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Bundestagswahl: Der Einzelkämpfer und der Profi aus dem Altenburger Land

Direktkandidaten Bundestagswahl: Der Einzelkämpfer und der Profi aus dem Altenburger Land

Nur zwei der Direktkandidaten aus dem Wahlkreis 194 kommen aus dem Altenburger Land: Einzelkandidat Jens Geidel und der Vertreter der Linken und Bundestagsmitglied, Frank Tempel. Welche Themen stehen bei den beiden Kandidaten oben auf der Agenda? Und kann der Neuling gegen Profis ankommen?

Am 24. September wird der neue Bundestag gewählt.

Quelle: dpa

Altenburg. Den Altenburger Jens Geidel kennt man, wenn man ihn kennt, durch seine Tätigkeit als Versicherungskaufmann mit Sitz am Kornmarkt. Die Idee, als Einzelkandidat ins Rennen zu gehen, kam eher spontan. „Dass das überhaupt möglich ist, habe ich erst aus der Presse erfahren“, sagt Geidel.

Jens Geidel

Jens Geidel

Quelle: Mario Jahn

Grundsätzlich, so seine persönliche Einschätzung, sei er politisch interessiert und habe sich bereits länger mit dem Gedanken getragen, in eine Partei einzutreten. „Allerdings konnte ich mit keiner der etablierten Parteien hundertprozentig etwas anfangen“, erklärt er. Kurz entschlossen stellte er sich als Einzelkandidat auf. Unter dem Slogan „Meckern kann jeder – Anpacken ist besser“ sammelte er die nötigen 200 Unterstützer-Unterschriften, die laut Gesetz nötig sind, um sich beim Kreiswahlleiter als Kandidat anmelden zu können. „Die Unterschriften habe ich im Bekannten- und Freundeskreis gesammelt. Aber auch bei Rundgängen durch die Stadt – etwa in Kleingartenanlagen.“

Dabei kam er mit vielen Leuten ins Gespräch und habe festgestellt, dass ihn die gleichen Anliegen umtrieben wie viele andere Bürger. Nämlich „den Eindruck, dass die Politiker in ihrer Blase in Berlin aus den Augen verloren haben, was die Bevölkerung möchte.“ Seine Hauptthemen sind gleiche Bildungschancen für alle, Einsatz für mehr Vollzeitstellen, Bekämpfung von Altersarmut und die Reformierung des Schwerbehindertengesetzes.

„Ich sehe mich selbst als Durchschnittsbürger und kenne viele Problematiken aus dem eigenen Erleben“, sagt Geidel. „Ich war angestellt, arbeitslos und selbstständig. Ich bin ehrenamtlicher Seniorenbetreuer und Familienvater. Nach jeder Wahl hatte ich schnell das Gefühl, dass die gewählten Mandatsträger den Bezug zur Basis verloren haben.“ Er selbst möchte ein Volksvertreter sein, der – auch in Berlin – ein offenes Ohr für die Belange der Bürger hat.

An sein Vorhaben geht der 52-Jährige realistisch heran. „Die Chancen, als Einzelkandidat gewählt zu werden, sind natürlich sehr gering. Aber es liegt mir fern, nur dazusitzen und zu meckern. Ich möchte es lieber selbst versuchen.“ Bisher haben es tatsächlich nur drei Einzelkandidaten in den Deutschen Bundestag geschafft. Das war 1949.

Wie Geidel seinen Wahlkampf betreibt, das weiß er noch nicht so genau. „Ich habe natürlich keine Gelder, die mir große Aktionen erlauben. Aber Flyer und T-Shirts wird es auf alle Fälle geben.“

Frank Tempel stellt sich zur Wiederwahl

Mit ganz anderen Voraussetzungen startet Frank Tempel in den Wahlkampf. Als Mitglied des Bundestages endet für ihn nun bereits die zweite Legislaturperiode in Berlin. „Gute Arbeit vor Ort gelingt nur mit einem verlässlichen und engagierten Team“, sagt Tempel. „Ich würde sagen, 90 Prozent der Arbeit hier leistet das Wahlkreis-Team.“

Frank Tempel

Frank Tempel

Quelle: Mario Jahn

Für ihn ist es wichtig, im nun startenden Wahlkampf die Themen zu setzten, die im Altenburger Land beziehungsweise im gesamten Wahlkreis die Menschen betreffen. „Im Altenburger Land ist das Hauptanliegen von mir vor allem, das Armutsrisiko zu senken.“ Außerdem sei es ihm ein Anliegen, gegen die geringen Einkommen in der Region zu kämpfen. „Wenn es genug anständig bezahlte Arbeit gibt, setzt das einen Kreislauf in Gang, der allen zugute kommt: Wenn jemand mehr Geld zur Verfügung hat, gibt er natürlich auch mehr aus, nutzt Dienstleistungen und gastronomische Angebote.“ Dadurch, so der Politiker weiter, siedele sich mehr Gewerbe an, die Steuereinnahmen für die Kommunen steigen. „Wir müssen wirtschaftlich stärker werden, um auch junge Leute in der Region zu halten.“

Die Wahlkampfplakate der Linken, die Tempel und sein Team in den kommenden Tagen im Wahlkreis aufhängen werden, beinhalten vor allem soziale Themen. „Was nützt es mir hier, mit dem Kampf gegen steigende Mieten für Wähler werben zu wollen, wenn wir das Problem in diesem Landstrich nicht haben?“, so Tempel, der seit 2004 auch im Kreistag des Altenburger Landes sitzt.

Im Wahlkreisbüro in der Moritzstraße 4 stapeln sich Plakate und Wurfsendungen für die Briefkästen. Dazu ein voller Terminkalender. Im gesamten Wahlkreis stehen in den nächsten Wochen Veranstaltungen an. Dass sich ein Einzelkandidat durchsetzen kann, das glaubt Tempel nicht.

Momentan, so seine Einschätzung, ist es vor allem das Thema innere Sicherheit, das die Menschen umtreibt. „Auch wenn die Lage sich nicht verschärft hat – es weniger Kriminalität gibt – haben die Menschen das Gefühl, dass die Lage unsicherer geworden ist.“ Der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion hat deswegen auch das Thema auf seiner Agenda und lädt dazu in den kommenden Wochen nach Langenleuba-Niederhain und Meuselwitz. „Ich nutzte solche Veranstaltungen immer auch, um mit Menschen zu sprechen, die nicht den Linken nahe stehen.“ Denn, so sagt er, gerade der Austausch mit Bürgern, die eine andere Meinung vertreten, fördere das Miteinander in der Region.

Von Tatjana Kulpa

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