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Brunnendörfer im Altenburger Land: Es gibt sie noch immer

1993 Brunnendörfer im Altenburger Land: Es gibt sie noch immer

Über die weißen Flecken auf der Trinkwasserkarte berichtete die OVZ (Osterländer Volkszeitung) am 10. November 1993. Auch heute noch gibt es Dörfer im Altenburger Land, die sich selbst mit Trinkwasser versorgen.

Manfred Hübner kümmert sich seit Anfang der 2000er-Jahre ehrenamtlich um die Trinkwasserversorgung der Wassergemeinschaft Schömbach. In die Wasseraufbereitung musste in den vergangenen Jahren viel investieren, damit etwa mittels einer UV-Licht-Anlage (Edelstahlbehälter) das Trinkwasser automatisch entkeimt wird.
 

Quelle: Jörg Reuter

Wilchwitz.  „In Brunnendörfern drängt die Zeit, erst 20 Prozent der Einwohner des Wieratals hängen an einer zentralen Trinkwasserleitung“ – so war am 10. November 1993 der Artikel über die weißen Flecken auf der Trinkwasserkarte im östlichsten Teils Thüringens überschrieben. Der damalige Bürgermeister von Langenleuba-Niederhain, Gerd Werner, drückte vor dem Hintergrund der Gründung des Zweckverbandes Wasserver- und Abwasserentsorgung Altenburger Land (ZAL) und dem 1995 bevorstehenden Inkrafttreten einer EG-Trinkwassernorm auf die Tube. Dabei ging es auch um eventuelle Gewerbeflächen an der Bundesstraße 95, die ohne Wasseranschluss nicht möglich waren.

24 Jahre später ist der ZAL längst etabliert. Unabhängige, das heißt nicht ans öffentliche Netz angeschlossene Dörfer gibt es aber noch immer. Darunter auch noch die zwei Niederhainer Ortsteile Schömbach und Neuenmörbitz, die Werner seinerzeit im Auge hatte. „Inzwischen haben wir die Werte, speziell den Nitratgehalt, wieder im Griff“, sagt Manfred Hübner. Vor etwa drei Jahren sah die Situation anders aus, die Nitratwerte waren sehr hoch – und es musste kräftig in die Wasseraufbereitungstechnik investiert werden. Damals wurde tatsächlich überlegt, wie und ob Schömbach ans öffentliche Netz angeschlossen werden kann. Was im Fall der Fälle mit enormen Kosten verbunden wäre, weil über Kilometer erst einmal Wasserleitungen verlegt werden müssten – und das für gerade einmal 50 Einwohner.

Doch weil sich inzwischen die Qualität des Quellwasser verbessert hat, ist das Thema vom Tisch. „Und unser Wasser kostet weniger, als wenn wir es vom ZAL beziehen würden“, so Hübner durchaus stolz. Jedoch geht diese Rechnung nur auf, weil er und seine Mitstreiter zig Stunden ehrenamtlich für ihre Wasserversorgung arbeiten. Und wahrscheinlich kommen demnächst weitere Stunden dazu, ebenso wie Kosten, denn wie 1993 steht gerade eine neue EU-Richtlinie vor der Einführung.

„Ab 2019 ist geplant, auch die Strahlenwerte des Wassers zu testen“, sagt Kerstin Tessmer, die im Fachdienst Gesundheit für die Überwachung des Trinkwassers verantwortlich ist. Derzeit wird in regelmäßigen Abständen das Wasser „nur“ auf seine biologische und chemische Reinheit untersucht. Die Qualität des Wassers aus Brunnen oder Quellen habe sich in den vergangenen Jahre kaum verschlechtert. „Aber das schwankt natürlich immer ein wenig“, so die Landratsamtsmitarbeiterin. Dabei gelte: Quellen und Brunnen, die oberflächennah gespeist werden, haben eher Probleme mit Bakterien und Nitraten. Wasser aus tiefen Schichten ist demgegenüber mit Schwermetallen belastet. „Bei uns hier sind das vor allem Uran, Arsen und Mangan.“ Was gefährlich klingt, sei auch nicht ohne, weshalb Tessmer appelliert, jeder, der sein eigenes Wasser nutzt, solle es schon der eigenen Gesundheit zuliebe von zugelassenen Probenehmern untersuchen lassen. „Selbst können keine Wasserproben entnommen werden, um sie testen zu lassen. Auch ist die Aussagekraft von nicht zugelassen Laboren begrenzt. Wir erkennen derart gewonnene Werte nicht an“, betont die Fachfrau.

Allein im Gebiet des ZAL gibt es noch 19 Dörfer mit zusammen 865 Einwohnern, die ihr Trinkwasser nicht aus einem öffentlichen Netz beziehen. Für ZAL-Werkleiter Lars Merten ist das aber kein Problem. Bisweilen macht eher das Gegenteil Sorgen, wenn nämlich die Orte gern einen Wasseranschluss haben möchten, weil etwa wie in Dobraschütz die Wasserqualität an der Grenze ist. Solche Investitionen lassen sich nicht von heute auf morgen realisieren. Die Finanzierung muss geklärt sein. „Für den Bereich Trinkwasser gibt es in aller Regel keine Fördermittel, weshalb wir das stets mit Eigenmitteln bezahlen müssen“, informiert Merten. Dazu kommen rechtliche Fragen wie Baugenehmigungen, Fristen und zukunftsfeste Lösungen, wenn etwa auf privatem Land Fernwasserleitungen verlegt werden müssen.

Einen Sonderweg verfolgen die Stadtwerke Schmölln. Denn die angeschlossenen Haushalte werden seit wenigen Jahren nun mit zehn Prozent Fernwasser versorgt. Dieses wird dem eigenen Tiefbrunnenwasser zugemischt. Grund dafür ist, dass inzwischen die Abnahmemenge über der Kapazität des Brunnens liegt. Nicht am Fernwassernetz hängen auch Gößnitz, Ponitz und Heyersdorf. Diese Kommunen versorgt ZAL mit Brunnenwasser aus Merlach.

Von Jörg Reuter

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