas Schminke, die Haare kräftig auftoupiert, fertig. "Ich halte nicht so viel von großer Schminkerei. Nicht weil ich dazu zu faul wäre, sondern weil ich mich nicht dahinter verstecken will." Ab heute kann sich das Publikum in Altenburg vier Tag von seinem Lachen anstecken lassen.

Ellen Paul

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