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Altenburg CDU-Kandidat André Neumann nimmt Altenburger Rathaus ins Visier
Region Altenburg CDU-Kandidat André Neumann nimmt Altenburger Rathaus ins Visier
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09:27 17.04.2018
André Neumann, CDU-Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Altenburg, im Gespräch. Quelle: Foto: abgedreht productions
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Altenburg

Der Mann hat Humor. Bester Beleg dafür: die genormte Parkscheibe für Altenburg in André Neumanns Wahlkampftüte. Das 11 mal 15 Zentimeter große blau-weiße und ohne Werbung auf der Vorderseite auskommende Geschenk soll Empfänger vor Verwarngeldern in der Skatstadt schützen. Schließlich weiß der CDU-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters, dass einige Ordnungshüter in der Verwaltung ihren Job zu ernst nehmen.

Ob er den Vorfall, bei dem eine Frau wegen einer nicht genormten Parkscheibe vor Gericht gezerrt wurde, als OB hätte verhindern können, bezweifelt der 40-Jährige. Aber unter seiner Führung hätte es eine andere Reaktion gegeben, meint der gebürtige Altenburger und spricht von einem freundlichen Schreiben mit Hinweis auf den Fehler, aber auch vom Einstellen des Verfahrens wegen der vom Amtsgericht unterstrichenen Unverhältnismäßigkeit. Das ist sein Anspruch: gelebte Bürgerfreundlichkeit statt sturem Beamtendienst.

Wie Neumann die personell an Krücken gehende Verwaltung dafür fitmachen will? „Ich weiß, wie Menschen funktionieren, wie wichtig wertschätzende Behandlung und Motivation sind“, sagt der Personalleiter und Prokurist von Volkswagen Automobile, der in Mitteldeutschland für über 800 Mitarbeiter zuständig ist. Seine über zehnjährige Berufserfahrung in der Personalführung gebe dem Diplomkaufmann auch das Rüstzeug, fehlende Verwaltungserfahrung auszugleichen – und selbst unpopuläre Entscheidungen, wie das Versetzen von Mitarbeitern zu meistern. Außerdem sei er aufgrund seiner neunjährigen Arbeit im Stadtrat – sieben davon als Fraktionsvorsitzender – nicht ganz unbeleckt in Sachen Verwaltung.

Auch hat das Fitmachen der Verwaltung für Neumann nicht zwingend etwas mit Geld ausgeben zu tun. Vielmehr geht es um Aufgaben und Strukturen und darum, Leute entsprechend ihrer Qualifikation und Neigung einzusetzen, erklärt der Chef des CDU-Stadtverbands. So und mit Wertschätzung lasse sich auch der Krankenstand reduzieren. Zudem will er die Bürger stärker beteiligen. Letzteres etwa durch Ortschaftsräte in Altenburg-Nord und -Südost.

Überhaupt möchte der Christdemokrat sein umfangreiches Programm als langfristig angelegtes Konzept verstanden wissen. „Es ist kein Jahresplan, sondern mindestens auf eine Legislatur ausgelegt, eher länger“, sagt er. Kein Wunder. Will der verheiratete Vater zweier Kinder doch unter anderem attraktives Bauland und preisgünstigen Wohnraum schaffen, zugleich ansässige Unternehmen stärker fördern und die Region besser vermarkten, mehr Angebote für Familien machen und gleichzeitig die Schulden Altenburgs weiter zurückfahren. Neben Sponsoren und mehr bürgerlichem Engagement will er vor allem Kredite einsetzen, um die Stadtentwicklung voranzutreiben.

Dass vieles von der Altenburger CDU schon länger gefordert, aber relativ wenig – wie etwa die Brötchentaste – umgesetzt wurde, erklärt Neumann zum einen mit Verweis auf die Grenzen des Machbaren im Ehrenamt und zum anderen mit der unbeweglichen Verwaltung unter OB Michael Wolfs (SPD) Leitung. Zwar griff er den Rathauschef schon öfter an, aber es fehlte oft die letzte Konsequenz. So blieb etwa der größte Akt des Widerstands gegen den von Wolf vorgelegten städtischen Haushalt die Stimmenthaltung. Abgehakt ist hingegen seine Wahlniederlage 2012, als er es mit knapp 20 Prozent nicht in die Stichwahl schaffte.

Doch Neumann ist ein Kämpfer – wie Helmut Kohl, der ihn politisch prägte. „Die Wiedervereinigung hat mich tief beeindruckt“, erinnert sich Neumann. Die Freude, die Fahrt im Trabi in den Schwarzwald. „Das ist verbunden mit der CDU und Helmut Kohl.“ Den Anstoß, selbst aktiv zu werden, lieferte dann ein Professor für Volkswirtschaftslehre während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre. Wer sich nicht selbst engagiere, solle sich mit Kritik zurückhalten, nennt Neumann den Leitsatz des Lehrenden. Da dachte er: „Der Mann hat nicht unrecht“ – und trat in die CDU ein. „Denn Demokratie lebt von Engagement.“

An diesem Verständnis hat sich bis heute nichts geändert, wie Neumanns zahlreiche Betätigungsfelder neben Job, Familie und Politik zeigen. So gründete er nicht nur den Verein zur Erhaltung und Nutzung des Bismarckturms Altenburg und die Barbarossa-Stiftung mit, sondern gehört auch dem Freude-am-Laufen-Team, dem RB-Leipzig-Fanclub Skatstadtbullen oder dem Verein Hilfe für Menschen im Kongo an, dem er einen Großteil seiner Aufwandsentschädigungen aus Stadt- und Kreistag spendet.

Doch wie meistert der potenzielle neue Mann an der Rathausspitze dieses Pensum? Schließlich verlässt er früh gegen 7 Uhr das Haus und kommt abends erst gegen 20 Uhr wieder. Danach geht’s bis 22.30 Uhr im Ehrenamt weiter. „Daraus folgt eine konsequente Wochenendgestaltung mit der Familie“, erzählt er und gesteht ein, dass neben seiner Frau Manuela Disziplin und Konzentration die wichtigsten Helfer sind.

Dinge, auf die es auch beim Laufen ankommt. Dazu kam der 40-Jährige, weil er sich vor dreieinhalb Jahren bei 1,80 Metern mit fast 100 Kilogramm nicht mehr wohlfühlte. Also begann er, ein- bis zweimal pro Woche zu laufen und stellte die Ernährung um. Im Ergebnis hält er seither die 80 Kilo – und läuft jährlich am Rennsteig und in Altenburg zwei Halbmarathons. „Die Marathonstrecke ist das Ziel“, sagt er. Wenigstens einmal will er den langen Kanten bezwingen.

Neben dem Marathon hat der Christdemokrat, der seinen Jahresurlaub für den Wahlkampf opfert, noch einen Traum: Als Opa will er mit seinen Enkeln auf einer Bank auf dem umgestalteten Altenburger Markt sitzen. „Wenn ich daran dann noch Anteil gehabt habe, ist die Welt in Ordnung“, sagt Familienmensch Neumann – und lächelt.

Von Thomas Haegeler

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