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Altenburg Chance für kranke Kinder – Lukas-Stiftung weiht neue Jugendpsychiatrie in Altenburg ein
Region Altenburg Chance für kranke Kinder – Lukas-Stiftung weiht neue Jugendpsychiatrie in Altenburg ein
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18:18 17.11.2017
Eröffnungsbesucher Paul und Kathrin Strecke schauen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie die verschiedenen Therapie-Möglichkeiten im neuen Gebäude an. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Womöglich übersieht man das Graffito, gleich rechts neben dem Eingang zu Altenburgs jüngstem Haus. Es ist ein Bäumchen, das durch einen Sturm oder anderes Ungemach verletzt wurde, einen Ast eingebüßt hat, aber trotzdem weiterwächst, weil es Hilfe bekam. Er steht sinnbildlich für die kleinen und größeren Patienten, die nun dort behandelt werden. Sie sind auch verletzt, vor allem seelisch, und brauchen Hilfe, weil sie nicht mehr leben wollen, nicht mehr richtig essen oder viel zu viel, verzweifelt oder traurig sind, unter Gewalt und Mobbing leiden. Und Eltern haben, die sich Sorgen machen, oft rat- und hilflos und selbst mit den Nerven am Ende sind. Für junge Patienten wurde am Freitag am Grüntaler Weg feierlich die erste Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie eröffnet.

Viele Jahre klaffte auf diesem Gebiet trotz eines dringenden Bedarfes eine riesige Lücke, es gab im Landkreis keinen einzigen Facharzt, keine Tagesbetreuung, keine stationäre Versorgung. Bis sich die Evangelische Lukas-Stiftung Altenburg entschloss, diese zu schließen. Sie erhielt von der Landesregierung den Versorgungsauftrag mit zwölf Plätzen und begann 2013 im Obergeschoss der Erwachsenen-Psychiatrie in der Zeitzer Straße zunächst mit einer Zwischenlösung. 80 bis 85 Kinder und Jugendliche wurden seitdem in der Tagesklinik und 130 bis 140 junge Leute in der Ambulanz jährlich behandelt – in Kooperation mit der Uni-Klinik Jena, die das Fachpersonal zur Verfügung stellte.

Im vergangenen Jahr startete die Stiftung schließlich mit dem zweigeschossigen Neubau für 1500 Quadratmeter. Er kostete drei Millionen Euro, die allein von der Lukas-Stiftung aufgebracht werden. Im Erdgeschoss befinden sich Therapie-, Aufenthalts- sowie Ärzteräume und eine Küche. Herzstück ist der Bewegungsraum mit 65 Quadratmetern. Wie das noch nicht ganz fertige Obergeschoss genutzt wird, steht noch nicht fest. Umgeben ist der Neubau von einem kleinen Park mit Spielmöglichkeiten, die noch erweitert werden sollen. Zum Team gehören 14 Therapeuten und Pflegekräfte sowie drei Lehrer, die derzeit vom Schmöllner Gymnasium kommen.

Den weiter steigenden Bedarf auf diesem Gebiet hob am Freitag vor allem Amtsarzt Dr. Stefan Dhein hervor. Untersuchungen im Einschulungsalter im Altenburger Land haben ergeben, dass 22 Prozent der Kinder verhaltensauffällig sind. Im Jahr 2000 waren es noch sieben Prozent. Die Verabreichung von Psychopharmaka an Kinder nehme stetig zu. Obwohl die neue Klinik gewiss Grund zur Freude sei, dürfe man sich aber nicht zurücklehnen, müsse vielmehr der Frage nachgehen, warum immer mehr Kinder seelisch krank werden. Die Gründe dafür seien im Detail weitgehend unerforscht, sagte Dhein.

Kinder können auf vielfältige Weise seelisch krank werden. „In einer solchen Situation dürfen wir sie nicht allein lassen“, freute sich auch Landrätin Michaele Sojka (Linke), dass sich die Behandlung der jungen Patienten verbessert. Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) hob die Offenheit der Lukas-Stiftung hervor, mit der es ihr gelungen sei, Ängste und Vorbehalte gegenüber psychisch Kranken abzubauen und in der Umgebung ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Die neue Klinik bezeichnete Wolf als das Aushängeschild der Stiftung.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie sei ein kleines Fachgebiet, „aber extrem wichtig“, sagte Dr. Jens Maschmann, der Medizinische Vorstand der Uni-Klinik Jena. Seine Einrichtung sorgt seit fünf Jahren für die personelle Ausstattung der Altenburger Klinik. Eine solche Kooperation über eine Entfernung von 80 Kilometer hinweg aufzubauen und aufrechtzuerhalten, sei eine echte Herausforderung, sagte er. Wenn seelische Krankheiten früh erkannt und behandelt werden, steigen die Chancen auf Heilung und einer guten Entwicklung im Leben – trotz des Knackses. Genauso wie beim kleinen Graffito-Bäumchen gleich dem Eingang, das man so leicht übersieht.

Von Jens Rosenkranz

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