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Brand in Altenburger Asyl-Haus: Verfahren teilweise eingestellt

Prozess fortgesetzt Brand in Altenburger Asyl-Haus: Verfahren teilweise eingestellt

Im Prozess um den Brand in einer Asyl-Unterkunft in Altenburg Ende 2015 überschlagen sich die Ereignisse. Nach dem dritten Verhandlungstag am Landgericht Gera ist zumindest der Verwurf der Bedrohung vom Tisch. Zudem plauderte die Anwältin des Hauptangeklagten Christian B. Teile ihrer Verteidigungsstrategie aus.

 Das Verfahren gegen die Angeklagten Martin M. (l.) und Christian B. (r.) wurde zumindest für den Vorwurf der Bedrohung eingestellt. Zudem plauderte B.s Anwältin Kerstin Linnemann (2.v.r.) Teile ihrer Strategie aus.
 

Quelle: Thomas Haegeler

Altenburg/Gera.  „Wir kommen nicht weiter“, sagte Uwe Tonndorf und wirkte frustriert. Dieser Satz des Vorsitzenden Richters der 1. Strafkammer am Landgericht Gera bezog sich am Freitag auf die Aussagen eines Zeugen im Prozess um den Brandanschlag auf eine Altenburger Asylunterkunft in der Siegfried-Flack-Straße Anfang Dezember 2015. Der Kurde, der damals im sechsten Stock eines von Flüchtlingen bewohnten Hauses in der nahen Otto-Dix-Straße lebte, konnte sich nicht mehr an Details jener Männer erinnern, die vor der Unterkunft mit einem Feuerzeug hantiert hatten. Diese Tat war neben dem Hauptanklagepunkt der versuchten schweren Brandstiftung als Bedrohung angeklagt.

Sie war. Denn das Gericht stellte das Verfahren gegen die Angeklagten Christian B. (29) und Martin M. (31) in diesem Punkt ein. Dass das Herumfuchteln mit dem Feuerzeug vor der Asylunterkunft auf dem Weg zum Brandort nicht mehr Gegenstand des Prozesses ist, liegt daran, dass der kurdische Zeuge auf Nachfrage sagte, dass es zwischen ihm und den Männern keinen Blickkontakt gab. Auch sei die Feuerzeug-Aktion nicht auf ihn bezogen gewesen, und er habe von den mutmaßlich ausländerfeindlichen Parolen immer nur das Wort „raus“ verstanden. Damit war das ganze keine Bedrohung mehr, weil diese sich gegen einen konkreten Menschen richten muss.

Aber auch sonst dürfte es schwer werden, den Angeklagten die Brandstiftung nachzuweisen. Denn der Hauptangeklagte B. bestreitet, im Haus in der Flack-Straße Papier angezündet zu haben, wodurch zwei Kinderwagen ausbrannten und neun Menschen verletzt wurden. Zwar sagte der Bornaer bisher nichts zu den Vorwürfen, stritt eine Beteiligung daran gegenüber der Polizei aber vehement ab. Das bestätigte am Freitag Altenburgs Kripo-Chef Ulrich Zeppernick, der den Angeklagten seinerzeit vernommen hatte.

Einzig M. belastete seinen Kumpel, den er bei einer Thügida-Demonstration kennengelernt hat. Er sagte aus, ihn im Haus in der Flack-Straße beim Versuch gesehen zu haben, Zeitungen anzuzünden. Das sei jedoch misslungen, weil das Papier zu feucht gewesen sei. Der als Zeuge gehörte dritte Beteiligte, der laut Staatsanwalt Andreas Petzel wegen fehlender Verdachtsmomente nicht angeklagt ist, erklärte dazu nur, dass B. die Asylunterkunft mit den Worten „es hat nicht richtig funktioniert“ verlassen hat. So blieb bisher unklar, wie die Kinderwagen in Brand gerieten. Denn dazu konnten auch die Bewohner nichts sagen.

Unterdessen unterlief B.s Verteidigerin Kerstin Linnemann ein Lapsus. In einer Pause erklärte sie Staatsanwalt Petzel, dass niemand wisse, ob die Angeklagten die Wahrheit sagen und falls ja, wer. Deshalb bleibe ihr nichts anderes übrig, als auf Freispruch zu plädieren. Geschehen soll dies am Montag. Dann will Richter Tonndorf auch ein Urteil verkünden.

Von Thomas Haegeler

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