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Boomendes Baugewerbe bremst öffentliche Aufträge im Altenburger Land

Verzögerungen und steigende Preise Boomendes Baugewerbe bremst öffentliche Aufträge im Altenburger Land

Des einen Freud, des anderen Leid – das Handwerk im Altenburger Land freut sich über volle Auftragsbücher und Planungssicherheit für die kommenden Monate. Kommunen müssen steigende Preise, längere Wartezeiten und weniger Bewerber bei Ausschreibungen in Kauf nehmen.

Baustelle im Grüntaler Weg am Friedhof in Altenburg. Nur einer der vielen Stellen im Landkreis wo derzeit gebaut und gearbeitet wird.

Quelle: Mario Jahn

Altenburger Land. Volle Auftragsbücher, genug Arbeit für die nächsten Monate und dank der Niedrigzinsen immer mehr bauwillige Kunden – für Handwerker sieht es derzeit gut aus. Bundesweit hält sich dieser Trend – und auch im Altenburger Land wird allerorten gewerkelt.

Was des Handwerkers Freud, ist aber zuweilen der Kommunen Leid. „Oft stehen wir vor der Herausforderung, dass die Baufirmen schon zu Jahresbeginn die Auftragsbücher voll haben“, sagt Ilona Krüger, Bauamtsleiterin der Stadt Meuselwitz. „Das betrifft nicht nur Bauvorhaben der Stadt, sondern auch Instandhaltungsmaßnahmen.“

Ein weiteres Problem schildert Lars Merten, Werksleiter beim Zweckverband Altenburger Land (ZAL): „Die Misere geht schon los, wenn die Kommunen die Ausschreibungen für die Aufträge öffentlich machen. Es bewerben sich viel weniger Firmen auf die Ausschreibungen als etwa noch vor einem Jahr“, so sein Eindruck. Die Erfahrung hat man auch in der Schnauderstadt gemacht. „Die Firmen haben die Bücher voll, wir als Stadt müssen zudem recht knapp kalkulieren. Da sind öffentliche Aufträge für viele Firmen nicht mehr so attraktiv.“

Zudem steigen die Preise der Betriebe – den dieser wird bekanntermaßen eben auch von der Nachfrage beeinflusst – und kollidieren so an mancher Stelle mit den Wirtschaftsplänen der Städte und Gemeinden. Mit Blick auf die anstehenden Hochwasserschutzmaßnahmen in Zipsendorf hofft die Bauamtsleiterin, keine böse Überraschung zu erleben.

Laut aktuellem Konjunkturbericht der Handwerkskammer Ostthüringen sind die Einkaufspreise für rund 61 Prozent der Handwerksbetriebe um zehn Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Etwa 26 Prozent der Betriebe erhöhten ihre Angebotspreise aufgrund der gestiegen Material-, Lohn- und Betriebskosten.

So etwas erlebte man in Langenleuba-Niederhain (die OVZ berichtete). Die Außenanlage des Rittergutes wird als letzter Bauabschnitt auf Vordermann gebracht. Die Angebotssumme der ausführenden Firma lag über der Fördersumme. „Deshalb haben wir mit der Firma noch einmal nachverhandelt“, sagte Bürgermeister Carsten Helbig (SPD) in der letzten Gemeinderatssitzung. Der Auftrag wurde geteilt, beispielsweise wird die Bepflanzung erst im kommenden Jahr erfolgen, und alle Posten wurden noch einmal auf Einsparpotenziale untersucht. Am Ende konnte die Rechnung um 14 000 Euro verringert werden.

Die andere Seite der Medaille kennt Mario Rohr, Mitinhaber vom Bauunternehmen Rohr & Gebauer aus Langenleuba-Niederhain. Er bestätigt den Trend aus dem Konjunkturbericht. „Wir haben die Preise angehoben, sind natürlich aus unternehmerischer Sicht froh, dass wir unseren Angestellten einen angemessenen Lohn zahlen können und genug Arbeit haben.“ Die Firma hat zehn Mitarbeiter und deckt eine breite Palette an Angeboten, von Erdbau, Pflasterbauarbeiten, Betonarbeiten, Abbrucharbeiten, Wasserbau bis Begrünung, ab.

Etwa 25 Prozent der Aufträge, die das Unternehmen ausführt, sind öffentliche, etwa 75 Prozent des Umsatzes machen diese aus. „Aber mit den Ausschreibungen ist es so eine Sache. Praktikabel sind die nicht.“ Die Vergaberichtlinien seien viel zu umfangreich und müssten dringend entschlackt werden. „Zeitlich und rechtlich ist es für ein kleines Büro kaum umzusetzen, was dort alles zu beachten und anzugeben ist.“

Das positive Geschäftsklima wird laut Konjunkturbericht weiter anhalten. 89 Prozent der Handwerksunternehmen erwarten eine konstant bleibende oder verbesserte Geschäftslage. Das Thüringer Landesamt für Statistik teilte vergangene Woche mit, dass in den Monaten Januar bis Mai 2017 die Auftragslage im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,2 Prozent gestiegen ist. Als treibende Kraft gilt vor allem der Wohnungsbau mit einem Plus von knapp 27 Prozent.

13 869 Personen und damit 584 mehr als im Vorjahr sind thüringenweit in Betrieben des Bauhauptgewerbes beschäftigt. 52 Lehrstellen wurden allein für das Altenburger Land gemeldet. 31 davon sind Stand Juni 2017 noch unbesetzt. Im Kreis Greiz sind 78 Stellen gemeldet, 45 davon sind unbesetzt. In Gera sind 22 Stellen von 40 unbesetzt und im Saale-Orla-Kreis 26 von 38 Ausbildungsstellen.

Von Tatjana Kulpa

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