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Altenburg CDU-Kreischef macht Flüchtlingspolitik für Verluste verantwortlich
Region Altenburg CDU-Kreischef macht Flüchtlingspolitik für Verluste verantwortlich
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23:32 24.09.2017
Kurz nach 18 Uhr werden im Wahllokal vier in Altenburg die Urnen geleert – der Beginn einer mehrstündigen Auszählung. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg/Gera

Keine Jubelgesänge, keine hochgerissenen Arme. Bei der kleinen AfD-Wahlparty in der Geraer Gaststätte Graf Zeppelin blieb es sehr ruhig, als am Sonntag die erste Prognose Punkt 18 Uhr über den Bildschirm flimmerte. Gerade einmal neun Anhänger waren da – andere, wie auch Direktkandidat Robby Schlund, waren unterwegs, weil sie als Beobachter in ihren Wahllokalen weilten. Es brauchte einige Zeit, ehe ein bisschen Stimmung aufkam. Bei einigen regte sich anfangs sogar Enttäuschung, weil man mit mehr als den 13 Prozent gerechnet hatte. Nicht so bei Robby Schlund. Er freute sich riesig, dass man im seinem Wahlkreis das beste AfD-Ergebnis in ganz Thüringen eingefahren habe und dem CDU-Kontrahenten Volkmar Vogel ein Drittel seiner Stimmen abnehmen konnte, die dieser vor vier Jahren erreichte. Der Rückhalt in der Bevölkerung habe den Wahlkampf beflügelt, sagte Schlund der OVZ. Viele Menschen kennen ihn als Arzt und wüssten, dass er „nicht die Symptome bekämpft, sondern die Ursachen von Krankheiten“. Das treffe auch auf ungelöste Probleme in der Politik zu.

Gedrückte Stimmung herrschte dagegen bei den Linken, die sich in ihrer Geraer Geschäftsstelle am Markt bei Fettbemme und Wiener Würstchen versammelt hatten. Enttäuschung machte sich schnell breit, als es die ersten Ergebnisse gab. „Das wird noch eine Zitterpartie“, sagte Direktbewerber Frank Tempel der OVZ, denn es stand am Sonntagabend noch längst nicht fest, ob er es mit Listenplatz 4 wieder in den Bundestag schafft. Es seien viele Parteifreunde da, die seinen Wahlkampf tatkräftig unterstützt haben. „Die wollen natürlich, dass es sich gelohnt hat. Doch bis das feststeht, werden wir wohl noch bis morgen früh warten müssen.“ Das starke AfD-Ergebnis habe sie befürchtet, sagte Kreisvorsitzende Ute Lukasch. „Das war der Frust über die CDU-Politik.“

Den SPD-Anhängern sah man ihre Enttäuschung am Sonntagabend nicht an. Thüringens Finanzministerin Heike Taubert herzte in der Geraer Geschäftsstelle in der Enzianstraße Direktkandidatin Elisabeth Kaiser, und auch Kreischef Frank Rosenfeld aus Altenburg überreichte einen großen Blumenstrauß für den guten Wahlkampf der 30-Jährigen. Und obwohl die SPD im Bund richtig gerupft wurde, könnte es für Kaiser zum Einzug in den Bundestag über die Landesliste reichen. „Die Krise, die wir jetzt durchmachen, ist auch eine Chance“, sagte sie der OVZ. Sie sei sehr dafür und habe gesicherte Informationen, dass die SPD in die Opposition gehe, sich dort stärke und dafür sorge, dass die AfD beim nächsten Mal verliert. „Wir müssen wieder die Partei werden, die sich um die Sorgen der Menschen kümmert und nicht nur darüber redet“, sagte sie.

Obwohl die CDU klar stärkste Kraft bleibt, wollte am Sonntagabend in der Altenburger Kreisgeschäftsstelle keine große Freude aufkommen. Dafür waren die Verluste dann doch zu groß und die anwesenden Mitglieder schon etwas enttäuscht. Das schlechte Abschneiden der SPD und das gute der AfD vor allem im hiesigen Wahlkreis habe ihn schon erstaunt, sagte Kreisvorsitzender Uwe Melzer der OVZ. Die Verluste seiner Partei hätten auf jeden Fall mit der Flüchtlingspolitik zu tun. „Das ist schwer übel genommen worden.“ Deshalb war die Anspannung bei ihm und auch bei den Mitgliedern groß, wie viel man deshalb einbüßen werde. Es sei versäumt worden, den Menschen die Politik gerade beim Thema Asylbewerber zu erklären, sie mitzunehmen, sagte Melzer. Die CDU rutschte im Wahlkreis von 41,8 auf 27,3 Prozent.

Wie die Direktkandidaten im Wahlkreis 194 in der Wählergunst liegen, zeigen die folgenden beiden Grafiken:

Die Ergebnisse der Kandidaten von CDU, Linke, SPD, AfD und Grüne. Quelle: Patrick Moyé
Die Ergebnisse der Kandidaten von FDP, Freie Wähler, V-Partei³ und der Einzelkandidaten. Quelle: Patrick Moyé

Von Jens Rosenkranz

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