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Busch-Schule in Altenburg weiht neuen Deutsch-Raum für ausländische Schüler ein

Freudentag trotz fehlender Lehrer Busch-Schule in Altenburg weiht neuen Deutsch-Raum für ausländische Schüler ein

Ein neuer Unterrichtsraum, in dem ausländische Schüler die deutsche Sprache erlernen, ist am Mittwoch in der Grundschule Wilhelm Busch eingeweiht worden. Dafür hatte das Bildungsministerium 25 000 Euro zur Verfügung gestellt. Allerdings könnten an der Schule bald die Lehrer für Deutsch als Zweitsprache fehlen, so wie an anderen Bildungseinrichtungen auch.

Die DaZ-Lehrer Nana Mekokishvilli (hinten links) und Jennifer Ehrhardt weihen mit den Flüchtlingskindern an der Busch-Schule den neuen Unterrichtsraum ein.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Für Parwaneh (10) aus Afghanistan, Anmar (11) aus dem Irak und Baraa (10) aus Syrien war am Mittwoch ein aufregender Tag. Gemeinsam mit sieben anderen Flüchtlingskindern weihten sie an der Grundschule Wilhelm Busch vor der Presse einen neuen Unterrichtsraum ein, in dem speziell ausländische Schüler Deutsch lernen können. 25 000 Euro hatte das Bildungsministerium für Renovierung und Ausstattung des Zimmers zur Verfügung gestellt, das bislang nicht zum Unterricht genutzt wurde. Wichtigstes Utensil ist eine Multi-Media-Tafel, die auf das Erlernen der deutschen Sprache ausgerichtet ist, ebenso wie acht Laptops, an denen die Kleinen das Gelernte danach mit Kopfhörern üben können.

Die Grundschule in Altenburg-Nord besitzt mit der Integration und Bildung ausländischer Kinder im Landkreis die meisten Erfahrungen. Im Moment sind 52 der 236 Schüler Migranten, beinahe also jeder Vierte. 33 von ihnen sind Flüchtlinge, zwei weitere kommen im nächsten Monat hinzu, weitere 16 bis 20 werden zum neuen Schuljahr erwartet. Klar, dass sich Schulleiterin Bärbel Bruhns über das neue Klassenzimmer freut. Denn ihre ausländischen Schüler kommen nicht nur aus Syrien oder Afghanistan, sondern auch aus Russland, Georgien, Albanien und der Türkei.

Einen unschätzbaren Dienst bei der Überwindung der Sprachbarriere leistet hierbei Nana Mekokishvilli, die seit Juni 2015 als Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) eingesetzt ist und nicht nur ihre Muttersprache Georgisch, sondern auch Türkisch, Russisch, Arabisch und Armenisch beherrscht. Allerdings läuft der Vertrag mit Mekokishvilli am 30. Juni aus. „Ich weiß nicht, wie es weitergeht“, sagte sie.

Das macht auch der Schulleiterin Sorgen. Denn eine weitere DaZ-Lehrerin ist bis Anfang Februar 2018 in Elternzeit und die dritte Kollegin beginnt nach dem Sommer ihr Referendariat. „Dann haben wir gar keine DaZ-Lehrerin mehr“, warnt Bärbel Bruhns. Laut Vorschrift müsste sie DaZ-Lehrer für 50 Wochenstunden haben, im Moment reiche sie für 34.

Solche Probleme wie an der Busch-Schule gibt es überall im Altenburger Land. Denn es fehlen solch ausgebildete Lehrer. Wie an der Busch-Schule laufen außerdem die befristeten Verträge der zusätzlich eingestellten Kollegen aus. Seitens des Schulamts wurden zusätzliche DaZ-Kräfte kaum in die Elementarstufe zugewiesen. Laut OVZ-Informationen aus dem Schulamt gibt es zudem eine Weisung des Bildungsministeriums, man möge die DaZ-Lehrer nicht an Grundschulen einsetzen, weil diese selbst für die Alphabetisierung zuständig sind.

„Eine solche Anweisung gibt es nicht“, versichert Ministeriumssprecher Frank Schenker. „Die Schulämter können eigenverantwortlich über deren Einsatz entscheiden.“ Allerdings könne die Sprachförderung an den Grundschulen in großen Teilen im normalen Unterricht erfolgen, sprich ohne DaZ-Lehrer. Wer also an einer Grundschule einem deutschen Kind die deutsche Sprache beibringen kann, könne das auch bei ausländischen Kindern, erklärte Schenker. Diese Kompetenz sei allerdings an Regelschulen und Gymnasien in der Regel nicht gegeben, begründet der Sprecher den Bedarf an DaZ-Lehrern vor allem an den weiterführenden Einrichtungen.

„Das ist Quark“, sagt Christian Tischner, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion dazu. „Für diese Aufgabe braucht es auch und gerade an den Grundschulen pädagogisch qualifiziertes Personal.“ Ansonsten könne man auch an den Gymnasien auf DaZ-Lehrer verzichten, weil es dort die Englisch- und Französisch-Lehrer mitmachen können. „Die Integration der Flüchtlingskinder und das Lernen der deutschen Sprache darf nicht zulasten der vorhandenen Kollegen gehen, die aufgrund der knappen Personalausstattung ohnehin stark belastet sind und zusätzliche Aufgaben wie Inklusion bewältigen müssen“, fordert Tischner. „So aber geht es auch zulasten der Qualität des Unterrichts und damit zulasten unserer Kinder.“

Von Jens Rosenkranz und Thomas Haegeler

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