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Altenburg Bombenexperten: Aschehalde Rositz so lassen
Region Altenburg Bombenexperten: Aschehalde Rositz so lassen
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00:44 11.09.2015
Blick auf die kleinen Teerseen auf der Aschehalde in Fichtenhainichen. Quelle: Mario Jahn
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Sie tat das per Sofortvollzug, womit die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) auch sofort und ohne Widerspruch mit der Sicherung hätte beginnen müssen. Bis heute, und damit fast ein halbes Jahr lang, hat sich an den gefährlichen Böschungen gar nichts getan. Wenn man davon absieht, dass die Straßen in Richtung Molbitz seit März sicherheitshalber gesperrt sind.

Eigentlich ist dies unnötig. Denn für das Thüringer Umweltministerium ist die drohende Umweltkatastrophe nicht ausreichend begründet. Ein zweites Gutachten stützt diese These. Kampfmittelexperten hatten den Bereich hin zur Molbitzer Straße und die Südböschung untersucht und von Eingriffen sowohl in die Hänge als auch in die gesamte Halde abgeraten.

Der Problem-Berg besteht aus etwa einer Million Tonnen Asche, auf der Teerreste verkippt wurden, aus denen sich vier Gift-Seen gebildet haben mit insgesamt 120 000 Kubikmetern pastösen Stoffen. Als wenn das allein schon nicht reicht, werden auf dem Gelände zahlreiche Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet, wofür es 38 Verdachtspunkte gibt. Schlimmstes Szenario: Beim Abrutschen der Böschungen würden die Teerseen mitgerissen und zusätzlich Weltkriegsbomben detonieren.

Auch für die Kampfmittelfachleute stellen die Blindgänger ein Risiko dar. Das geht aus einer Antwort des Thüringer Umweltministeriums auf eine Anfrage der OVZ hervor. Viel riskanter für sie wäre es aber, in die Ablagerung einzugreifen, heißt es. Ein Eingriff wäre, die unsichere Böschungen zu stabilisieren. Dies könnte durch den Einbau von Betonelementen oder durch das Abflachen der Hänge geschehen. Je weniger Eingriffe in den Deponiekörper, umso geringer ist die Gefahr durch Blindgängerdetonationen, heißt es in der Expertise der Bomben-Experten. Im Klartext: Besser ist es, die Aschehalde so zu lassen, wie sie ist.

Dem entgegen steht ein Gutachten der Firma GNW-Nottrodt, auf das sich die Landrätin beruft und das von einem dringenden Stabilisierungsbedarf bei den Böschungen ausgeht. Nach Ansicht des Umweltministeriums weist dieses Gutachten erhebliche fachliche Widersprüche auf. Um diese auszuräumen und vorhandene Wissenslücken zu schließen, wären weitere Untersuchungen nötig. Eine davon, das Kampfmittelgutachten, liegt nun vor. Darüber hinaus sollen durch die LEG noch Bewegungspegel gesetzt werden, für deren Finanzierung das Ministerium grünes Licht gegeben habe. Ein Ergebnis steht noch aus.

Eilig scheinen es Ministerium und LEG mit der Stabilisierung der Böschungen im Gegensatz zur Landrätin nicht zu haben. Geht es nach Ministerin Anja Siegesmund (Grüne), ist der Landkreis ohnehin bald nicht mehr für die Umweltaltlast Rositz verantwortlich, sondern gibt sie an das Land ab. Laut der Antwort aus dem Ministerium steht zumindest hier der Zeitplan fest: "Ziel ist es, die Zuständigkeit zum Januar 2016 zu übertragen."

Jens Rosenkranz

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