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Brand in Altenburger Asylunterkunft – neun Personen verletzt

Flüchtlinge Brand in Altenburger Asylunterkunft – neun Personen verletzt

Am Montag kam es gegen 3.15 Uhr zum Ausbruch eines Feuers in einer dezentralen Unterkunft für Asylbewerber in der Siegfried-Flack-Straße in Altenburg. Wie die Polizei mitteilte, wurden zwei Kinderwagen in Brand gesetzt. Neun Menschen worden verletzt, darunter ein erst zwei Monate altes Baby.

So sehen die Blocks in der Altenburger Siegfried-Flack-Straße aus, wo auch Asylbewerber untergekommen sind.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Am Montagmorgen ist in einer dezentralen Unterkunft für Asylbewerber in der Siegfried-Flack-Straße in Altenburg ein Feuer ausgebrochen, bei dem neun Menschen verletzt worden, darunter ein erst zwei Monate altes Baby. Ob es sich um einen fremdenfeindlichen Angriff handle oder ein Bewohner das Feuer ausgelöst habe, sei laut Polizei noch unklar.

Gegen 3.15 Uhr hat ein Bewohner des Hauses die Rettungsleitstelle angerufen und den Brand gemeldet. „Im Eingangsbereich brannte Papier, und im Treppenhaus des Erdgeschosses standen zwei Kinderwagen in Flammen“, so der zuständige Wachleiter der Schicht III der Altenburger Berufsfeuerwehr, Knut Rieger. Ein Trupp mit schwerem Atemschutz habe in den stark verqualmten Treppenhaus die Flammen aber schnell gelöscht. Umgehend wurde dann mit der Belüftung des Treppenhauses und die Suche nach Personen begonnen. „Die meisten Hausbewohner hatten sich bereits selbst in Sicherheit gebracht“, so Rieger. „Einige waren in ihren Wohnungen geblieben, aber glücklicherweise wohlauf. Die Türen dreier Wohnungen, bei denen niemand öffnete, haben wir geöffnet, aber keine Bewohner angetroffen“, so Rieger weiter. Gegen 5.30 Uhr habe man den Einsatz beenden können.

Starke Rauchentwicklung

Die Spuren der Nacht sind am Montagvormittag von außen nicht sichtbar, doch im Treppenhaus bietet sich dem Betrachter eine gespenstische Atmosphäre. Wände und Decken im Erdgeschoss sind schwarz von Ruß, es riecht verkohlt. Die Deckenlampen sind in der Hitze geschmolzen. Von den Kinderwagen sind nur Gerippe übrig .

„Nach ersten Erkenntnissen sind die Kinderwagen mit Zeitungspapier ausgestopft und dann angezündet worden“, erklärt der Pressesprecher der Landespolizeiinspektion Gera, Sebastian Hecker. Das habe recht schnell zu einer relativ starken Rauchentwicklung geführt. „Dabei werden hochtoxische Gifte frei. Da reichen schon drei- bis vier Atemzüge, um ohnmächtig zu werden.“

Zum Glück aber hätten sich die meisten Bewohner selbst in Sicherheit bringen können. Neun verletzte Personen, darunter ein zwei Monate altes Baby, sind ins Klinikum Altenburger Land eingeliefert worden, plus eine unverletzte Betreuungsperson. Alle neun mussten sich wegen des Verdachts der Rauchgasvergiftung in stationäre Behandlung begeben, sagte Klinikum-Sprecherin Christine Helbig. Drei von ihnen seien minderjährig. Mit ihrer Entlassung sei in ein bis zwei Tagen zu rechnen.

Ermittlung in alle Richtungen

Glücklicherweise sei das Treppenhaus offensichtlich mit Rauchmeldern ausgestattet, die beizeiten die Bewohner alarmierten. Einen Wachschutz für das Objekt hingegen gebe es nicht, erklärte Polizeisprecher Christian Hecker. Ob die Haustür abgeschlossen war, könne er nicht sagen. Das Haus gehört der Städtischen Wohnungsgesellschaft Altenburg  und ist vom Landkreis als Asylunterkunft angemietet worden. Derzeit wohnen Polizeiangaben zufolge 70 Flüchtlinge in dem Gebäude. Diejenigen, die nicht ärztlich versorgt werden mussten, konnten später wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Landrätin Michaele Sojka (Linke) zeigte sich bestürzt: „Ich bin fassungslos, dass es Menschen gibt, die anderen Menschen so etwas antun können. Das ist versuchter Mord.“ Sie hoffe, dass die Verantwortlichen rasch gefunden und zur Rechenschaft gezogen würden. Der Bundestagsabgeordnete Frank Tempel (Linke) sagte, dass „mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem ausländerfeindlichen Hintergrund“ auszugehen sei. „Das wäre der vorläufige traurige Höhepunkt einer von Vorurteilen und Misstrauen geprägten Stimmung in einem Teil unserer Bevölkerung.“

Die Kriminalpolizei Gera, die die Ermittlungen aufgenommen hat, sucht dringend Zeugen und hat dafür extra ein Hinweistelefon eingerichtet. „Jeder noch so kleine, noch so unbedeutend anmutende Hinweis zählt“, sagt Sebastian Hecker. Ermittelt werde in alle Richtungen. Der Sachschaden wurde auf rund 20.000 Euro geschätzt.

Hinweise bitte an Telefon 0365 82342485 oder an jede andere Polizeidienststelle.

Von Ellen Paul (mit dpa)

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